Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 40-41 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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768 ßen, in einem Seminar vorgebildeten Lehrer, der im Vergleiche mit den Lehrern größerer Städte anständig salarirt wird; denn das Minimum der meisten Stellen ist, neben freier Wohnung und Heizung, 150—200 Thlr. Ist es uns auch erfreulich, diese seit den letzten 20 Jahren augestrebte Verbesserung der israel. Schulverhältnisse statuiren zu können, so erfüllt es uns anderseits mit Schmerz und Wehmuth, die Beobachtung gemacht zu haben, baß während des genannten Zeitraumes in manchen Gemeinden die Religiosität bedeutend abgenommen und, leider! noch im Abnehmen begriffen ist. Vor noch nicht vielen Jahren standen die Israeliten deS Fürstenthums mit Recht im Rufe der Streng- und Rechtgläubigkeit, die in wahrer und aufrichtiger Religiösität, im Festhalten an unserer angestammten väterlichen Religion und ihrer Institutionen ihren Stolz und ihren Ruhm suchten; vornehmlich war dieses mit der Haupt- und Residenzstadt Detmold der Fall. Diese, früher eine bedeutende n^np, war von jeher dm -ny und hatte berühmte Männer von immenser talmudischer Gelehrsamkeit, sowohl Rabbiner, als Privatleute, aufzuweisen. Wir jverweisen nur auf die Rabbinen: "(iOJjnnN*? oma« 'n, rro ,m\ V'r, welcher letztgenannter —Vater des jetzigen Landrabbiners — sogar ein großer ^>aipo Vya gewesen sein soll. Aber die verderbliche, falsche Aufklärungssucht, Un- und Irreligiosität, Jndifferentismus und Materialismus haben in jüngster Zeit auch hier, wie auch in manchen anderen Gemeinden des Landes Terrain gewonnen und scheint diese Krankheit sich, leider, immer noch weiter auszubreiten. Daß an diesen traurigen Zuständen der Herw Landrabbiner, gelinde gesagt, einen nicht geringen Theil der Schuld trägt, dürfte nicht schwer zn beweisen sein. L. M. R. L. ^kanten, 22. September. Befindet man sich vorübergehend in einer Stadt, in welcher eine größere jüdische Gemeinde, und man ersucht einen Bekannten, deren religiöse Anstalten zu zeigen, so muß es für jeden aufrichtigen Israeliten eine traurige Wahrnehmung sein, wenn man meistens dann nur in die Prachtbauten, worin, zuweilen auch noch in ganz modernunjüdischer Weise, der Gottesdienst abgehalten wird, und in diejenigen Anstalten geführt wird, die von dem Wohlthätigkeitösinn der Gemeindemitglieder Zeugniß ablegen. Erkundigen wir uns alsdann auch nach den Instituten, worin das Studium der mm gepflegt werden sollte, so muß der freundliche Führer zu unserem Leidwesen antworten, daß derartige Anstalten dort nicht existiren. Ja, in vielen Gemeinden ist es so, G. L. nicht in allen; Eine schön« Ausnahme vom Obengesagtem macht die jüdische Gemeinde im Haag, der schönen Residenz Hollands, deren religiöse Anstalten ich bei meinem jüngsten Aufenthalt daselbst oft und gerne besuchte. Dort ist die Synagoge auch ein schönes prachtvolles Gebäude, auch dort hat der Wohlthätigkeitssinn Vereine geschaffen und Anstalten errichtet, die rein humanen Zwecken gewidmet, aber der Sinn und Eifer für das Studium unserer heiligen Lehre hat dort auch Vereine gegründet und erhalten, in welche jeden Tag zur bestimmten Stunde die Mitglieder eilen, Greise wie Jünglinge, der Rentner, sowie der thätige Kaufmann, sich belehren zu lasten nrempn umma sich zu erquicken an den schönen Aussprüchen unserer Weisen und sich vertraut zu machen mit den kostbaren Schätzen unserer jüdischen Literatur. Ich erlaube mir die fünf nnan, deren Hauptzweck es ist, unter den Mitgliedern die Kenntniß unserer heiligen Lehre zu vermehren, hier aufzuzählen. 1) D'iDn man. In diesem Vereine hält der tüchtige Gelehrte und ausgezeichnete Talmudist Herr Wanefried, jeden Abend, am nap vor nmo einen freien Vortrag über den jedesmaligen Inhalt der rmo, wobei er in sinniger Weise die herrlichen Aussprüchen unserer Weisen seinen Zuhörern zu erklären weiß. 2) noan n’Ewa. In dieser man wird an jedem Abend von dem gelehrten Herrn H ersch e l abwechselnd □“in "N, Y/'n, mwo rc. vorgetragen. 3) onma rnrrsri, ein alter Verein, dessen Mitglieder sich auch allabendlich in ihrem Vereinslokal versammeln, um mm zu lernen. 4) D'jpi roytpD, auch ein alter Verein, bei dessm Mitgliedern der Sinn für unsere heilige Lehre aber a"a noch nicht veraltet ist, und die sich auch jeden Abend zum „Lernen" einfinden. 5) mm ’pmo die Mitglieder dieses Vereins versammeln sich drei Mal in der Woche in ihrem Vereinslokal, wo vom genannten Herrn Wanefried und nvwo vorgetragen wird. Die vier letztgenannten nnan sind Privatvereine, die dhdh man jedoch ein Zweig der Gemeinde, daher der tjd, vom Gemeinde-Vorstände gewählt, sein Examen als;52m beim Rabbiner-Collegium abgelegt haben muß. Die der Casse genannter Vereine zufließenden Gelder werden theilweise auch zu wohlthätigen Zwecken benutzt. Möchte doch überall, so wie im Haag, der Sinn und das Verlangen nach Belehrung in unserer heiligen mm wieder erwachen und auch rege bleiben; möge man endlich einsehen, daß die Neologie und die Gleichgiltigkeit in der Ausübung unserer heiligen Gesetze nur eine Frucht der Unkenntniß und des verkehrten Verständnisses unserer heiligen Religion ist, und unsere Weisen mit Recht sagen: Tvtryo »v? ■mrfcw ,mm nofen Adolph Oster.