Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1868)
- Date
- 1868-10-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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804 telpunkt der Gemeinde geworden sind. Ein Lohn des als talmudische Größe weitberühmten Rabbiners zu Schneidemühl nw?n: |iwn und beiläufig bemerkt ein Bruder des sehr gelehrten Klausrabbiners Nathausou in Hamburg, hat der Genannte frühzeitig schon umer den Jüngern seines Vaters mit Fleiß dem Thorastudium obgelegen, war später, längere Zeit zur Fortsetzung desselben in Berlin, bis er seine Stelle in ( hiesiger Gemeinde übernommen. Viele Jahre hindurch! wurde er hier beinahe als der einzig mm p im engej reu und wirklichen 3time des Wortes verehrt — i der hiesigen Gemeinde ist damit allerdings nicht das! schönste Compliment gemacht — und wird cö nächst dem! Rabbiner noch beute. Herr Nathanson besitzt beson-! ders eminente Kenntnisse ans dem unbegrenzten Gebiete der jüdischen Literatur. Einsender dieses, der die Ebre ha:. Herrn Nathanson speciell zu kennen und dessen Freund zu sein, genügt einem längst gehegten Wunsche, wenn er des bescheidenen, anspruchslosen Mannes vielleicht gegen seine Zustimmung, öffentlich Erwähnung thut. Möge ihn Gott zum Legen und frommen der hiesigen Gemeinde noch recht lange erhalten. Die Rabbineroersammlung in Eassel, die in diesen geschätzten Blättern so tresflich characterisirt wurde, hat auch hier in der früheren Amtsgemeinde ihres Urhebers nickt den mindesten Anklang gefunden, fei es entweder aus tief eingewurzeltem religiösen Indifferentismus, oder weil man einsieht, daß sie Herren ihre vermeintliche Eompctenz zu sehr i erweitert haben, und daß überhaupt, dem Vorwände I der Letztcrn widersprechend, die Reform mit allen ihren j blendenden Novitäten am Wenigsten im Ltande ist, j den religiösen Sinn wieder zu beleben, schon deßhalb > nicht, weil in ihrem eignem Lager nicht Gleichheit der Gesinnung, nicht einmülhiges Zusammenwirken, nicht gegenseitige Achtung und Unterordnung, diese Grundbedingungen einer D’Cc' 22P ausgehenden Lache, herrscht. Es sei darauf bezüglich noch bemerkt, daß Herr Rabbiner Dr. Rabiner, um die Absicht dieser Versammlung alö rrrig und verderblich für das Judentum offen darzulegen, gleich daraus eine recht eindringliche und geistreiche Predigt hielt, in welcher die hohe Wichtigkeit und Bedeutung der hebräischen Sprache inr Allgemeinen sowohl alö besonders im Gebete trefflich erörtert wurde. Wir hätten nur gewünscht, daß die Zahl der Zuhörer größer gewesen wäre. Was die Dispensation der jütischen Kinder vom Unterrichte, resp. Schreiben am Labbat- und Festtagen betrisst, welcher laut eines jüngst in diesen Blättern veröffentlichten Ministerialrescripts auf, Verlangen der betreffenden Eltern gesetzlich nichts im Wege steht, so machen davon, soviel mir bekannt, die Directoren der königlichen und städtischen Schulen hierorts, insoweit es eben verlangt wird, die liberalste Anwendung. Leider wird nur Seitens der Eltern hier nur äußerst selten davon Gebrauch gemacht. Die unheilvollen Folgen davon sind unbeschreiblich. Das Kind, dadurch das ganze Jahr verhindert die Synagoge zu besuchen und die Weihe der heil. Feste und Ruhetage wenigstens beim Gottesdienste zu beobachten, wird ganz dem jüdischen Boden entfremdet, erreicht niemals, oder verliert ohne Uebung, trotz der Bemühung des Lehrers, die richtige Fertigkeit im Lesen des Hebräischen, wird selten bekannt mit unserer Liturgie, so daß es bei Gelegenheit selbst den Eltern aussällt und sie dann oft gern geneigt sind, die Religionöschule dafür verantwortlich zu machen. Eö ist dies ein gefährlicher und tiefer Schaden unserer Zeit, vor dem ein jeder Edeldenkende erschrecken muß. Möchte sich doch recht bald der Verein -ieip constitniren. Kann er auch anfänglich nur da Gutes wirken, wo noch ein gesunder, religiöser Kern vorhanden, so kann es doch nickt fehlen, daß er nach und nach auch da frisches Leben anfacht, wo die Religion nur noch dem Namen nach besteht. Gebe Gott dieses im neuen Jahre. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 30. Sept. Im Landtage kam es heute zur Debatte über die Gleichberechtigung der Israeliten bei Gemeinderaths-Wahlen. Smolka referirt Namens des Konstitutionsausschusses über die Regierungsvorlage bezüglich der Aufhebung der Bestimmungen, durch welche die Betheiligung der nicktckrisilicken Gemeinde-Mitglieder in der Gemeinde-Vertretung beschränkt wurden. Referent erklärt, daß in Erwägung, als die erwähnte Regierungsvorlage uickts anderes ist, als eine strenge Durchführung des Gleichberechtigungs - Princips in der Gemeindewahlordnrmg, in dem Gemeindestatut der 2 teilt Krakau, daß diese Vorlage ferner das Zahlen- Verhälkniß der chrifil. und israel. Gemeinde-Mitglieder im Brodyer Gemeinde-Rathe beseitigt, in Anbetracht endlich, daß den Israeliten alle wichtigsten Civil- und politischen Rechte bereis zuerkannt wurden, und daß daher eine fernere Absprechung dieser den Israeliten in der Gemeinde zustehenden Rechte eine Anomalie in der Gemeinde-Gesetzgebung unserer Landes bildet, ftimmt der EonstitutionS-Ausschuß der Regierungs-Vorlage bei. Torosicwicz (gegen) meint, daß die Regierungsvorlage noch nicht an der Zeit fei. Mit unseren Israeliten ist es eine sehr eigenthümliche Sacke. Dieses Element trachtet allmählich sogar in unserer Bevölkerung daö nationale Gefühl auszumerzen (Oho!), unter dem Drucke dieses Elementes kann sich auch unsere Journalistik nicht erhalten, denn aus den Büchertischcn der Israeliten finden Sie, meine Herren, sehr selten ein polnisches Blatt. —