Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1868)
- Date
- 1868-10-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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789 österreichische Volkshymne in der Sprache der Psalmen wurde hieraus intonirt und bei offener Bundeslade ein Segenspruch auf Ihre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich feierlich gesprochen. So endete ein Gottesdienst, wie er „unter Weinen und Klagen" kaum jemals feierlicher begangen worden ist und eines der interessantesten Blätter in den modernen Annalen der heiligen Stadt füllt. Nach der Todtenfeier ordnete der Chacham Vaschi ein „Lernen" von vierzig Rabbinern an, die sich demselben ununterbrochen während der ganzen Nacht und des darausfolgenden Tages widmeten. Zephat. In hiesiger Stadt geht oft das Wasser aus. Wenn dies der Fall ist, gehen die Juden nach dem benachbarten Dorfe En-Sahon, um Wasser zu holen. Niemand hat es ihnen bis zum vergangenen Jahre gewehrt. Erst in diesem Jahre verboten ihnen die Dorffeute, aus ihren Quellen Wasser zu schöpfen und der Pascha zu Akko entschied, daß es nur freier Wille der Dorfleute ist, es zu erlauben. Die Juden sind dadurch in große Noth gekommen. Sie haben sich an den englischen Consul um gef. Intervention gewendet. Wie man vernimmt, soll Herr Netter aus Paris, welcher Palästina bereiste, um zu erfahren, ob die Gründung von jüdischen Colonien daselbst vortheilhaft sein werde, als er bei seiner Rückkehr in Konstantinopel wegen der zu gründenden Colonie mit Ali- Pascha gesprochen, auch bei dieser Gelegenheit die Noth, in welche die Juden von Zebath gerathen, in Erwähnung gebracht haben, und Ali-Pascha hat Abhilfe versprochen. (Libanon.) Feuilleton. Die Kmancipalion der Juden in IranLreich. Aus den Quellen bearbeitet von Hmarrirek Leser. II. Die Revolution. Als um die Mitte des Jahres 1788 der französischen Nation von ihrer Regierung das Zusammentreten von Generalstaaten in Aussicht gestellt wurde, von frei gewählten Vertretern der Staatsangehörigen aller Klaffen, da schlug das Wort wie ein Funke ein überall in den weiten Gauen des Landes, erleuchtend, zündend, aber auch die Gegensätze scheidend; es erfolgte zuerst offen und bewußt der Bruch des gesammten Volksgeistes mit dem Bestehenden — eine Revolution. Die Wahlbewegung erhält ihre Bedeutung durch diese geistige Revolution, die sich in ihr auöfpricht bei der Masse des Volkes, den Wählern, wie bei den hervorragenden Geistern, den berufenen Vertretern der Nation. Und wenn diese letztern in schriftlichen Denkmälern die Gesinnungen niedergelegt haben, von denen eine erleuchtete Minderheit bewegt wurde, so boten merkwürdiger Weise gerade die mittelalterlichen Zustände, auf deren Untergang es abgesehen, die Formen dar, in denen auch der schlichte Bürger, der ungebildete Bauer, der seine Erfahrungen und Gefühle nicht zu einem geschlossenen System zu gestalten verstand, dennoch die Regungen, die ihn erfüllten, niederlegen konnte als Unterstützung einer gewaltigen Umwälzung, als Zeugnis; einer großen Zeit. Die ständische Verfassung gebot, daß den Abgeordneten von ihren Wählern schriftlich abgefaßte Aufträge mitgegeben wurden, Hefte mit den „Klagen und Beschwerden *)" der einzelnen Stände und Gebiete, welche der Gewählte zu vertreten hatte. Die Abfassung dieser Hefte, der Cahiers, zu denen jeder Wahlberechtigte seinen Beitrag liefern konnte, ist als der eine Theil der Wahlhandlung zu betrachten, der uns einen Blick gestattet in die Gesinnungen des Volkes. In einer äußerst großen Anzahl von Cahiers, sei es daß sie von Corporationen der Geistlichkeit, des Adels oder des dritten Standes ausgehen, geschieht der Lage der französischen Akatholiken Erwähnung. Dieser Ausdruck war von der Regierung in öffentlichen Urkunden zur Bezeichnung der im Lande wohnenden Reformirten wiederholt gebraucht worden1 2), und er wird daher, wenn wir die Ansichten kmnen zu lernen suchen, welche über die Stellung der Juden bestehen, nicht unbedingt als auch auf diese bezüglich gefaßt werden dürfen. Immerhin aber können die Ideen, welche das Volk über eine Klasse seiner Mitbürger äußert, die wegen eines von der Staatsreligion abweichenden Glaubens bisher Zurücksetzungen zu erleiden hatte, zugleich als ein Maßstab dienen für die Vorstellungen, die man sich wohl über die Zukunft der Juden machte, da, wo besondere Auslassungen über sie nicht vorliegen. Wenn schon in allen Fragen der Politik, so sind namentlich über die Gegenstände, die wir betrachten, die Meinungen getheilt nach den Ständen, von denen sie ausgesprochen sind. Wie begreiflich, ist die Geistlichkeit am wenigsten zu Zugeständnissen an die Akatholiken bereit. Sie kann sich nicht verhehlen, daß Anhänger des lutherischen und calvinischen Bekenntnisses sich im Lande finden; aber was sie diesen gewährt wissen will, ist auch gerade nur die Duldung und die Anerkennung ihrer Existenz. Sie protestirt auf das Entschiedenste gegen die Gestattung eines fremden Cultus, der in gleicher 1) Plaintes et doleances ist ein officieller Ausdruck für die Cahiers. 2) Hauptsächlich wohl, weil man ihnen den Ramm Reformirte nicht zugestehen wollte.