Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Daß Gott unter den vierfüßigen Thieren nur jene drei erstgenannten Arten bestimmt hat, dafür werden von unfern Weisen mehrere Gründe angegeben: „Rabbi Berachjah Bar Simon s?gte: Zehn Thiergattungen habe ich Dir als rein bezeichnet, wovon drei Gattungen den HauSthieren, sieben dem Gewilde des Feldes angehören; ich habe nicht verlangt, daß Du auf Bergen und in Wäldern jagst, um die Operthiere zu fangen, sondern Du brauchst sie nur einfach von Deiner Krippe hinweg zu nehmen." Ferner wird der Grund angegeben, daß das Rind an jenes Rind erinnere, mit welchem Abraham die Engel bewirthete, daß das Schaf an jenen Widder erinnere, der anstatt des Iizchak dargebracht wurde, die Ziege, an jene Ziegenböcklein, die Jakob seiner Mutter brachte, um daraus schmackhafte Speisen für seinen Vater zu bereiten. Ein dritter Grund ist der, daß diese Thiergattungen zu denen gehören, welche von den Raubthieren verfolgt werden; so wird das Rind von dem Löwen, das Schaf vom Wolfe, die Ziege vom Panther, die Taube von allen größeren Raubvögeln und kleineren Raubthieren verfolgt; Gott aber liebt nicht den Verfolger, sondern den Verfolgten. Hebel wurde von seinem Bruder Kajin verfolgt, deßhalb wandte sich Gott zu Hebel's Opfer; Noach wurde von seinen Mitmenschen verfolgt, und Noach fand Gunst in den Augen des Ewigen; Abraham wurde von Nimrod verfolgt und ward der Liebling Gottes; Jizckak wurde von den Philistern verfolgt und wurde der Erbe der AbrahamSverheißungen; Jakob wurde von Efaw verfolgt und ward der Erwählte Gottes; Joseph wurde von seinen Brüdern verfolgt, und Gort war mit ihm; Mvscheh wurde von Pharao verfolgt, und Gott erhob ihn über alle Geschaffenen; Israel wurde und wird manchmal heute noch von den Nationen verfolgt, und Gott hat es auSersehen zu Seinem Volke — rjTU rw vp3' Dnt>sm und Gott wird suchen den Verfolgten (Koheleth 3, 15). Da unsere Weisen diesen Ausspruch des weisesten Königs auf die Opferthiere beziehen, so wirft dieses vielleicht zusammengenommen mit dem, was wir bereits oben über den Zweck der Opfer gesagt haben, einiges Licht auf zwei schwer verständliche Verse des überhaupt sehr dunklen Koheleth. Diese Verse lauten: nvp no nerjp » o vyn» wrv» nvy ,ynx? uddi r» rpn nrn1? iew aon nas nvw na :visba .*p*u nat vp3' „Ich weiß, daß Alles, was Gott machen wird, sein wird, für die Dauer der Welt; dazu ist nichts hinzuzufügen und davon ist nichts hinwegzunehmen, und Gott hat gemacht, daß sie sich fürchten vor Ihm; waö da geworden, das ist, und was sein wird, das war bereits, und Gott wird suchen den Verfolgten." Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir oben den Zweck der Opfer dahin angegeben haben, daß diese unsere Ueberzeugung von der Schöpfung der Welt durch Gott thatsächlich darlegen sollen. Der Begriff der fteien Schöpfung durch Gott begreift aber in sich, daß Gott die Welt nach Seinem Willen wieder vernichten kann. Die Schöpfung aber, wie wir sie erkennen, ist vollkommen; alle Naturkräfte wirken und walten bereits seit den sechs Schöpfungstagen, und so lange die Welt dauert (vv'.y>) werden sie auch in ihrer Regelmäßigkeit walten. Daher muß das Opfertyier auch vollkommen (D’on) sein; es darf kein Glied zu viel oder zu wenig haben (uvv p-r yru1?;\x). Da aber durch das regelmäßige Walten und ununterbrochene Fortwirken der Naturgesetze, der verderbliche Irrthum erzeugt werden kann, daß die Welt ohne Leiter und Führer sei, und daß die Kräfte selbstständig wirken, so hat Gott oftmals den Gang der Naturgesetze unterbrochen, hat Wasser in Blut verwandelt, hat das Meer gespalten, hat Sonne und Mond stille stehen heißen, damit die Menschen Ihn anerkennen und Ihm die gebührende Ehrfurcht nicht versagen htp» n&y onbitm). Diese vollkommene Welt wird aber nicht etwa durch Ausnutzung ihrer Kräfte, durch All- und Schwachwerden der Vernichtung entgegengehen, sondern lediglich wird diese abhängen von dem freien Entschlüsse Gottes wie eS Seinem heiligen Rathfchlufse angemessen erscheinen wird. „Was da geworden ist, das ist, und was sein wird, das war bereits." Stets ist das Schöpfungswerk neu und lebenskräftig (."wpv dt toa -,2-22 rnnon rvtrsoa). „Und Gott wird suchen den Verfolgten;" denn deßhalb hat Gott jene von Raubthieren bedrohten Thiere zu Opfern erkoren , damit wir thatsächlkh darstellen, daß die Welt nicht anderswoher stammender Ursachen halber einer etwaigen Vernichtung entge-