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Der Israelit · 1868-10-21 · Heft 43 (21.10.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 43 (21.10.1868)
Date
1868-10-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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802 sen. Die Falaschas sahen sich von diesen fanatischen Europäern bis in ihre friedliche Wohnungen verfolgt. Man verführte die Einen, man disputirte mit den andern, man rief die Hilfe des weltlichen Armes herbei, um den Bekehrungen mehr Nachdruck zu geben. Durch den Ehrgeiz geblendet und aus Haß gegen daö Judenthum, warben diese protestantischen Puritaner ihre jüdischen Nenbekehrten selbst für die abgöttische abessynische Kirche, um sich die Protection des Abauna, Erzbischofs der abessynischen Kirche, zu erhalten. Man bereitete da einen Hauptschlag gegen das Gesetz vom Sinai vor und man wollte mit einem großen Geräusch den Erleuchteten Europa's den Sturz des Judenthums in Abessynien anzeigen. Mehrere Prediger der falaschas wurden eingeladen, im Palaste zu Gondar vor dem Könige über religiöse Fragen zu disputiren. Die Fanatiker und die Apostaten entwickelten eine große Thätigkeit, um den Sieg zu erlangen. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich der Geister der schwachen Falaschas; sie glaubten, in den Zeiten des Antiochus zu sein! Aber da zeigten sich glücklicherweise auch die Makkabäer. Die jüd. Prediger kamen nicht allein zum Könige, sie wurden von Hunderten der Getreuen begleitet. Die Kontroverse beginnt, die Geister erhitzen sich. Der König, welcher über den Widerstand der jüd. Priester ausgebracht war, befiehlt seinen Soldaten, ans die Rebellen anzulegen. „Lassen Sie schießen, Sire," sagten sie zum Könige, „wir sind alle bereit, für unsere Religion zu sterven." Der König, welcher immerhin eine ritterliche Gesinnung hatte, bewunderte die Festigkeit der Falaschas, schickte die Versammlung auseinander und machte den Predigern die schönsten Geschenke. ' Von der Zeit an zerschlug sich die Sache der Missionäre von Tag zu Tag. Üneiuigkeit brach unter ihnen aus. Ein Apostat wurde sogar ins Gefängniß geworfen, nachdem er gepeitscht worden war. Der König ließ sich die Correjpondenz der Europäer übersetzen und hatte die Kränkung, sich schändlich mißbraucht zu sehen von Menschen, denen er eine wahrhaft königliche Gastfreundschaft gewährt hatte. Man nahm die Schuldigen gefangen; diejenigen, welche interveniren wollten, mußten dasselbe Schicksal erdulden. Die Falaschas athmeten wieder auf: ihre Unterdrücker waren wie durch Zauber verschwunden. Aber wenn auch die Gefahr von dieser Seite beseitigt worden war, so konnten die Juden doch nicht umhin, sich großen Verlusten zu unterziehen, die durch den unglücklichen Eindruck, welchen die finstern Schliche der Missionäre sie empfinden ließen, verursacht worden war. Ich spreche nicht von der kleinen Anzahl, welche, erschreckt von der drohenden Verfolgung oder von den Missionären mitfortgerissen, den väterlichen Glauben abgeschworen; ich spreche von den zahlreichen Opfern, welche umgekommen sind in einem schrecklichen Exil, zu dem sie sich freiwillig verurtheilt, |; um den Feinden ihrer Ueberzeugung zu entgehen. Europa weiß bis heute nichts von den Strömen von ,! Thränen und Blut, welche die Friedensapostel in diesen fernen Gegenden fließen ließen. Die Furcht, welche » die Falaschas hatte, auf ein Zeichen des Königs das » köstlichste Erbe ihrer Väter zu verlieren, hatte sie in E Aufregung gebracht. Sie betrachteten diese Leiden als Vorläufer der messianischen Aera. Die Geister waren erhitzt. Die Ueberlegung hatte den Verblendungen einer zügellosen Einbildung Platz gemacht. Eine immense Menge Männer, Frauen und Kinder verließen den heimathlichen Herd. Ehrwürdige Greise stellten sich, die Fahnen tragend und Loblieder singend, an die Spitze der enthusiasmirten Truppe. Ohne jede Vorsicht und selbst ohne genau den Weg zu kennen, zogen sie gegen Osten. Man hoffte, an die Ufer des rothen Meeres zu kommen, welches ein trockener Fußpfad für die Pilger werden würde. (Schluß folgt.) Das Gebetbuch bes Hamburger Tempels. Da der neue Israel. Tempel-Verein, jetzt Tempel-; Verband zu Hamburg, die früher von demselben er-? schienenen „Gebete der Israeliten", theilweise noch in ’ erweiterter Form, neu herauögegeben, so fühlt man : sich verpflichtet, die bereits früher erlassene Bekannt-; mackung allen religiösgesiunten JSraeliten hiermit in Erinnerung zu bringen. Dieselbe lautet: Bekanntmachung. Als im Jahre aj/"pn die sogenannte Ty n'?3n ü*"1* rüitf hier erschienen war und die damalige hie-; sige jüdische Religions-Behörde sYan darin die wirki liche Verstümmelung unserer Hauptgebete, die absicht- S liche Abweichung von der jüdischen Betweise und die 1 unverantwortliche Zerstörung des Gebetgeistes durch I Weg streich ung und Ummodelung der aus unsere religiöse Zukunft rmm rrü'D nVwu bezüglichen Stellen urV?2ro mit tiefer Bekümmerniß wahrgenommen, hatte | dieselbe ay"pn nt&n V'd '2 cm jenes Gebetbuch mit dem gesetzlichen Verbote in folgenden Werten öffentlich belegt: J ]nö D*n dpd ymai -vma epn sn"an ] -ij'x ,pr ^sna pp*n rften -yiyn d»in j ut\s* nbsn ruin ’t XL? aaa ,arx ^sna D’n&n und diese ernstliche Warnung hatte ihre fromme Wirkung nicht verfehlt; es ist bisher keinem Hirr in den Sinn gekommen, feine nmn nbsn aus jenem Buche b^sna zu sein. Da gegenwärtig eine neue Auflage desselben Buches erschienen ist, die sich zwar „Gebete der Israeliten" ‘ nennt, ohne doch jenen Grundmängeln auch nur im 'im«P!!iiw'" i"

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