Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 40-41 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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766 Ihre Nahrung besteht meistens aus Kuchen von Thief, eine Art dünnes Korn, welches dem Mohn gleicht; der Teig ist manchmal gesäuert (Lndjora), manchmal ungesäuert (Qitha). Man kennt auch den Dourra (Machilla). Das Getreide, welches einige Provinzen produciren, ist zu theuer für die Armen. Das Brod Dagoussa ist das dem Gaumen am wenigsten angenehme. Man ißt nur sehr selten Fleisch. Der widerwärtige bei den Amharas gewöhnlich eingeführte Gebrauch, ungekochtes Fleisch zu essen, konnte bei den Falaschas nicht Wurzel fassen, weil sie kein Blut genießen. Eine verpfefferte Sauce (Wat) ist bei ihnen beliebt. Außer Wasser trinkt man oft, besonders an den Feiertagen Weinmeth (Thedy) und eine Art Bier (Thella). In Folge der Bürgerkriege gibt es wenig Milch, noch weniger Butter. Käse hat man nicht in Abessynren. Die Falaschas bauen immer ihre Häuser in der Nähe eines fließenden Wassers, damit sie um so leichter ihr zahlreiches Händewaschen vollbringen können. Ihre Möbel sind die einfachsten. Eine Strohmatte oder eine Haut dient ihnen als Tisch, Stuhl und Bett; doch findet man manchmal eine Art Bett, Alga oder Angnreb aus Sudan. Knrbißflaschen in verschiedener Größe dienen als Flaschen, Becher und Schüsseln. Zwei Steine, um das Korn, den Kaffee und den unentbehrlichen rothen Pfeffer zu mahlen, befinden sich stets vor dem Eingänge des Hauses. Eine Cisterne, um das Wasser und das gährende Bier aufzubewahren, einige Utensilien aus gebrannter Erde zur Bereitung des Brodes und der Speisen fehlen nie in einer wohl organisirten Haushaltung. Die Gruppirung der Häuser ist nicht gleichgiltig bei der Falaschas. Das Haus des Vaters der Familie ist immer in der Nachbarschaft derjenigen seiner Verwandten. Aus der Seite errichtet man eine kleine Hütte, wo diejenigen ausgenommen werden, deren Unreinheit durch ein kaltes Bad, das gegen Sonnenuntergang (nr v'2'i) genommen wird, aufhört. In einer gewissen Entfernung und manchmal selbst außerhalb der Hecke, welche gewöhnlich die Gruppe der Häuser umgibt, bemerkt man eine Hütte, reservirt für diejenigen, welche mit der größten Unreinheit behaftet sind, wie die, die an Leichname angerührt haben. Die Aussätzigen werden noch mehr abgesondert; sie sind oft dazu verurtheilt unter dem Schatten eines Cactus- oder eines Affenbrodbaumes die schönsten Jahre ihres Lebens zu verbringen. Das Uebel wird noch dadurch vergrößert, daß man aus Mangel an medicinischen Kenntnissen oft Leute zur Klause verurtheilt, die nicht die geringsten Symptome von Krankheiten haben. Am Ende des Dorfes erhebt sich das Haus, das Gott geweiht ist, und Neoguid „Gebetort" genannt wird, dessen Bestimmung mehr dem alten Heiligthume gleicht als unsere modernen Synagogen. Das Allerheilige (Dj/pwp) wird nur vom Oberpriester am Versöhnungstage betreten. Der andere Theil ist den Priestern während des Gebets geöffnet; das Volk befindet sich im Hofe, aber die Geschlechter sind getrennt. Die strenge Organisation, besonders eigentümlich in dem, was die Prärogative des Oberpriesters betrifft, ist fast in Verfall gekommen und die Nasiraner treten ebenfalls in den Tempel. In einer Ecke des Hofes befindet sich der Altar, der aus rohen Steinen gebaut ist; man bereitet da die gewöhnlichen Opfer, welche früher mehr den Charakter von erinnernden Ceremonien als einer vorgeschriebenen Pflicht gehabt. Darum sucht man nie, sie in Uebereinstimmung zu bringen mit den göttlichen Vorschriften. Am Samstag und Jom Kippur bringt man keine Opfer. Unter allen Opfern ist dasjenige, das man für die Ruhe eines Verstorbenen bringt, am gebräuchlichsten, wie dies auch bei den übrigen Völkerschaften Abessyniens der Fall ist. Um den Tempel herum sind die Häuser der Priester, als die Wächter des Heiligthums, zerstreut. Sie beobachten eine strenge Reinheit, bebauen ihre Felder, bereiten selbst ibre Nahrung und halten sich fern vom Tumult der Welt. Das Volk bringt ihnen einen Theil seiner Ernte und auch andere Geschenke, besonders beim Herannahen der hohen Feiertage. Die Priester beschäftigen sich hauptsächlich mit der Erziehung der Kinder, welchen sie die Bibel und die traditionellen Gebräuche lehren. Es gibt unter ihnen Asketen und Nasiraner, welche sich durch ein Gelübde der Enthaltsamkeit und des Cölibats an geistige Betrachtungen gewöhnen. Das Studium der bibl. Geschichte wird ziemlich betrieben. Unglücklicherweise wird das Schreiben nur selten gelehrt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. AuS Weftphalen. Wenngleich unser geschätzter Freund und College, der Lehrer Oppenheim zu Schöttmar, schon vor Jahren einen kurzen Artikel über die jüd. Verhältnisse im Fürstenthum Lippe- Detmold in diesen gesch. Blättern geliefert hat, so erlaube ich mir dennoch, gedachten Bericht, der auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen konnte, durch manche Zusätze von allgemeinem Interesse zu ergänzen. Das Fürstenthum Lippe-Detmold ist eines der schönsten, romantisch und historisch merkwürdigsten Länder Deutschlands. Man denke nur an die ungefähr 1 Stunde weit von der Stadt Horn sich befindenden berühmten Extersteine, an den Teutoburger Wald, wo der Cheruskerfürst Herrmann die Römer V