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Der Israelit · 1868-10-21 · Heft 43 (21.10.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 43 (21.10.1868)
Date
1868-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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795 Bote erinnern; so das Schofar am Neujahrsfeste, das uns zur Einkehr bei uns selber mahnt; so die Kasteiung des Leibes am Versöhnungsfeste, die uns zur Buße, Neue und Rückkehr zu Gott führt. Andere hingegen sind nicht so leicht erkennbar; je geistiger, erhabener und heiliger Etwas ist, desto schwerer ist es dem Verstände zugänglich, und daher kommt es auch, daß der Opferdienst so schwer erkannt und so leicht mißverstanden wird. Wir können die Begründung des mosaischen Opfercultuö in einen kurzen Satz zusammenfassen, indem wir sagen: Die durch die Thora vorgeschriebenen Opfer sind theils Selbstzweck, theils sind sie symbolische Träger historischer Erinnerung, theils sind sie symbolische Träger erhabener Wahrheiten und Grundsätze. IV. Allgemeine Gesichtspunkte. Eine der Grundlehren unserer heiligen Religion ist die Lehre von der Schöpfung. Gott, der Urewige, ohne Anfang und ohne Ende, hat das Weltall aus Nichts nach Seinem heiligen Willen erschaffen in den sechs Schöpsungstagen, wie die heilige Schrift es uns berichtet. Ohne diese Grundlehre ist gar kein Iudenthum möglich. Das Geschaffene weist uns unmittelbar auf den Schöpfer hin. Durch die Betrachtung der Welt, der Natur, der Weltlenkung, durch die Erkennung der wunderbar herrlichen Gestaltung des Himmels, der Erde, der Sonne, der Gestirne, der Menschen, der Thiere, der Pflanzen, der Steine, der Flüsse, der Meere u. s. w., durch die Erforschung der Regelmäßigkeit, der Ordnung, des Ineinandergreifens all des Genannten lernen wir die Einheit, die Allmacht, die Weisheit, die Größe des Schöpfers kennen. Nachdem uns daher das erste der zehn Gebote das Dasein Gottes, das zweite die Einheit Gottes, das dritte die Heiligkeit des göttlichen Namens gelehrt haben, lehrt uns das vierte Gebot die Schöpfung und befiehlt uns zur steten Anerkennung derselben die Feier des Sabbats. Der allwöchentlich wiederkehrende Ruhetag — diese große Institution des Iudenthums — hat vor Allem den ausgesprochenen Zweck, die Ueberzeugung von der Schöpfung der Welt durch Gott in uns aufrecht und lebendig zu erhalten. Denselben Zweck hat auch im Allgemeinen der Opfercultus. Wir werden uns näher darüber aussprechen. In der unfern Sinnen wahrnehmbaren Welt scheiden sich zwei große Gegensätze: der Mensch und die übrige Welt. Der Mensch ist so sehr von der übrigen Welt geschieden oder vielmehr so sehr über ihr erhaben, daß kaum ein Uebergang denkbar ist. Der Mensch scheidet sich durch fein geistiges Leben mehr von dem ihm am ähnlichsten Geschöpfe, von dem Affen, als dieser von einem Steine oder einem Wassertropfen; denn der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen, das Siegel seines Schöpfers ist ihm aufgedrückt, er hat einen geistigen Adel erhalten, der keinem andern uns wahrnehmbaren Geschöpfe zu Theil geworden — wie Gott der Gesammtwelt gegenübersteht, also steht der Mensch den nichtmenschlichen Geschöpfen gegenüber. Alles Geschaffene ist vergänglich; nur die menschliche Seele ist ewig, und der Schöpfer ist ewig. Nimmt nun der Mensch ein lebendiges Thier und schlachtet es zu Ehren seines Schöpfers, so bezeugt er damit die Vergänglichkeit der irdischen Welt dem Ewigen gegenüber. Wenn nun Jemand gesündigt hat und legt durch ein Opfer thatsächlich dar, daß Gott der Schöpfer des Weltalls ist — gibt es eine größere Rückkehr zu Gott als diese? Bezeugt nicht dadurch der Mensch, daß Gott der Allmächtige ist, daß Er ihn bestrafen oder belohnen kann, daß der Mensch Ihm daher Gehorsam schulde und daß die Verletzung Seines heiligen Willens ein Unrecht gewesen? Mit diesem Gedanken wird unS auch ein wundervoller, aber ziemlich unverständlicher Ausspruch der Weisen klar; derselbe lautet: „Man fragte die Weisheit: „Der Sünder, was ist seine Strafe?" Und die Weisheit antwortete: „Sünder wird verfolgen das Böse!" Man fragte die Prophetie und diese sprach: „Die sündige Seele, sie muß sterben!" Man fragte die Thora; sie antwortete: „Der Sünder bringe ein Opfer und seine Sünde wird gesühnt werden." Da fragte man Gott, und Gott sprach: „Der Sünder kehre zurück zu Mir, und seine Sünde fei ihm verziehen!" Daher heißt es auch: „„Gütig und billig ist der Ewige, deßhalb lehrt er die Sünder den rechten Weg." " Versuchen wir diesen Ausspruch der Weisen zu erklären. Es gibt viererlei Strafen: die größte ist ein Leben voll Pein, Kummer, Elend, Unglück; die zweitgrößte, geringer als die erste, ist ein schneller Tod; noch geringer ist die Strafe am Eigenthum; die geringste die Beugung des eigenen Stolzes, des eigenen Starrsinnes. Fragt man nun die Weisheit, d. h. das Wissen von dem natürlichen Verlauf der Dinge, wie es sich durch Forschung und Erfahrung ergibt, so wird die Weisheit antwortm müssen, daß das Böse fortzeugend Böseö muß gebären, welches nothwendig den Urheber des Bösm verfolgt und ihn fortwährend die Folgen seines üblen Thuns büßen läßt; geben wir Beispiele: wer zuviel ißt, verdirbt sich den Magen und wird krank; wer unsittlich lebt, zieht sich schlimme Krankheiten, Blindheit, Wahnsinn, langsam schleichenden Tod zu; wer lügt, bereitet sich Verlegenheiten; wer stiehlt oder raubt, kann sich nie ruhig des unrechtmäßig erworbenen Besitzes freuen; wer eine Mordthat begeht.

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