Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 40-41 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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762 getäuscht werden wird. In drei Wahlbezirken ist dies schon so gut, wie sicher, und wird geben, daß auch im vierten, wo die Chancen allerdings noch zweiselhast sind, die starke orthodoxe Partei ihrer heiligen Pflicht eingedenk rührig und thatkrästig der guten Sache zum Siege verhelfen werde. Möge unser himmlischer Vater in ganz Ungarn den aufrichtigen Dmrp schützend zur Seite stehen, auf daß die Hoffnung derer getäuscht werde, welche in diesem Cvngreß die Erwartung auf den Anfang eines Endes der ungarischen Glaubenstreue setzen! Die heilige Wahrheit aber möge verjüngt im hellen Tageslichte erglänzen! run ->dup «di DU’ «d. In Gran hat am 14. d. M. eine Konferenz der hervorragendsten israelitischen Persönlichkeiten des Graner Komitats stattgefunden, deren Gegenstand die Wahlen für den bevorstehenden israelitischen Kongreß bildeten. Es verdient wohl in erster Reihe hervorgehoben zu werden, daß diese Konferenz in dem großen Berathungssaale des Obergespans und Primas-Stellvertreters, Bischofs Grafen Forgach, abgehalten wurde. Graf Forgach begrüßte die erschienenen Theilnehmer — beiläufig 40 an der Zahl — mit einer sehr herzlichen und wirkungsvollen Rede, in welcher er mit sichtlicher und aufrichtiger Freude die Israeliten seine neuen Mitbürger nannte. Der Eindruck dieser vom Geiste wahrhafter Toleranz getragenen Rede war ein mächtiger und die Versammlung gab dies durch einhellige stürmische Eljens kund, mit welchen sie die Rede des Bischofs Forgach erwiederte. Nachdem ein Wahlcomite aus 7 Personen gewählt worden war, versammelte sich dasselbe Nachmittags, diesmal unter dem Vorsitz des Herrn Oberstuhlrichters, um die Wahl des Präsidenten unter sich vorzunehmen. Auch der Oberstuhlrichter gab in seiner Begrüßungsrede der Freude über die zur That gewordene Gleichberechtigung Ausdruck. Donaufürstenthümer. Bukarest. Die in jüdisch-deutschen Lettern in Lemberg erscheinende „Zeitung" schreibt: Wie sehr in der Moldau das Leben sicher ist, beweist folgende Thatsache: Ein jüdischer Wirthshauspächter auf dem Gute Tatomireschti im Bezirke Waslui hatte beim Gutsherrn Cusa, Bruder des Er-Fürsten Cusa, einen Wechsel von mehreren hundert Dukaten einzucassiren. In der Nacht vor dem Verfalltag des Wechsels, stürzten sich mehrere Männer, die ihre Gesichter geschwärzt hatten, in das Wirthshaus und haben den Wirth, seine Frau und seine Kinder so lange gemartert, bis der Wirth, seine Frau und sein Sohn tobt waren; hierauf erbrachen sie die Schubladen, nahmen Geld und Geldeswerth heraus und machten sich dann davon. Die Tochter des Wirths, die die Raubmörder für todt hielten, war blos durch den starken Blutverlust ohnmächtig geworden. Des andern Tags gab sie die bestimmte Erklärung ab, daß sie unter den Räubern den Gutsherrn Cusa und den Unter-Präfekten Ruscheßka erkannt habe. England. London. Dem „Jewish Record", einer seit vier Monaten in London erscheinenden jüdische Zeitschrift, entnehmen wir Folgendes: Als Beweis von der Zunahme der hiesigen jüdischen Gemeinde theilen wir mit, daß nicht weniger als 40 Plätze zur Abhaltung des Gottesdienstes während der hohen Feiertage geöffnet sind. 15000 Personen haben in diesen Räumen ganz bequem Platz. Afrika. Algier. Das neue Consistorium für Algier beabsichtigt eine Arbeiterschule dahier zu gründen. Man verspricht sich recht viel Gutes von einem solchen Etablissement; denn das Elend ist im Allgemeinen unter den eingebornen Juden sehr groß und siebt man viele Kinder auf der Straße in elendem Zustande herumlungern. Feuilleton. Dp?o5 DK rrE Kalkerie der Aaböinen. Erste Centurie. Von E. Carmoly. 27. R. Jedidio Ti ah Weil, Sohn, Schüler und Nachfolger des Nathanael Weil, wurde in der Nacht vor deni 1. October 1721 zu Prag geboren. Von seiner Iugendgeschichte ist nichts bekannt, man weiß nur so viel, daß er sich unter Leitung seines Vaters zum Rabbiner und Prediger ausbildete. Nach Zurückrufung der Vertriebenen aus Böhmen wurde R. Tiah zum Rabbiner in Utiz angestellt. Er blieb in diesem Amte bis nach dem Tode seines Vaters, mehr als 20 Jahre. Seine Bescheidenheit und sein Studium, das er in Utiz ungestört fortsetzen konnte, machten ihm seine Stelle dort angenehm. Er würde diesen Ort nie verlassen haben, wenn es nicht der Wunsch seines Vaters gewesen wäre, daß er diesem nach dessen Tode im Amte folgen sollte.