Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447382--06539-2462099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

IX. Jahrgang. ZwciteBeilagez«Nr.4tzL41 des Israelit Leitender Artikel. Die Maschas. Nach dem Berichte Joseph Halevy's über seine Mission, erstattet dem Central-Comite der All. Isr. Univ. Am 30. Juli hat Herr Joseph Halevi über seine mehrerwähnte Mission Bericht erstattet; indem wir die ausführliche, aber wenig Interessantes bietende Reisebeschreibung übergehen, entnehmen wir dem Berichte, das die Falascha's Betreffende. Die Falascha's hatten eine unendlich große Freude mit dem Sendlinge aus Europa. Der Bericht lautet: Eine beträchtliche Bevölkerung mit einer mehr oder weniger schwarzen Haut, ohne den Typus der Neger zu haben, zerstreut über das weite Plateau, das sich vom südlichen Ufer des Tacazze bis zu den Ufern des Baches Bleu erstreckt, rühmt sich, dem Stamme Israel anzugehören. Die ganz afrikanische Farbe ihres Gesichtes scheint zu protestiren gegen eine solche Behauptung; aber die merkwürdige Feinheit ihrer Züge und die lebhafte Intelligenz, welche auf diesen schwarzen Physiognomien noch geblieben, legen Stillschweigen allen Zweifel und allen Einwendungen auf. Der Adel ihres Ursprungs wird bekräftigt durch Millionen von Mitbürgern, welche dem christlichen Cultus angehören. Die Falascha's verehren den einzigen Gott und betrachten Ihn als den Gott ihrer Stammväter Abraham, Jsak und Jakob. Sie schmeicheln sich, anzugehören dieser alten, aber immer jungen Nation, die nicht aufhören wird, ihren großen Einstuß auf die Geschicke des menschlichen Geschlechts auszuüben. Die Liebe für das heilige Land erfüllt ihre empfänglichen, allen Eindrücken zugänglichen Seelen mit einer lieblichen und melancholischen Empfindung. Die großen Erinnerungen des Volkes Gottes sind ihre geistigen Elemente. Der Name Falascha (Vertriebene), den sie sich selbst gegeben, beweist, daß sie Fremde auf dem Boden Afrikas sind. Sie bewohnen die Provinzen Obire, Adiabo, Asquedie Walqait, im Norden. Wenig zahlreich in Armathyoho und Gala-Agra sind sie auch weniger verbreitet in den Provinzen Tembien, Enderata, Semen, Djanfancara, Waggara, Belessa und Lasta. Sie bilden zum großen Theil die Bevölkerung von Thyelga, Dembea und Begueraedir. Ihre Anhäufung ist besonders groß in den Provinzen Cuara, Atyefer, Gadygue, Tacossa und Alafa. Sie haben Colonien bis nach Agaoumeder’, bei den Azabo- Gallas und in Choa. Mietya, Godjam und Tigre enthalten keine Falascha's. Sie sprechen zwei Sprachen, die nicht derselben Sprach-Familie angehören. Sie reden zunächst die herrschende Sprache des Landes (Amharisch) und bedienen sich derselben bei dem Verkehr mit ihren Nachbarn. Sie ist eine Tochtersprache des alten Gueez, welche eine semitische Sprache, Schwestersprache des Hebräischen, Arabischen und der aramäischen Dialekte ist. Außerdem sprechen sie noch einen Dialekt der Sprache Agaou; diese wenden sie im Kreise ihrer Familien an und in diesem Dialekt übersetzen sie den Kindern die Bibel. Ein Theil der Gebete, welche man in der Gueez-Sprache im Gottesdienste recitirt, wird stets von Allen übersetzt und gesprochen in diesem populären Dialekt. Die Agaou-Sprache, die von den Falascha's gesprochen wird, theilt sich wieder in drei Unterdialekte: in diejenige des Dembea, des Kouaza und in diejenige, welche man Falachois (Falaschina) nennt. Die Sprache der Falaschas ist ihnen gemein mit einer ganz problematischen Völkerschaft, welche die Gegend von Wahni bis Djanfankara bewohnt, die eine eigenthümliche Religion hat und unter dem Namen Qemmantes (Kamante) bekannt ist. Die Falascha's von Gabtha, Walqait und von Chire sprechen gewöhnlich den Dialekt ihres Landes, das Tigrina, und kennen nur unvollständig die Agaou-Sprache. Sie haben entweder biblische Namen, bestehend in hebräischen Namen, die nur nach der abessynischen Aussprache etwas anders lauten, oder Umstands- Namen nach dem Gebrauche der alten Hebräer und der Race Gueez. Die Namen dieser Klasse gehören theilweise der Gueez-Sprache und der amharischen Sprache an. Man trifft auch eine große Anzabl Namen, welche der Agaou-Sprache entnommen sind. Ich habe nicht einen einzigen chaldäischen, arabischen oder griechischen Namen gehört. Ihre Kleider unterscheiden sich nicht von denjenigen der übrigen Einwohner des Landes. Bis zum 10. Jahre fühlen die Knaben nicht immer das Bedürfniß, sich zu bekleiden. Die jungen Mädchen sind besser bedeckt. Die Frauen kennen nicht die arabische Mode, sich die Nase zu durchbohren. Gewöhnlich hat man den Kopf entblößt, selbst während des Gebets; die Priester und die Nasiraner tragen allein den Turban. Männer und Frauen scheeren sich gewöhnlich das Haar ab. Als Ausnahme habe ich einige Personen gesehen, die das Haupthaar nach der Art der Amharas gestochten haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.