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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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759 AeitungSnachrichten und Covrespon deuzen. Deutschland. Mainfkoekheim, 8. September. Verflossenen Mittwoch wurde vom Kgl. Schulinspector vr. Zizmann von Kitzingen die Prüfung an der Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt des Herrn A. Hirsch dahier abgehalten. Das Examen währte über 6 Stunden und das Resultat war ein höchst befriedigendes. Der Herr Inspector drückte seine Freude darüber aus, daß er sich persönlich von den großen Leistungen der Anstalt überzeugt, daß in allen Fächern sehr viel, in manchen, z. B. Schönschreiben, Aufsatz, Rechnen, Französisch und Englisch Ausgezeichnetes erzielt worden sei; er sprach sich dahin aus, daß er nicht unterlassen werde, die Anstalt überall sehr warm zu empfehlen. Tags darauf hielt Herr Rabbiner Simon Bamberger aus Fischach, im Auftrag des zuständigen Hrn. Distrikts-Rabbiner Bamberger zu Würzburg, welcher durch eine Reise verhindert war, das Examen in den jüdischen Fächern ab. Derselbe war ebenfalls äußerst zufrieden, und staunte über das viele und gründliche Wissen der Zöglinge. Man wird in der That selten einen Direktor finden, der so fleißig und mit einer solchen Hingabe zu seinem Berufe arbeitet, wie Herr Hirsch. Dabei steht ihm ein sehr tüchtiger Lehrer zur Seite in der Person des Herrn Kahn, welcher sich bereits in Westphalen und im Rheinlande einen bedeutenden Ruf erworben. Zeichnen und Gesang wird von einem dritten Lehrer trefflich unterrichtet und wie wir hören, soll es auch dem Herrn Direktor gelungen sein, zur Wiederbesetzung der Stelle, welche bis jetzt der nunmehrige Rabbiner zu Mainbernheim inne hatte, eine glückliche Wahl getroffen zu haben. Möge die Anstalt immer mehr aufblühen und fortan dazu beitragen, daß immer mehr eingesehen und erkannt werde die Wahrheit des Satzes: nEr» p« -pi oy min. W. Kitzingen, '14. Sept. Gestern hielt unser neuernannter Distrikts-Rabbiner, H. Immanuel Adler, in der Synagoge zu Mainbernheim seine Antrittsrede. Viele Vorsteher, Lehrer und andere Mitglieder des Distriktes, sowie auch eine große Anzahl von Nichtrsraeliten wohnten der Feier bei, und die Predigt fand ungetheilten Beifall. Das gegenseitige Verhältnis von Rabbiner und Gemeinden besprechend und zum Texte Psalm 85, Vers 11, wählend, führte der Herr Redner aus, daß wenn der Rabbiner von *ion, von inniger Liebe zu den seiner Obhut anvertrauten Gemeinden beseelt ist, wenn die Gemeinden wiederum ihrem Rabbiner achtungsvolle Liebe zollen; wenn der Rabbiner von nox, von der Wahrheit tief durchdrungen, I wenn er mit heiligem Eifer bestrebt ist, nex mm die Lehre der Wahrheit zu verbreiten, wenn die Gemeinden wiederum die Wahrheit suchen, für die Wahrheit empfängliche Herzen haben, dann ein gesegnetes Verhältnitz zu erwarten sei, daß dann pis, die Gerechtigkeit zu immer schöner» Blüthe sich entfalten, daß dann '6p, der wahre Friede sich immer mehr Bahn brechen werde. Im zweiten Theile der Rede sprach der Herr Rabbiner von der Schule, welche ein besonders ergiebiger Boden für die Saat der göttlichen Wahrheit sei, und ermahnte mit begeisternden Worten die Herren Lehrer, ihrem erhabenen Berufe mit immer größerer Liebe und Hingebung obzuliegen, die Gemeinden aber, daß sie durch Verbesserung der Lage der Lehrer durch Kundgebung ihrer Anerkennung und Dankbarkeit diese Liebe nähren sollen. Wenn sich schon in den wenigen Wochen seiner Amtirung bei unserm Herrn Rabbiner die Wahrheit des Satzes in den Sprüchen, Cap. 16, Verö 7 , erfüllte, so wird gewiß diese Predigt, sowie überhaupt sein einnehmendes Wesen und sein biederer Charakter bewirken, daß ein Jeder der Rabbinatsangehörigen sich glücklich schätzen wird, unter eines solchen Mannes Seelsorge (?) zu stehen. 8. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wi.N, 15. Sept. Verflossenen Freitag erschien bei einem der hiesigen Prediger ein alter, gebrochener Greis, der kaum auf den Füßen stehen konnte, und bat denselben flehentlich, ihn in den Schooß des Iudenthums aufzunehmen. Er gab an, daß er Ignaz Fillenz heiße, in Temenau bei Lundenburg in Mähren wohne, 87 Jahre, verheirathet und Vater von acht Kindern sei. Er sei vor 40 Jahren durch den Druck der damaligen Verhältnisse auf direkte Veranlassung des Pfarrers von Temenau gezwungen worden, sich taufen zu lasten, das Gewissen habe ihn während der ganzen Zeit gepeinigt und er sei in seinem Innern stets Jude gewesen, habe sogar als Christ im Geheimen die Gebote und Vorschriften des Judenthums beobachtet, nun stehe er bereits mit einem Fuße im Grabe und da er seiner Auflösung entgegengehe, so wollte er als Jude sterben und bitte um die Aufnahme in den Verband des Judenthums. Nachdem sich der Herr Prediger von der Wahrheit dieser An gaben überzeugt hatte, nahm er die Konvertirung des Greises vor. Wien. Im Laufe dieser Woche fand hier abermals ein Rücktritt zum Judenthume statt. Der hiesige bekannte Handelsagent Moritz M., dessen weit verbrei tete Familie vor mehreren Jahren zum Christenthume übergetreten war, kehrte nämlich noch vor den heiligen israelitischen Feiertagen zu feinem angestammten Glauben zurück.

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