Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1868)
- Date
- 1868-10-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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788 Lemberg, 3. Oktober. In der heutigen Landtagssitzung interpellirte Hubicki den Regierungskommissar wegen Bestrafung der Urheber des vorgestrigen Iudenkrawattes, bei welchem die Fenster der Stadtsynagoge eingeschlagen wurden. Sered. Als der Fürst-Primas, der höchste Geistliche Ungarns, bei seiner Amtsreise nach Sered kam, wurde er vom dortigen Rabbiner begrüßt. Der Primas dankte ihm und sagte: Ich freue mich sehr, daß die Juden in Eintracht mit den Christen leben, denn ich bin überzeugt, daß nur, wenn die Bekenner aller Religionen in Frieden zusammenwohnen, unser Ungarn groß und glücklich sein wird. Als der Fackelzug, den die Stadt dem Fürsten brachte, an das Haus des Rabbiners gelangte, hielt er still, und der Stuhlrichter brachte ein „Hoch" aus die Juden aus, dem das ganze Publikum begeistert beiftimmte. (Lemberger Zeit.) Italien. Bereelli. Der „Educatore Israelite“ erzählt die traurige Geschichte eines jüdischen Ofstziers, Namens Leopold Rava, der im Heere Garibaldis gedient hat. Derselbe wurde in der Schlacht verwundet und ins Spital S. Onofra gebracht. Daselbst gab man sich alle Mühe, ihn für den katholischen Glauben zu gewinnen; er aber widerstand den Verlockungen. Sein Vater, von seiner traurigen Lage benachrichtigt, brachte es durch die Intervention der All. isr. dahin, daß er von den römischen Behörden die Erlaubniß erhielt, seinen Sobn besuchen zu dürfen. Aber es war zu spät. Rava war gestorben. Er wurde aus dem jüdischen Begräbnißplatze zu Reggio unter allgemeiner Belhetligung der Bevölkerung und militärischen Ehren begraben. Livorno. Mit Erstaunen vernehmen wir nachstehenden Akt des Fanatismus aus Livorno: Als sich ein Leichenzug nach dem Begrabnißplatze bewegte, wurde derselbe von Steinwürfen überfallen, die nicht eher aufhörten, bis einige der Träger der Leiche verwundet waren. Was bei dieser That noch schlimmer, ist, daß ein Localblatt die Sache als einen Spaß schilderte. Dänemark. Kopenhagen, im Oktober. Am 16. September wurde Herrn M. Fränkel, Capitän bei der hiesigen Bürgerwehr, bei Gelegenheit seiner Versetzung zu einer andern Abtheklung, von den Mitgliedern seiner früheren Compagnie, in welcher er 33 Jahre gedient, als Andenken ein prachtvoller Ehrendegen, mit passender Inschrift versehen, feierlich von einer Deputation der Compagnie überreicht. Es ist dieser der erste Jude in Dänemark, dem eine solche Ehre erwiesen worden, und verdient noch bemerkt zu werden, daß der Gefeierte dem streng religiösen Iudenthume angehört. I. M. G. Schweden. Stockholm. Die hiesige Stadt wurde in 6 Bezirke eingetheilt und über jeden Bezirk ein Taxirungscomit« gestellt. Für den ersten Bezirk wurde vom Magistrat Herr M. M. Elisohn (Israelit) erwählt. Der jüdische Arzt Bensab wurde zum Compagniearzt im Garderegiment ernannt. Consul Marburg in Gothenburg starb vor Kurzem; derselbe war orthodox; in ihm verliert die dortige Gemeinde einen ihrer ersten Männer. Seine Erben haben dem dortigen Spital 5000 Thlr. geschenkt. (Hamagid.) Palästina. Jerusalem. Auf die nach Jerusalem gelangte Nachricht vom Hinscheiden der Frau Elise Herz, gebornen Edlen v. Lämel, verbreitete sich in den sieben jüdischen Gemeinden eine allgemeine schmerzliche Bewegung, die in einer feierlichen öffentlichen Todtenfeier am 9. Sept. einen erhebenden Ausoruck fand. Um drei Uhr Nachmittags versammelten sich, den Chacham Baschi an der Spitze, die Mitglieder des Synhedrions und alle Rabbiner Jerusalems in der großen sephardischen Synagoge, deren Wände mit den gold- und silbergestrckten Vorhängen der Bundeslade geschmückt waren. 400 Lampen brannten in dem großartigen Raume, der die zuströmende Menge nicht ganz fassen konnte. Die Knaben der Schule, welche die dahingeschiedene Dame zu Ehren ihres Vaters, Herrn Simon, Edlen v. Lämel, mit einem Kapitale von 50,000 fl. im Jahre 1866 gründete, deren Zahl fort und fort vierzig ist, waren mit Trauerflören bekleidet und hatten vor der Bundeslade Platz genomüren. Als der kaiserlich österreichische Consul, Herr Graf v. Caboga, mit seinen Beamten und dem Gefolge in Parade- Uniform erschien, hob der Trauergesang der Kinder an. Sie sangen den Psalm von der „Güte, die ewiglich währet," das Klagelied 5 und zum Schluffe das altnationale: „Ein edles Weib ist Perlen werth." Der Rabbiner Herr Bechor Hjeschar, Mitvorstand der Schule, hielt hierauf die Gedächtnißrede, in welcher der humane Act der Hingeschiedenen als eine ewige Wohlthat und Zierde des trauernden Zion gepriesen und auch des Dichters L. A. Frankl gedacht wurde, der ihr dieselbe auf heiligem Boden gründen und aussühren hals. Nach der weihevollen, alle Anwesenden tief rührenden Rede, wurde für die Hingeschiedene und ihren Vater das Kadisch feierlich gesprochen. Die