Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1868)
- Date
- 1868-10-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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787 Gottesdienst und für daS Studium der talmudischen Wissenschaften in seinem, Neue Friedrichstraße 21 belegenen Hause. Nach seinem im Jahre 1806 erfolgten Tode übernahm seine edle Tochter, unter dem Namen Amalie Beer rühmlichst bekannt, spater deren Sohn, der hochgefeierte Componist Giacomo Meyerbeer die Sorge für die Unterhaltung der Andachtsstätte, welche sowohl von Letzterem am Sterbetage der Eltern und Stifter, als auch nicht selten vom Bruder, dem berühmten Astronomen Wilhelm Beer besucht wurde. Nach dem Tode Meyerbeer's des letzten der Enkel des Stifters, war es die edle Gemahlin desselben, die in Pietät für die Ahnen die Subvention für die Forterhaltung hergab, auch in dem nunmehr neu aufgebauten Hause wiederum ein würdiges Betlokal Herrichten ließ, dessen Einweihung am 16. Sept., Abends 5 Uhr unmittelbar vor dem Eintritt des jüdischen Neujahrsfestes im Beisein des Curators des Meyerbeerschen Nachlasses, des Hrn. Gemeindevorstehers M. S. Baswitz stattgefunden hat. Die Weihrede hielt Hr. Dr. Berliner, welcber, nachdem er das Andenken der dahingeschiedenen Stifter in würdigen Worten gefeiert und dem Danke für die Frau Meyerbeer in einem innigen Gebet zu Gott angemessenen Ausdruck geliehen, auf die Bedeutung eines Gotteshauses näher einging, hierbei hervorhob, wie nicht der äußere Glanz und die prachtvolle Ausstattung dem Gotteshause Werth und Würde verleihen, wie auch die einfache, schmucklose, wenn auch noch so kleine Stätte als ein Heiligthum Gottes zu betrachten sei, wenn in ihr der Geist der Ehrfurcht und der Andacht nicht fehlen, vielmehr darin bleibend wohnen und alle Vorgänge darin auszeichnen. Die Feier endete mit einem Gebete für König und Vaterland, für die Gemeinde und deren Vertreter und für den Segen des neuen Jahres, mit dessen Beginn der erste Gottesdienst in dem neuen Betlokale zusammenfiel. Aus Weftphalen. Von Freundeshand erhalten wir soeben: „Die h. zehn Gebote, hebräisch und deutsch; dann folgen 4 wichtige Fragen; 1) Was verlangt Gott von uns? 2) Prüfe Dich nur, hälft Du die h. zehn Gebote? 3) Wie urtheilt dmn Gott über Dich? und 4) Was bleibt Israel allein noch als Trost und Hoffnung übrig? Alle diese Fragen werden nun 2) durch Citate aus der h. Schrift, ebenfalls hebräisch nnd deutsch; 3) in der bekannten Manier und Jnterpretationweise der Missionäre, dieser Seelenfänger, beantwortet. — Wir würden es nicht der Mühe werth erachtet haben, über dieses und ähnliche Tractätlein der Missionsgesellschaft zu berichten, wenn es uns nicht drängte, darauf aufmerksam machen zu müssen, daß das in Rede stehende uns vorliegende Blättchen aus einer bekannten jüdischen Offiicin, aus der M. Friedländerschen Buchdruckerei in Brilon, in der auch allerlei ’Isd 'iS? D’ffDn tcnip gedruckt werden, vom Stapel gelaufen wäre. Möchte doch der H. Friedländer — ob derselbe im Solde und im Dienste der Mission steht, wissen wir nicht — anstatt sich mit dem Drucke und der Verbreitung derarttger Productionen zu befassen, lieber sein Augenmerk darauf richten, daß künftig in den in seiner Druckerei gedruckten und in seinem Verlage erschienenen Dwon nicht mehr die Masse von B'BQ'ipi rii'pv, sowie die groben Verstöße gegen die Regeln von neu pin pn und pppo jnDi zum Vorscheine kämen. Es wäre dieses sicher ein weit verdienstlicheres Werk, als, um des schnöden Gelderwerbes, mit dem Drucke und der Verbreitung von Missionsschriften sich zu befassen. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. V8ien. Dem „Pesther Lloyd" wird aus Wien geschrieben: Ich bin heute in der Lage, Ihnen ein?;: Beitrag zur Frage der Gleichberechtigung melden;u können, der von Interesse sein dürfte. Ich berichte die Thatsache, wie sie mir von lauterer Quelle zukommt. Ein Grundbesitzer mosaischen Glaubens kaufte vor einiger Zeit vom Grafen Julius Andrassy eine Herrschaft; selbstverständlich wurden in den Kaufcontract Paragraphe ausgenommen, nach welchen der Käufer alle Rechte und Pflichten des vormaligen Gutsbesitzers, also auch die eines Kirchenpatrons übernimmt. Auf einem Gute der erwähnten Herrschaft ist nun die Pfarre vacant; da dem mosaischen Herrschastsbefitzer das Besetzungs- und Vorschlagsrecht bezüglich der Stelle zusieht, so gedenkt er auch, davon den vollsten Gebrauch zu machen. Dagegen protestirt jedoch, dem Vernehmen nach, der Bischof von Neutra; privatim ist der Kirchenfürst wohl erbötig, dem jeweiligen Gutsbesitzer das Vorschlagsrecht einzuräumen, mehr nicht. Selbstverständlich (?) wird dieses nicht accepttrt, und so erscheint es nahezu wahrscheinlich, daß die Pfarre gegen den Willen deS Herrn Bischofs ehestens besetzt wird, und dies um so schneller, als sich um den Posten eine größere Zahl Capläne bewerben. Da dies voraussichtlich zu einem Consiict zwischen dem Gutsbesitzer und dem Bischof von Neutra führen muß, so ist es leicht möglich, daß die Angelegenheit von der ungarischen Reichsvertretung auSgettagen wird. (Unserer Ansicht nach, sollte sich der Jude bescheiden und nicht die Uebung eines Rechtes beanspruchen, die jedem vernünftigen Menschen als etwas Widersinniges erscheinen muß. — Red.) Lemberg Am 2. Oktober Abends um 6 Uhr entstand ein Brand in der jüdischen Gasse Zarwanico zu Lemberg. Derselbe wurde zwar bald gelöscht, aber eS fanden dabei Zusammenrottungen des Pöbels statt, welcher Excesse gegen die Juden verübte.