Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1868)
- Date
- 1868-10-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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778 Offenbarung befaßt sich großentheils nur mit Opfervorschriften? Diese Opfervorschriften sind sehr streng und genau, und da am freudigsten Feste, am Tage der Einweihung der Stiftshütte, die beiden edlen Söhne AhronS ein Opfer bringen, das ihnen war nicht geboten worden, so müssen sie sterben an heiliger Statte; der erhabenste Feiertag des Jahres, der Versöhnungstag, wurde ganz durch den Opfercultus absorbirt, und das Freudenfest, das Hüttenfest, zeichnete sich durch die Fülle seiner Opfer aus. Seit der Erbauung des heiligen Tempels durften nur in ihm und zwar nur von den Nachkommen Ahrons Opfer dargebracht werden; jeder Nicht-Ahronide, der sich näherte, war des Todes; ein frommer jüdischer König, welcher Räucherwerk darbringen wollte, wurde sofort vom Aussätze befallen und mußte lebendig, gleich einem Gestorbenen, auögeschieden werden aus der Mitte seines Volkes. Heiligkeit und Reinheit waren die großen Grundprincipien, auf denen der Opfercultus und mit ihm und durch ihn das Leben des ganzen jüdischen Volkes beruhen sollte. Israel hat auf den Opfercultus nicht allein nicht freiwillig, sondern überhaupt nicht verzichtet. Durch die Zerstörung des heiligen Tempels und durch die Verbannung dw Nachkommen Jakobs wurde zwar die factische Vollführung desselben unmöglich gemacht; allein die theoretische ist uns geblieben. Die Weisen unseres Volkes ftudiren noch heute die Tractate des Talmuds, in welchen die Opfer abgehandelt werden, und alle Israeliten lesen täglich die Abschnitte aus der heiligen Schrift, die von dem täglichen Opfer handeln und den Perek Esehu Mekomon, der die verschiedenen Arten von Opfern bespricht; wir beten die Mussaphgebete, die nur den besonderen Opfern der Tage, für die sie eingerichtet sind, ibr Entstehen verdanken; ja, unsere ganze Gebetordnung ist dem Opfercultus analog eingerichtet: unser Morgengebet entspricht dem Morgenopfer, unser Nachmittagsgebet dem Nachmittagsopfer und unser Abendgebet dem Verdampfen der Opferstücke auf dem Altäre. Die er» leuchteten Reformatoren des Judenthums scheinen keine Ahnung davon zu haben, daß sie in ihrem Hasse gegen den Opfercultus unserem ganzen Gottesdienste das Fundament entziehen. II. Einleitung zur Begründung des Opfercultus. Wenn wir im Folgenden uns bemühen werden, die Gründe anzugeben, warum Gott wohl den Opfercultus eingerichtet hat, so müssen wir die Bemerkung vorausschicken, daß alle diese Gründe nicht maßgebend sind. Die Gotteslehre ist die geoffenbarte, höchste göttliche Weisheit. Gott, als der Inbegriff aller Weisheit, hat Verordnungen erlassen, deren Gründe wir oftmals nicht kennen. Wer könnte nun kommen und sagen: „Dieses sind mit Bestimmtheit die Gründe, die Gott veranlagt haben, Dieses oder Jenes anzuordnen!?" Müßte nicht ein Solcher, um so reden zu können, selbst im Besitze der göttlichen Weisheit fein? Der Opferdienft nun gehört zu jenen Verordnungen, die Gott selbst durch Gründe uns klar zu machen unterlassen hat; nichtsdestoweniger ist es uns gestattet, über die etwaigen Gründe und die etwaige Bedeutung derartiger Vorschriften nachzudenken; hüten müssen wir uns jedoch, unser Thun und Lassen von dem Resultate dieses Nachdenkens abhängig zu machen. Die Gebote und Verbote. Gesetze und Vorschriften bleiben dieselben und sind gleich verbindlich, ob wir deren Gründe muthmaßen oder nicht; die menschliche Vernunft kann sich nicht zur Richterin aufwerfen über die Gebote Gottes. In ähnlichem Sinne spricht sich auch Rabbi Jehuda ha Levi, der große Verfasser des Buches Kusari, aus, nachdem er seine Begründung des Opfercultus dargelegt hat. „Fern sei es von mir," sagt er, „zu behaupten, daß die Bedeutung des Opferdienstes gerade die von mir angegebene ist; als eine göttliche Vorschrift mag der Opfercultus etwas viel Wunderbareres und Erhabeneres bedeuten, und wer ihn mit vollkommner Hingebung, ohne zu klügeln und zu forschen, als göttliche Institution hinnimmt, steht höher als der Klügelnde und der Forschende. Wer aber sich von dieser höchsten Stufe ab und der Forschung zugewendet hat, für den ist es besser, Resultate der Weisheit daraus zu ziehen, als sie bösen Meinungen und Zweifeln zu überlassen, die zur Vernichtung bringen." (Kusari II, 26.). — In unserer Zeit nun ist die „vollkommene Hingebung" leider vielfach abhanden gekommen, und darum ist es uns heilige Pflicht, die Forschung nicht den Uebelmeinenden und Zweiflern zu überlassen, sondern unter göttlichem Beistände Resultate der Weisheit aus ihr zu ziehen. (Forts, folgt.) Wer ist Schuld daran, dast die jüngere Generation ohne Kenntnis des Judcnthums und seiner Institutionen heranwachst? (Fortsetzung.) Es war ein großer Mißgriff, daß man den Herrn O. R. Sutro von der Bereinsschule ertferute. Was hätte aus der Anstalt werden können, welch große Zukunft hatte dieselbe gehabt, wenn man sie der Obhut und Leitung dieses frommen und gelehrten Mannes überlassen, eines Mannes, de« des nw» iminm n^i üDr> und das kd-p:6 4omD imr« *6 kein