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Der Israelit · 1868-10-14 · Heft 42 (14.10.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 42 (14.10.1868)
Date
1868-10-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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781 um unsere Denk- und Handlungsweise dadurch zu heben und zu kräftigen, zu weihen und zu adeln. Doch auch die jüngste Vergangenheit bietet zuweilen das Material zu Charactergemälden, deren aufmerksame Betrachtung nicht ohne wohlthätigen, heilsamen Einfluß auf Geist und Gemüth bleiben kann. ES dürfte daher auch gerechtfertigt erscheinen, in diesen geschätzten Blättern ein Lebensbild des in jüngster Zeit zu seinen Vätern Heimgegangenen Herrn Lob Hirsch Gunzen Häuser von Autenhansen (Bayern) zu entwerfen, eines Mannes der in Wahrheit das: O'dbdip -jdn ps-i nwjf'? -lnji dsd p ’in zur schönen Geltung brachte, dessen ungeheucheltc Frömmigkeit und wahrhaft jüdische Gesinnung ihn mit Recht zum leuchtenden Vorbilde erbeben dürften. Herr Gunzenhäuser, gebürtig aus Tauberrettersheim (Bayern) widmete sich, zum Jünglinge herangereift, eifrig dem Thorastudium und gab schon damals die schönsten Beweise einer frommen, gottesfürchligen Gesinnung. Der gute Fortgang in den jüdischen Studien bestimmten ihn, sich für das Lehrfach heranzubilden. Es standen ihm schon die glänzendsten Zeugnisse der anerkanntesten Rabbinen damaliger Zeit über theoretische und practische Tüchtigkeit zur Seite, als der politische Druck, unter welchem die jüdische Bevölkerung Bayerns damals seufzte, ihn veranlagte, den heimatblichen Boden zu verlassen und sich in der westlichen Hemisphäre ein Asyl zu gründen. Dort angelangt , begab er sich mit einigen Freunden nach Syracuse, einem Orte, der vor der Ankunft G.'S keine jüdischen Einwohner zu den scinigen zählte. Hier schuf G. sich nun den herrlichsten Kreis gottgefälligen Strebens und Wirkens. Er suchie nach vielen Bemühungen eine Gemeinde zu organisiren, rief alle zum jüdischen Gemeindewesen nöthigen Institute in's Leben und übernahm die Leitung aller Gemeindeangelegenheiten. In dieser neuen Gemeinde, die unter seiner umsichtigen Leitung bald herrlich emporblüthe, verwaltete er alle öffentlichen Funktionen mit edler Großherzigkeit, denn nicht nur, daß er jede Belohnung für seine Leistungen ausschlug, sondern er brachte noch viele materielle Opfer, um den Fortbestand der schönen Stftung zu fördern. Hier lebte G. mehrere Jahre an der Seite seiner würdigen Gattin in stiller Zufriedenheit bis trübe Wolken seinen heiteren Lebenshimmel umdüsterten. Seine wahrhaft jüdische Sinnesweise, die weder Hindernisse scheute, noch das Ansehen der Person achtete, wenn es galt für die Sache Gottes in die Schranken zu treten, erzeugte ihm im Schooße der Gemeinde manche Elemente, die der Durchführung seiner edlen Pläne sich hartnäckig widersetzten; er faßte deßhalb den Entschluß, in die Stille des Privatlebens zurückzukehren und nach New-Aork überzusiedeln. Doch schon war sein Ruf zu den Vertretern der Orthodoxie daselbst gedrungen, so daß sein Wirkungskreis nicht auf den engen Raum seines häuslichen Zirkels beschränkt blieb. Man zog ihn bei wichtigen Angelegenheiten zu Rathe, so daß ihm wieder Gelegenheit geboten war, viel Edles und für das Iudenthum Ersprießliches zu wirken. Das große Wort unserer Weisen -ujd n"m in seinem ganzen Umfange würdigend und wohl begreifend, daß der tiefe, religiöse Verfall in jüdischen Kreisen in der Verkümmerung des Tboraftudiums Quelle und Ursprung hat: suchte er besonders darauf hinznwirken '“nrn pp Dnrp, so daß sogar mancher^n^ p Deutschlands einen beträchtlichen Theil seiner Subsistenzmittel der edlen Fürsorge G.'s verdankte. Wer nur einigermaßen den Indifferentismus auf religiösem Gebiete kennt, der unter unfern Glaubensgenossen in Amerika herrscht, wird das Streben dieses Edlen zu würdigen wissen; er wird begreifen die Größe des Verdienstes, in jenem Lande über die Strömungen und Schwankungen des herrschenden Zeitgeistes hochemporzuhalten das Banner des göttlich'» Gesetzes! Doch bei allem edlen Eifer, mit welchem G. sich der Sache Gottes annahm, verlor er dennoch das Wohl seiner Mitbrüder nicht aus dem Auge, und gar viele aus Deutschland eiuwandernde Glaubensgenossen fanden bei ihm wohlgemeinten Rath uns thatkräftige Hilfeleistung. Nachdem er 20 Jahre in Amerika zum Wohlgefallen Gottes und zum Besten der Menschen gewirkt batte, kehrte er in sein Hekmathland zurück und ließ sich in Autenhansen, dem Geburtsorte seiner Gattin nieder. Auch hier wirkte er segensreich ans seine Umgebung und besonders waren es seine allsabbatlichen Vorträge, durch welche er sich das hohe Verdienst erworben, in die Herzen seiner Zuhörer so manchen Keim des Edlen und Guten gelegt zu haben. So lebte und wirkte dieser Fromme bis seine edle Seele im 65. Lebensjahre nach dreiwöchentlichem Krankenlager die irdische Hülle abftreifte und durch die dunkle Pforte des Todes einging in das heitere Reich der Unsterblichkeit, wohin sein edles Streben hienieden ihm den Weg gebahnt. Dem Herzen seiner GlaubenSbrüdcr in A. wird aber das Andenken G.'s noch lange theuer bleiben, denn groß ist die Lücke, die sein Hintritt in dieser Gemeinde erzeugte, rn-o1? pns -dt. Möge seine tiefbetrübte Gattin in dem Bewußtsein Trost und Beruhigung finden, daß sie dem Verklärten bei feinem herrlichen Wirken immer thatkräftig zur Seite gestanden, und mögen die Saaten des Guten, die er überall auszustreuen bemüht war, zu erfreulichen Ernten heranrcifen. S. H. Schüler. Berlin, 29. Sept. Heute fand hier eine erhebende Feierlichkeit statt. Der in diesen Blättern bereits mehrfach rühmlichst erwähnte Königliche Commisstonsrath, Herr Johann Hoff, hat für die in seinem Hause von ihm seit langer Zeit errichtete Synagoge eine neue mm iso schreiben lassen. Die Elite

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