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Der Israelit · 1868-10-14 · Heft 42 (14.10.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 42 (14.10.1868)
Date
1868-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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779 pi *on ist, sondern dasselbe im strengsten Sinne des Wortes stets erfüllt hat und es auch noch thut! Welche Jünger, erzogen und unterrichtet im Geiste des echten und wahren Judenthums, ausgerüstet mit ausgebreiteten Kenntnissen rwnp umina — die besten Waffen gegen die Uebergriffe der Neologie — wären da dem Judenthume entsprossen, welche Führer und Leiter der Jugend den israel. Gemeinden Rheinlands und Westphalens entstanden und welches Glück und Heil hätten solche Lehrer in den Schulen und auch in den Gemeinden verbreitet! — Doch, wie so häuffg geschieht, wurde auch hier das Gute verkannt, das Zweckmäßige und Nützliche negirt. Denn war schon, wie bemerkt, die Entfernung des H. O. R. Sutro von der Anstalt ein bedeutender Fehlgriff, so sollte durch die Berufung des in diesen gesch. Blättern schon oft genannten Or. Friedländer, Enkels des früheren Rabb. F. zu Brilon und unter Holdheim zweiter Resormprediger zu Berlin, derselben vollends der Todesstoß versetzt werden. Von diesem Manne, der weder an Offenbarung und Unsterblichkeit, noch an Belohnung und Bestrafung glaubte, wurde ein neuer Geist in die Anstalt getragen, wurden gewaltige Veränderungen vorgenommen. Der Gottesdienst für die Seminaristen und die Reformer in M. wurde nach dem Muster des Holdheim'schen organisirt; der sehr gelehrte und fromme Oberlehrer Cohn bei Seite geschafft und behielt nur nach pro tvrrna den Titel Oberlehrer, und der Unterricht im Hebräischen wurde auf 4 wöchentliche Stunden festgesetzt. Alles dieses geschah deßhalb, um die Zöglinge allmählich dem wahren Judenthume zu entfremden und sie für die Reform empfänglich zu machen. „Denn Aufklärung (?) und Nihilismus ist die Parole des Tages!" so dachte dieser Mann. Und wirklich brachte er seine auf den Umsturz aller religiösen Institutionen gerüsteten Gedanken nur zu leicht zur Ausführung. Der verst. Haindorf schenkte demselben nicht nur sein ganzes Vertrauen, sondern war sogar verblendet genug, sich von ihm leiten und am Gängelbande führen zu lassen, und ging hierbei von der falschen Voraussetzung aus, daß der vr. F., als Rabbiner — derselbe hatte allerdings Theologie und Philosophie studirt, aber so wenige rabbinische Kenntnisse, daß ihm kein Rabbiner rwr.in mm geben wollte noch konnte — doch besser wissen müsse, was Recht oder Unrecht sei, als Herr Cohn, der doch kein Theologe, sondern nur ein gewöhnlicher (?) Lehrer sei. Wie weit dieser Mann ging und welche Extravaganzen sich derselbe zu Schulden kommen ließ, davon hier, weil schon bei anderer Gelegenheit davon die Rede war, nur ein Beispiel. „Ihr dürfet Euch am rop selbst Feuer anmachen und Licht anzünden!" sagte er eines Tages zu den Schülern, und als diese sich hierzu nicht willig zeigten — war solches ja sogar seinen Anhängern zu radikal — so wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Haindorf zu bewegen, daß dieser am raar den Zöglingen keine christl. Bedienung mehr stelle. Von H. um nähere Begründung befragt, antwortete der gelehrte (?) Reformator: „Ja, so gut, als man früher am na» im «npon rua Opfer dargebracht und so gut man um iprn dd'.n Feuer angemacht hat, dürfen die Schüler auch den Ofen heizen und Licht anzünden!" Doch, Herr Cohn, von Haindorf um seine Meinung hierüber befragt, setzte demselben den wahren Sachverhalt auseinander, daß nämlich mmp so wie niJDD, was, wie jeder nur einigermaßen im Talmud bewanderte wisse, bei 'r'rn der Fall war, dn nnn rcisci seien, und so blieb es dieses Mal beim Alten. — Dazu kam noch der Uebelstand, daß die meisten Aspiranten mit unzulänglichen, mangelhaften hebräisch. Kenntnissen in die Anstalt eiutraten; und daß Herr Cohn bei der ihm spärlich zugemessenen Zeit für die hebr. Fächer, wenig leisten konnte und so der Unterricht in den Religionsgegenständen Mangel- und lückenhaft bleiben mußte, — daö läßt sich leicht denken. Wir spannen die Seite gewiß nicht zu straff, stellen sicher keine zu hohen Anforderungen, wenn wir von einem Aspiranten verlangen, daß er schon einen guten Vorrath von hebr. Kenntnissen mit in's Seminar bringen und diese dort nur ordnen und der Jugend methodisch mitzutheilen lernen müsse; wenn wir als Minimum fordern, daß er punktirte Texte richtig und grammatikalisch lese, die historischen Bücher der EHip neo Yd geläufig und richtig übersetze, ebenso auch nicht allzuschwere rabbinische Schriften, um, wenigstens mit Hilfe des Kommentars, auch schwierigere Piecen der □'-itpyi ym« übersetzen zu können, so wie auch ein Bewandertsein in n"** y"w oder m« "li; dann ziemliche Routine in einigen nni n£D, wie z. B. npvi ^2, one« m^iy u. bergt, auchapy py, -nacn mun, um später in nnan einen lernen zu können und vor allem Kenntnisse in der hebr. Grammatik besonders der verschiedenen D’j'ja und deren Conjugation. Wie stand es aber mit den Vorkenntnissen der meisten im Seminar zu M., besonders während der Friedländer'schen Periode ausgebildeten Lehrer? Wir übertreiben es nicht, wenn wir behaupten, daß eine große Anzahl derselben kaum eine twain ntsns richtig zu übersetzen, geschweige denn rabbinische Schriften zu lesen vermochte. Dazu kömmt noch, daß viele dieser jungen Leute nicht aus edlen Motiven, nicht aus Neigung und innerem Herzensdrange, nicht in der Ueberzeugung, um D’znn nuin sein zu können, Lehrer geworden sind, den schwierigen Beruf eines Erziehers gewählt haben; nein, gar viele sind es geworden, ohne von der Heiligkeit und Wichtigkeit dieses Berufes ganz durchdrungen gewesen zu sein; andere, weil deren Eltern von dem Jrrthume befangen waren, um Lehrer werden zu können, bedürfe es keiner besonderen Talente und Fähigkeiten. Welcher Wahn! Glauben denn solche Leute wirklich, daß einer, der zu jedem anderen Geschäft keine Anlagen hat, das schwierigste

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