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Der Israelit · 1868-10-14 · Heft 42 (14.10.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 42 (14.10.1868)
Date
1868-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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780 aller Geschäfte erlernen, daß er Lehrer, Erzieher und Bildner der Zugend werden, daß man Anderen geben könne, was man selbst nicht hat? — Doch, wir wollen, um nicht zu weit abzuschweifen, wieder zu unserm eigentlichen Thema zurückkehren; wollen nachzuweisen suchen, wie diese, unter der Aegide Fr.'s und seiner in seinem Geiste so ziemlich fortwirkender Nachfolger im Seminar zu M. ausgestellten Lehrer den Geist ihrer Lehrer und Meister in die israelitischen Gemeinden Westphalens weiter getragen, den ersten Impuls zu den cultuellen Reformen gegeben und den Grund dazugetegthaben, daß das gegenwärtige Geslllecht ohne Kenntniß des Zudenthums und seiner Institutionen heranwächst. Solche Männer, wie wir sie im Vorhergehenden so ziemlich characteresirt, fanden in den verschiedenen Gemeinden Rheinlands und Westphaleiis Anstellung als Lehrer, Erzieher und Bildner der Zugend; Leute, die nicht die geringsten Kenntnisse vom isr. Cultus, keine Ahnung von 'j'i rft’sm nDJDn haben, wurden als Vorbeter bestellt; Männer, von denen man mit Recht sagen kann: n'iyw nitcs ms □,o"on onono, wagten es, als Leiter des öffentlichen Gottesdienstes ihre Thätigkeit mit willkürlicher Umgestaltung des alten CultuS, der Zahrtanfende bestanden, Jahrtausende allen Stürmen und feindlichen Elementen getrotzt, Jahrtausende Herz und Gemüth der Betenden zu Gott erhoben, Jahrtausende ihnen Trost und Beruhigung, in Freuden sowohl, als auch in Leiden gewährt hat, zu beginnen. Der öffentl Gottesdienst, wie er bis jetzt bestand, hieß es da, ist nicht mehr zeitgemäß, erbaut und erbebt das Gemüth der Betenden nicht mehr; soll es besser werden, so muß die Gemeinde, die sich bisher nur passiv bei demselben verhalten, thätigeren Antheil daran nehmen; müssen Gebete, die für die intelligente (?) Gegenwart ihre Bedeutung verloren, (sic) abgeschafft und der Landessprache, durch Einführung deutscher Lieder, Rechnung getragen, beim Vorlesen der h. Thora der dreijährige Cyclus und besonders die in der Gegenwart zum Bedürfniß (?) gewordene Conffrmation eingeführt werden! Da aber die schon älteren Personen für Gesang kein Verständniß mehr hatten, so wurde auf der untersten Stufe angefangen, und aus der Schuljugend, Knaben »nd Mädchen, ein Chor gebildet. Das Neue reizt; allmählich bekam auch die ältere Generation Sinn und Verständniß für die neue, früher in Israel unerhörte Einrichtung; aus den Knaben und Mädchen wurden Zünglinge und Jungfrauen, aus diesen wiederum Männer und Frauen, die in den Gesang der Schuljugend mit einzustimmen anfingen, später fingen auch Greise und Greisinnen an zu intoniren, bis daß es endlich so weit kam, daß in vielen Synagogen die Scheidewand zwischen Männer und Frauen, die Frauengallerie, wegfiel, Männer und Frauen durcheinander, wenigstens nebeneinander sitzen. (Forts, folgt.) HeitungSnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 11. October. Die meisten der Feuilleton-Erzählungen dieser Blätter sind in fast sämmtliche europäische Sprachen, ins Englische, Holländische, Italienische und Spanische, auch manche ins Hebräische übersetzt und so in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht worden. Gegenwärtig veröffentlicht der „Zew. Mess." von Rew-Aork unsere im vorigen Jabre erschienene Erzählung „des Königs Eidam"; die gelungene Uebersetzung ist aus der Feder des Rabb.-Cand. Hrn. Henri Schneeberger aus New-?)ork, der behufs Vollendung seiner talmudischen Studien seit 1*/% Zähren in Mainz verweilt und sich demnächst zu demselben Zwecke nach Eisenstadt begeben wird. Mainz, den 12. Oet. Von unbekannter Hand wird uns wiederum ein Zeitungs-Ausschnitt übersandt, in welchem Herr vr. Karserling zu Lengnau aufis Neue sich in maßlosen, nur ihn entehrenden Schimpfereien gegen uns und den „Israelit" ergeht. Herr Or. K. hat es diesmal für gut befunden, einen der ehrenwerthesten Israeliten der Schweiz, den als gewiegten Talmudisten rühmlichst bekannten Rabbi David Zosua Guggenheim in Lengnau in diese Affarre mit hineinzuziehen; er nennt ihn höhnisch „Reb Doviv" — wahrlich, ein Hohn, den Niemand Herrn Dr. K. zurückgeben wird, denn es wird Keinem einsallen, diesen Rabbiner (!) „Reb" zu nennen; er bezeichnet ihn als einen unbedeutenden Menschen — was kann auch talmudische Gelehrsamkeit für Bedeutung in den Augen eines Rabbinen vom Kasseler Genre haben? er nennt ihn Lügner und Verläumder — wie wir vernehmen, werden die Gerichte darüber zu entscheiden haben, wer der Verläumder ist, ob Herr Guggenheim oder Herr vr. K. Herr G. ist vollkommen in seinem Rechte, da er die gerichtliche Bestrafung des Schmähers verlangt; wir aber freuen uns mit den ohnmächtigen Wnthausbrüchen eines Vr. K. und Consorten. Wenn man das Schlechte geißelt, so müssen freilich d i e Schlechten darüber in Zorn gerathen. Würzburg, 3. Oct. Ein hervorragendes Interesse bot in der orientalistischen Section der hier tagenden Philologenversammlung der Vortrag des Prof. Oppert aus Paris über die genaue Bestimmung der biblischen Chronologie, in vollständiger Uebereinftimmung mit den Büchern der Könige, nach den in den assyrischen Eponymenlisten erwähnten und auf berechnete Sonnenfinsternisse gestützten Synchronismen. Haßfurt a. M Unser heiliges Schriftthum führt sehr oft erhabene Characterbilder aus der Vergangenheit unseres Volkes unserem geistigen Auge vor,

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