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Der Israelit · 1868-10-21 · Heft 43 (21.10.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 43 (21.10.1868)
Date
1868-10-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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796 verfällt sicher der Nemesis — Sünder wird verfolgen das Böse! Die Prophetie ist ein Ausfluß des Gottesgeistes; sie sieht deutlich, was uns nur gelehrt wird: den unmittelbaren Zusammenhang der menschlichen Seele mit Gott. Lehnt sich nun die Seele gegen ihren Urheber auf, so verliert sie den Zusammenhang mit Gott und fällt der Vernichtung anheim — die sündige Seele, sie muß sterben. Gott hat uns in Seiner Gnade die Thora gegeben; sie lehrt uns Thaten, die uns im Zusammenhänge mit Gott erhalten, oder wenn wir die.en Zusammenhang verloren haben, uns ihn wiedersinden lassen. Eine solche Thal ist das Gottgcbotene Opfer; durch dasselbe bezeugen wir die Nichtigkeit des Irdischen und die Ewigkeit des Einzigen. Der Mensch entrinnt dem Tode und fühlt sich wieder eins mit seinem Schöpfer. Die Thora, die immer Thaten fordert, verlangt den thalsächlichen Beweis der Anerkennung des Schöpfers. Gott selbst ber, der die Gedanken kennt, Ihm genügt schon diu Gedankenreinigung, die Beugung deö menschlichen Stolzes und Starrsinnes, die Rückkehr zu Ihm. Da die Thora den Menschen gegeben, ist sie gleichsam vermenschlicht worden, und da der Mensch Nichts ist als die Reihe seiner Thaten, so muß die böse That durch eine Gottgebotene That gesühnt werden. Gott aber, der Reingeistige, Ihm ist die Opferung des Starrnnnes, der Leidenschaft gleich der Opferung der Seele selbst — gütig und billig ist der Ewige, deßhalb lehrt Er die Sünder den rechten Weg. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und (£orrefpott: denzerr. £> c i: t f $ i u :■ G Frankfurt a M., den 11. Oktober. Die verflossene Festeszeit hat hier eine eigenthümliche, überseeische Erscheinung zu Tage gefördert. Im Westende unserer Stadt wohnen nämlich viele ursprünglich deutsche Familien, die in Amerika „Geld gemacht" und sich hierher vom „Geschäft" zurückgezogen haben; auch in diesen ist in neuester Zeit ein „religiöses Bedürfniß" erwacht; sie haben sich einen Betsaal nach amerikanischem Muster eingerichtet, das heißt, Männer und Weiber sitzen nicht etwa wie in der Berliner, von Holdheim eingerichteten Reformsynagoge — die Männer an der einen und die Frauen an der andern Seite, — sondern „ganz gemüthlich" in bunter Reihe. Der Stein, den die Frankfurter Bauleute verworfen haben, ist diesen Deutschamerikanern zum Eckstein geworden. Um Ihren Lesern eine Vorstellung von dieser Art von Iudenthum zu geben, will ich Ihnen nur eine Scene, wie sie mir von Augen- und Ohrenzeugen , berichtet worden, schildern. Es war am Vorabend des; Schmini Azereth. Beim Schlüsse des sogenannten Gottesdienstes wandte sich Herr Rabbiner vr. Leopold Stein ungefähr mit folgender Anrede an die andächtige Gemeinde: „Ergebenst ersuche ich ein andächtig «hier versammeltes Publicum, sich morgen früh halb zehn Uhr ebenso pünktlich wie zahlreich wieder einznfinden. Sie werden für Ihre Mühe belohnt werden! denn von tüchtigen Sangeskräften wird hier ein herrliches Torrstück des unsterblichen Hallewi, welcher fromme, große Meister sein erhabenes Talent dem Allmächtigen geweiht hat, executirt werben " — „Fräulein O. vom hiesigen Stadttheater wird die Soli singen!" raunte sich dann das Publikum in die Ohren. — Und am andern Morgen erscheint ein verehrungswürdiges Publicum pünktlich und zahlreich und lauscht andächtig den Soli des Frl. O. und nimmt sich vor, tüchtig zu klatschen, wenn Frl. O. im Theater auftritt, denn auf Gegenseitigkeit beruht die Welt. Dann besteigt der Redner die Kanzel und rühmt America, das Land der wahren Freiheit, der wahren Religiosität, das nunmehr seine Pioniere in das alte Mutterland sendet, um hier zu zeigen, wie ein jüdisches Gotteshaus eingerichtet werden muß; und der ehemalige Kleiderhändler vom Broadway oder der einstige kodier aus dem Westen schließt schmunzelnd die Augen und denkt: „Verdammt will ich sein, wenn das nicht ein famoser Kerl ist!" Und neben ihm sitzen Frau und Töchter mit offenen Augen und offenen Sinnen, und mancher kleine Roman spinnt sich an und spinnt sich ab; und darüber circuliren bereits allerlei Anecdoten, die ich Ihnen jedoch lieber verschweigen will. — Verzeihen Sie, daß ich ein wenig bitter und derb geworden; allein ich kann meines Unmuthes kaum Herr werden. Herr vr. Leopold Stein, der erst unlängst seine hohe Befriedigung darüber in einer Druckschrift ausgesprochen, daß er kein Rabbiner mehr, daß er nicht mehr zu heucheln brauche, daß er nicht mehr nöthig habe, sich in sein Zimmer einzuschließen, um Gottes Gebote zu übertreten - dieser selbe vr. Leopold Stein läßt sich wieder dazu herbei, eine sogenannte Synagoge einzurichten, in ihr zu fungiren, um aufs Neue zu. Und was für ein Publicum muß das sein, welches durch solche Persiflage Befriedigung seines religiösen Gefühles sucht — und findet? Doch, hoffen wir; solchen Ausschreitungen gegenüber muß und wird eine Reaction eintreten; lehren doch die Weisen im Tractat Megillah, daß dereinst

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