Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 40-41 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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765 Er übernahm seine Ober-Rabbinerstelle und übte sie 36 Jahre hindurch aus, mit demselben Eifer und derselben Treue wie sein seliger Vater. Auch erfreute er sich derselben Liebe und Achtung der Gemeinden, wie R. Nathanael Weil. Endlich starb R. Tiah Weil ebenfalls wie sein Vater hochbejahrt, im 84 Jahre seines Lebens, den 11. ONober 1805, in Carlsruhe. Seine Ehegattin, Gütel, Tochter des Vorstehers Jacob Eger aus Prag, starb schon den 30. Dezember 1787. R. Tiah Weil war ein fleißiger Schriftsteller, seine Schriften, von denen nur Eine im Druck erschienen ist (die Pesach-Haggadah mit dem Commentar Marbe le Sapper), bestehen in 10 Bänden in Folio, die von seinen Nachkommen mit Pietät aufbewahrt werden.*) Ich habe sie gesehen, und folgendes Verzeichniß davon genommen: Drei Bände Predigten und Trauerreden, die er öffentlich gehalten hatte. Der Titel dieser großen Sammlung ist: ona ana^. Die meisten Trauerreden sind auf Rabbiner seiner Zeit, als Joseph Steinhart, Hirsch (Auerbach), Schelke (Hurwitz), Teble (Scheuer), Arieh Ascher, Wolf Bihl, Salomon (Chelm), Sanvel Darmstadt, Hirsch (Janow),?c. k. Drei Bände nowm Rechtsgutachten, die er mit den Rabbinern David Dispeck, Jacob Guggenheim, Joseph Steinhart, Pinchas Hurwitz, Raphael Hagenthal uud Anderen wechselte. Das Gutachten Nr. 59 ist gegen Jecheskel Landau gerichtet, der in seinem Hurra jnu, I. Theil Nr. 13. das Zwicken am o"n erlaubte. Zwei Bände niadn 'amn, Glossen zum Talmud, zu neunzehn Traktaten. Diese D'arnn sind sehr weitläufig, besonders zum Traktat «y»sD «aa. Ein Band Deraschoth zum Pentateuch, betitelt: 'S no«. Endlich ein Band D’arrrn oder neue Erklärungen zum Ritual-Codex D«r, rrm 28. srra naro R. Moses Bürgel, nicht Birgel wie Wolf schreibt, wurde ums Jahr 1575, in Bürgel, einem Dorf unweit von Frankfurt a. M., geboren. Sein Vater Jisai Joseph, ein Gelehrter, gab ihm eine so gute Erziehung, daß er als Schüler des berühmten R. Jacob Günzburg in die Hochschule von Friedberg eintreten konnte. Er wurde ein angesehener Gesetzlehrer und erhielt um's Jahr 1600 die Tochter des R. Jehuda Wetzlar zur Ehegattin. Wo und wie er die erste 15 Jahre des 17. Jahrhunderts zugebracht hatte, ist nicht bekannt. Man weiß nur, daß er 1616 als Rabbiner in Bonn am Rhein ausgenommen wurde und dort mit den jüdischen Metzgern wegen Verletzung von Religionsgebräuchen Streitigkeiten hatte. *) Anrn. des Correct.: So viel wir taiffm, sind dwse Schriften im Besitze des Herrn Bezirk-Rabbiners Liberles in Breiten (Baden), eines Nachkommen des R. Tiah Weil. Im Jahre 1624 wurde Moses nach Friedberg als Oberrabbiner berufen, wo er 20 Jahre lang seinem Amte würdig Vorstand. Er starb dafselbst, tief betrauert, den 5. November 1643; seine Frau Gütelein folgte ihm sieben Jahre darnach ins Grab. Das Friedberger Memorbuch hat ihm ein schönes Monument gesetzt. Er sei ein Wunder seiner Zeit gewesen, fromm und demüthig, nur für die GotteSlehre lebend, sie öffentlich lehrend und Vielen die Augen darin erhellend. Für feine Gemeinde sei er ein treuer Hirt gewesen, der sie friedlich 20 Jahre leitete. Sein Gemüth sei so außerordentlich gut gewesen, daß er in seinem ganzen Leben Niemanden beleidigt habe. Man hat von ihm einige hebräische Poesien, die er drei Monate vor seinem Tode dichtete, und die handschriftlich in der Oxforder Bibliothek, Coll. Oppenheim, aufbewahrt. Eine rtf'j?, oder Klaggesang über die Drangsale der Juden während des dreißigjährigen Krieges, namentlich in Mähren, wo Plünderung und Ermordung in Brod, Helleschau, Kremsier, Prosn und Tagitschau stattfanden. Diese Kina beginnt mit den Worten: air<a pND *)sssm; einen anderen Trauergesang über Märtyrer von Mähren fängt mit den Worten: pnya p-.yo an und bildet in einen Akrosticon des Verfassers Namen: Moses Bürgel. Ein dritter Klaggesang ist dem Tode seines einzigen Sohnes geweihet, der den 31. Dezember 1742 starb und den alten Vater kinderlos zurückgelassen hatte. Das Trauergedicht hebt mit m'pn nnpb D'ion an und bildet das Akrostichon Bürgel. 29. Dm3 p *)ot» P In der Gallerte der Rabbiner haben wir bereits den würdigen Oterrabbiner von Posen, Hirsch Janow geschildert; ihm folgten im Amte, Einer nach dem Anderen, zwei Brüder Joseph und Samuel b. Pinchas. — R. Joseph bcn Pinchas war ein in der jüdisch-theologischen Wissenschaft ebenso erfahrener als in Bescheidenheit und Demuth geübter Mann. Er war ein Schwiegersohn des R. JecheSkel Landau, und erfreute sich in Prag der Hochachtung und Anerkennung seiner Verdienste. Sein Ruf drang bis nach Posen, wo er 1780 zum Oberrabbiner gewählt wurde. R. Joseph bekleidete diese hohe Stelle 21 Jahre lang zur allgemeinen Zufriedenheit, bis zu seinem im Jahre 1801 erfolgten Tode. R. Joseph ben Pinchas war mehr praktischer als theoretischer Gesetzlehrer, er schrieb nichts von seinen min 'imn, oder die im Studium aufgefundenen neuen Ansichten auf, und beachtete wenig, was die Meisten seiner Amtsbrüder zum Schreiben anspornt: ">apa maan i’mnsta. „Die Lippen bewegen sich im Grabe," wenn man nach dem Tode eines Geehrten etwas von seinen hinterlasfenen mm nemn wiederholt.