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Der Israelit · 1868-10-14 · Heft 42 (14.10.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 42 (14.10.1868)
Date
1868-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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783 Besonders hervorzuheben ist, in welch bedeutend geringerem Maaße die jüdische Race von dieser fürchterlichen Krankheit befallen wurde. Sv kamen in Rom bei den Katholiken die Cholerafälle zweimal mehr und in einem dreifach strengeren Grade vor, als bei den Juden, und man weiß doch, daß das Ghetto daselbst kein Ideal der Gesundheit ist. Aber die strenge Gesundheitslehre ihres Gesetzes führt sie über die bei dieser Krankheit besonders gefährlichen Umstände hinweg und bewahrt sie vor Unreinlichkeit. Paris. Herr Eugen Manuel wurde zum Professor der Rethorik am College ßollin ernannt. England. London Auch in dem freien England hat das Rischus noch nicht aufgehört. Wie wir bereits mitgetheilt, ist unser Glaubensgenosse, Herr Worms, bei den gegenwärtig bevorstehenden Wahlen in England als conservativer Candidat ausgetreten. Die liberale Partei kämpft mit aller Macht gegen ihn, aber auch mit Waffen religiöser Intoleranz. Ihr Streben ist, die Wähler von der Wahl eines Juden abzuhalten. Das geschieht in dem freien England von der liberalen Partei im Jahre 1868. London. Dahier hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche armen jüdischen Kindern ein Mittagsessen für den geringen Preis von einem Penny (3 kr.) verabreichen will. Amerika. J?ew-A0rk Bei der jüngst stattgehabten Versteigerung der Sitze in einem kurz vorher eingeweihten Tempel wurde nicht weniger als 750,000 Dollars (1,875,000 fl.) erzielt. Afrika. Capftodt. Man vernimmt, daß unser Glaubensgenosse, Herr Simon Jakobs die Stelle des jüngst verstorbenen Gerichts-Präsidenten Sir William Hodges I erhalten soll. Feuilleton. Water und Sohn. Neuntes Kapitel. Ate Wege Hottes find wunderbar und ««ermeßkich iß Seine Hnade. I In früheren Jahrhunderten waren die Apostat««!häufig die erbittertsten Feinde ihrer ehemaligen Glaubensgenossen. Das hat sich jetzt vielfach geändert, und nicht selten findet man, daß ein Apostat gern und freudig die Gelegenheit ergreift, den Juden nützlich und förderlich zu sein oder doch Unbill von ihnen abzuhalten. Eine solche Gelegenheit sollte sich Julius bieten. Es ist ein alter, fluchwürdiger Wahn, daß die Juden zum Osterfeste Christenblut brauchen. Man weiß nicht, woher dieser Wahn entstanden; Juden und Iudenthum haben nie Anlaß dazu gegeben. Unsere heilige Religion verbietet sogar aufs Strengste den Genuß des Blutes von Thieren. Fanattsmus und Raubsucht haben diesen Wahn ausgeheckt und ihn stets zum Vorwände benutzt, um die Nachkommen Jakobs zu berauben und zu ermorden. In den civilisirten Ländern Europas taucht dieser Wahn nicht mehr auf; wohl aber im Orient, und auch in Rußland war er noch vor wenigen Jahrzehnten nicht selten. In einem polnischen Städtchen hatte man diese entsetzliche Anschuldigung erhoben. Die Wärterin des Kindes eines Edelmannes war kurz vor dem jüdischen Osterfeste mit dem ihr anvertrauten Knäblein in die Hütte ihrer Eltern gegangen; dort hatte sie das Kind fallen lassen, und es war gestorben. Ihr Vater hatte darauf das Kind genommen, es gräßlich verstümmelt und dann in dem Stalle eines Juden verborgen. Die Magd erhob darauf ein Geschrei und behauptete, daß vermummte Männer ihr das Kind geraubt hätten. Das ganze Dorf wurde durchsucht und die kleine Leiche ward im Stalle des Juden aufgefunden. Nur mit Mühe gelang es dem Edelmanne, die Juden vor der VolkSwuth zu schützen; aber der Rabbiner und die Vorsteher der Gemeinde wurden gefangen gesetzt. Was half es ihnen, daß sie ihre Unschuld behaupteten? Das Mädchen beschwur seine Aussage; der Liebhaber desselben mit noch einem Freunde behaupteten und beschwuren, gerade darauf zugekommen zu sein, da sich die Vermummten mit dem geraubten Kinde entfernten. Die gefangenen Juden wurden in den zwei ersten Instanzen verurtheilt. Da erfuhr Rosenstrauß von der Sache, als sie beim höchsten Gerichtshof anhängig war. Er übernahm die Vertheidigung der Angeklagten. „Meine Herren Richter," sprach er, „ich bin als Jude geboren und habe den ganzen Lenz meines Lebens mit religiösen Studien verbracht und darin nach dem Zeugnisse bedeutender Rabbinen Großes geleistet. Ich kenne den Talmud und die Codices, die Bibel und ihre hebräischen Eommentare, den Sohar und die Schriften der Kabbalisten. Aber ich rufe den Herrn der Heerschaarcn, den Schöpfer und Rich-

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