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Der Israelit · 1868-10-21 · Heft 43 (21.10.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 43 (21.10.1868)
Date
1868-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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797 Theater und Cyrcus sich in Lehrhäuser und Synagogen umwandeln werden; sollten vielleicht die Weisen derartige Theater wie das in Rede stehende gemeint haben? J....r. Hamburg, den 8. October. Aus dem Nachlaß des kürzlich hier verstorbenen italienischen Ehrenconsuls H. Jonas sind die folgenden Legate ausbezahlt: Ert.-Mark 500 der Pestalozzistiftung, Crt.-M. 500 der Blinden-Ansta-t von 1830, Crt.-M. 750 der Taubstummenanstalt, Crt.-M. 500 den Warteschulen, Crt.-M. 500 dem Kinderhospital in St. Georg, Crt.- M. 750 der Johannisstiftung, Crt.-M. 500 dem Miethehilfsverein, Crt.-M. 500 dem Paulinenstift, Crt-M. 250 dem Stipendien-Verein für israel. Studirende, Crt.-M. 500 der hiesigen israel. Freischule, Crt.-M. 750 der Talmud-Thora-Schule, Crt.-M. 500 der israel. Mädchenschule von 1798, Crt.-M. 250 dem Verein zur Unterstützung armer Greise, Crt.-M. 500 dem Frauen-Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen in der israel. Gemeinde, Crt.-M. 500 der Gesellschaft zur Vertheilung von Feuerung an iörael. Arme von 1783, Crt.-M. 1000 dem deutsch-israel. Waiseninstitut und Crt.-M. 250 dem Bekleidungsverein der Talmud - Thora, Crt. - M. 500 dem Paulsenstift deö Frauen-Vereins zur Unterstützung der Armenpflege und Crt.-M. 500 der Unterstützungscasse für hilfsbedürftige Lehrer-Wittwen und Waisen und ältere Lehrerinnen. O österreichischer Kaiserftaal. Wien. Ungarischen Blättern wird aus Galatz berichtet, daß bei der letzten Judenverfolgung 80 Verwundungen, worunter 21 schwere, vorgekommen seien; auch werden die Plünderungen und Zerstörungen in der Synagoge bestätigt. Von anderer Seite wird diesen Schilderungen Uebertreibung vorgeworfen, und insbesondere wird versichert, es sei nicht wahr, daß der preußische Consulatsbeamte Glaise, als er um seine Intervention gebeten wurde, die Aeußerung gethan habe, man möge doch nicht so viel Aufhebens von solchen Geschichten machen; in Oesterreich seien die Juden auch schon mehrfach verfolgt worden und es sei doch keiner Vertretung einer fremden Regierung eingefallen, sich in solche Dinge einzumischen. Es ist zu bemerken, daß bei den Excessen gegen die böhmischen Juden die Behörden energisch emsckritten; es wurde das Standrecht verkündet und die Rädelsführer wurden mit schwerem Kerker bestraft. In Rumänien aber bat man nichts dergleichen vernommen. Krakau. Der Gemeinderath verwarf fast einstimmig eine bisher bestandene specielle Judensteuer. Aus Lemberg schreibt man unterm 2. d M.: Eine Menschenmenge versammelte sich heute am Ringplatze um 8 Uhr Abends, um an dem in hiesigen Blättern angekündigten Fackelzuge zu Ehren des Grafen Goluchowski theilzunehmen. Schon war ders.ganze Zug marschbereit, als plötzlich vom Grafen Goluchowski die Kunde anlangte, der Graf wünsche eine solche Demonstration nicht und beantrage, daß das für dieselbe bestimmte Geld für Unterstützung der Stanislauer Abgebrannt en verwendet werde. Das gefiel aber vielen Herren, namentlich den hoffnungsvollen Jünglingen aus dem Handwerkerstande, nicht. Nichts halfen die Ermahnungen und Aufforderungen der Väter der Stadt: „D e Patrioten sollen auseinandergehen" — von allen Seiten tönten Rufe: „Der Fackelzug muß ftattsinden!" Da aber trotz des fortwährenden Geschreies die Herren Gemeinderäthe die Fackeln aus dem Magistrats-Magazine nicht hergeben wollten, io veranstaltete ern Theil der Bevölkerung einen Fackelzug auf eigene Faust, der natürlich sehr jämmerlich ausfallen mußte. Ein zweiter Theil der Bevölkerung, der ausschließlich aus Handwerksburschen bestand, wollte sich wegen des Nichtzustandekommeus des Fackelzuges durchaus rächen, doch nicht an jenen H-rren, welche den Fackelzug nicht zulasten wollten, sondern an den Juden. Es wurde daher eine förmliche Jndenhetze arrangirt, man zog in die Zarwanica (Juderrsiadt) und arnüsirte sich einige Zeit damit, die Fenster den dort wohnenden, eben das Laubhüttenfest feiernden Juden «inzuichlagen. Zur Abwechslung wurden auch in der Neuen Gaste einige Fenster eingeschlagen. Der Polizei war es gelungen, zwei dieser Helden zu verhaften; auf die Kunde davon wurde sogleich ein Sturm zam Polizei-Gebäude in ew.e gesetzt von allen Seiten tönte es Hurrah! und wieder klirrten die Fensterscheiben. Die Verhafteten i wurden sogleich sreigelasten. Silben Am 28. September, Vormittags 9 Uhr, fand in dem israelitischen Betbause der „k. k. Haftanstalt für gebildete Sträflinge" zu Suben in Oberösterreich eine Feier statt, welche sowohl des Ortes als der Person wegen, welche hiebei betheiligt, allgemeines Jnterese erregen dürfte. Der gewesene Herausgeber der „Allg. österreich. Handels-Zeitung," Herr Moritz Alois Goldschmidt, mit dem Schriftstellernamen Louis Sternau genannt, trat daselbst zum Judenthume über. Goldschmidt-Sternau ist einer angesehenen israelitischen Familie entsprosten, welche sich in den 30er Jahren in Wien ansiedelte. Durch den enormen Druck, welchen damals die Juden zu erdulden hatten, folgten aber die Eltern desselben dem Nathe der Jesuiten, welche ihnen für die Zukunft alle Rechte und Freiheiten in Aussicht stellten, so zwar, daß Vater, Mutter, der Knabe Moritz und die Tochter Julie am 18. Mai 1840 in der Kirche „zu den 9 Chören der Engel" am Hofe zu Wien, zum Christenthume übertraten. Die Feier des Rücktrittes im Gefangenhause war eine höchst erhebende. Mehrere

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