Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-10-28 · Heft 44 (28.10.1868) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 44 (28.10.1868)
Date
1868-10-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447385--06594-2462157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

817 wähnt zu werden, daß die Vereinskasse im Bunde mit den meisten Gemeindemitgliedern die Anlegung des eigenen Friedhofs auch durch niedrig zu verzinsende Anlehen an die Gemeindepflege opferwillig und kräftig unterstützt hat. Breslau, 27. Tischri. Vergangenen Sonntag wurde die Prüfung der Schüler an der einzigen Hebraisten Schule Breslaus, der Unterrichtsanstalt des vr. Neustadt abgehalten. Das Examen lieferte den schönsten Beweis für den Ansspruch des Propheten: üb »3 Israel ist nicht verwaist, so lange Thoragcist nnd Thorawort in die Herzen der Heranwachsenden Jugend gepflanzt wird; mögen Reformsucht und Indifferentismus noch so sehr sich aufblähen, solange gute Schulen unsere Kinder im Geiste unserer Alten erziehen, ist das Judenthum nicht verloren, besteht es fest und unerschütterlich, ob auch die Stürme der Zeit daran rütteln, gestützt aus das Gotteswort bü'W';cTk kt '2. — Von dieser trostreichen Ueberzeugung waren auch alle die beseelt, die Gelegenheit hatten, dieser Prüfung beizuwohnen, und die gediegenen Kenntnisse der Schüler in Bibel, Grammatik, Mischna und Gemara, im richtigen Vortragen der Haftara und der Festtags- und Wochengebete zu bewundern. Namentlich der letztere Gegenstand war es, der die zahlreichen Zuhörer in wahre Begeisterung versetzte. Und mit Recht! Wenn unsere einstigen 'Tjn , dtd auch gute nibsn ’ty3 sein werden, dann wird in I einem jüdischen Gotteshause nicht mehr, wie dies kürzj lich in einer sonst frommen Gemeinde Oberschlesiens i geschehen ist, an den □i4ou D’C’ als ms rp^s?-! ein getaufter Jude sungiren!!! j Daß die hebräische Unterrichtsanstalt des vr. P.! Neustadt hier fast allgemeine Anerkennung findet, ist j auch ein bedeutsames Zeichen der Zeit. Wo, wie hier! in Breslau, die Neologie durch mehr denn 25 Jahre j sich alle Mühe gegeben hat, das Judenthum allmählich! verschwinden zu lassen, da gewinnt eine Anstalt, die! die Erhaltung des traditionellen Judenthums auf ihre! Fahne geschrieben hat, täglich mehr an Kraft und Be-! beutung üdi '-! ro. — Hamburg, den 15. October. Obgleich wie neulich die „Times" mittheilte, ein bekehrter Jude durchschnittlich auf die respectable Summe von 200 Pfund Sterling zu stehen kommt, was ein so zum Christ gewordener unter Brüdern am Ende wohl kaum werth sein dürfte, so scheint doch der Eifer gewisser Missionaire nicht zu erlahmen, die bereits am Versöhnungstage Traktätchen in der hiesigen Synagoge austheilten und am Laubhüttenfeste auf's Neue in Begleitung von fünf Knäblein erschienen, um ihre in solchen Räumen gewiß streng verpönte Literatur an den Mann zu bringen. Aber diesem unzeitigen Eifer ward durch den vor der Synagoge stehenden Polizeiosstzianten sehr bald Schranken gesetzt, der sie aus dem jüdischen Gotteshause verwies, wo ihre Thätigkeit durchaus unpaffend erscheinen mußte. Als der Missionair sich weigerte, Folge zu leisten, ward er verhaftet, jedoch wieder freigelassen, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er die Traktätchen mit Gewalt den Anhängern des alten Testaments aufgedrungen hatte. In Zukunft werden diese Bekehrer sich wohl anderweitige Räumlichkeiten aufsuchen müssen, um ihrem frommen Drang zu genügen, der lediglich auf einen Papierconsum hinauöläuft, besten dunkle Natur den Contribuenten zu jenen Missionscaffen schwerlich erwünscht sein dürfte. — Am gestrigen Tage feierten Schüler des seit dem 14. October 1818 hier als Sprachlehrer wirkenden Herrn Heinrich Wertheim dessen 50jähj riges Jubiläum dadurch, daß aus deren Mitte die; Herren Samuel Levy Söhne und vr. Anton! Ree dem Gefeierten anzeigten, daß ihm eine Iahres-; reute von Et. M. 850 als Ehrengeschenk gemacht werde, z Vielen Schülern ist die Absicht, ein solches Ehrenge-! schenk zu machen, gar nicht bekannt geworden, da eine > große Anzahl sich in weit entfernten Weltgegenden j befindet, und steht daher eine namhafte Vergrößerung j dieser Iahresrente noch zu erwarten. Diese Art der Feier! eines Jubiläums ehrt sowohl den gefeierten Lehrer, i sowie auch dessen Schüler, und wird sie hoffentlich bei ähnlichen Gelegenheiten in weitern Kreisen Nachahmung finden. O esterrerchischer Kaiserstaat. TVien, 13. October. Die heutige Wiener „Abcndpost" meldet: Auf die von der österreichischen Vertretung zu Bukarest anläßlich der letzten Excesse gegen die Juden zu Galatz gethanen Schritt behufs Wahrung der Interessen der Unterthanen Oesterreichs, begab sich der rumänische Minister des Innern persönlich an Ort und Stelle. Derselbe setzte den Polizeiprafecten und den Chef der Nationalgarde ab und sicherte sofortige Erhebung des verursachten Schadens — unter Zuziehung eines österreichischen Delegirten — wie Vergütung desselben zu. Wien. In der Mittelschul-Teputation des j Gemernderaths wurde ein Antrag eingebracht des Inhalts: „Am Leopoldstädter Realgymnasium wäre ooa Seiten der Kommune Wien ein israelitischer Religionslehrer anzustellen, da zwei Fünstheile von dm dortigen Schülern dem mosaischen Glaubensbekenntiffe angehören." Die Mittelschul-Deputation hat jedoch diesen Antrag mit dem Motiv abgelehnt, daß ebenso gut auch der Antrag aus Anstellung eines evangelischen oder griechischen Religionsleyrers eingebracht werden körnte, weil nahezu der fünfte Theil von der Schülerzahl ebenfalls anderen Glaubensbekenntnissen als dem katholischen angehöre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.