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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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758 jüdische Religionsgesetz nicht kümmerte, dem vielleicht ntcnpn unnin eine Mythe war, einer specifischjüdischen Lehrerbildungsanstalt, einer Pflanzstätte für die Lehrer zwei großer Provinzen als Leiter und Director vorstehe; kann es auch vom pädagogischen Standpunkte nickt gutgeheißen werden, daß ein Doctor und Professor der Medicin, der doch sicher keine Pädagogik studirt hat und dem gewiß für die Schule das nöthige Verständnis; und deren Angelegenheiten abgeht, der, mit einem Worte gesagt, kein Schulmann ist, an einer solchen Anstalt als Lehrer fungire, so wollen wir, die wir die Wahrheit über Alles lieben, dieser die Ehre geben und gern conftatiren, daß in den ersten 10—15 Jahren des Bestehens der Vereinsschule dieselbe recht gut organisirt, mit tüchtigen Lehrkräften besetzt und in wahrhaftem, echt jüdischem Geiste geleitet wurde; ja, zum Ruhme wollen wir es dem Professor H. nachsagen, daß er, so sehr auch seine Ansichten vom Iudenthume mit denen des in diesen Blättern schon oft erwähnten, sehr gelehrten und hochbetagten Oberlehrers Cohn — muten ro’ -;ner — so lange nämlich dieser in Wahrheit und Wirklichkeit Oberlehrer war — divergirten, strenge Controlle über das religiöse Leben der Schüler führen und solche Anordnungen und Weisungen treffen ließ, daß von Seiten der Seminaristen den Anordnungen und Befehlen Cohn's Folge geleistet werden mußte. Außer gedachtem Oberlehrer Cohn ertheilte auch — wenigstens in den ersten Jahren — der hochehrwürdige Oberrabbiner Sutro an genannter Anstalt Unterricht in einigen hebräischen Gegenständen. Außerdem konnten die dazu befähigten Seminaristen bei demselben in seiner Behausung Unterricht im Talmud erhalten; der Herr O. R. ertheilte diesen Unterricht mit Freuden, und zwar d'Bip dic6 ohne dafür Honorar zu verlangen. Auch hatten damals die Zöglinge in der Vereinsschule noch ihren eigenen Gottesdienst unter Leitung und Aussicht des Oberlehrers Cahn und wurden dieselben im Cantorate von dem würdigen Cantor und um» der jüdischen Gemeinde M., Herrn Heimann, gut unterrichtet und für ihren zukünftigen Beruf allseitig vorbereitet. Daher kommt es denn auch, daß die meisten der in der angegebenen Zeit aus der Anstalt entlassenen SchulamtScandidaten mit tüchtigen hebräischen Kenntnissen ausgerüstet ihren Wirkungskreis antraten, Heil und Segen verbreiteten, sowohl in der Schule als auch in der Gemeinde. Woher es kam, daß man später den ehrw. Herrn O. R. bei Seite schob und den Schülern strengstens verbot, bei demselben in hebräischen Gegenständen Unterricht zu nehmen — wir wissen es nicht, glauben aber, daß jedenfalls reformistische Umtriebe, Hellwitz'sche Jntriguen — wir haben diesen Reformator (!), diesen Rabbiner in spe kürzlich schon in diesen gesch. Blättern so ziemlich characterisirt — mit im Spiele waren, was sich schon daraus vermuthen läßt, daß genannter H. den Herrn O. R. auf jede Art und Weise zu kränken, ihm viel 31? nziff zu bereitete und ihm seine Berufsgeschäfte auf alle unerdenkliche Weise zu erschweren suchte. Und fragt man uns; wodurch hatte der ehrw. O. R. eine solche rücksichtslose Behandlung seitens des Obervorstehers H. verdient, so haben wir auf diese Frage nur die eine Antwort: Dadurch, daß derselbe sich weigerte, den von H. ihm empfohlenen verderblichen Neuerungen in den Gemeinden Eingang zu verschaffen, daß derselbe sich überhaupt nicht als gefügiges Werkzeug von H. und Consorten gebrauchen lassen wollte, sondern in Wort und Schrift mit aller Kraft und Entschiedenheit den Bestrebungen dieser Leute entgegen zu arbeiten suchte, wie eS einem treuen Arbeiter im Weinberge des Herrn, wie es überhaupt einem Jeden zukommt, der es mit unserer h. Religion ehrlich und aufrichtig meint. Ja, wir wiederholen es bei dieser Gelegenheit nochmals, Hellwitz war es, der in Westphalen den ersten Impuls zu den verderblichen sogenannten Reformen gab; er war es, der zu den beklagenSwerthen Neuerungen im Cultus den Grundstein legte, dadurch, daß er, als er noch im Wohlstände war, durch bedeutende Geldunterstützungen eö ärmeren isr. Gemeinden ermöglichte, eine Svnagoge bauen lassen zu können, sobald dieselben sich nur geneigt erklärten, die von ihm in der Synagoge zu Soest eingeführten Reformen zum Muster zu nehmen und überhaupt seinen Wünschen Nachkommen zu wollen. Welch ein reicher Mann hätte der ehrwürdige Herr Sutro werden können, wäre derselbe nicht so unempfindlich gegen die Einflüsse dieser Macht gewesen! — Wie ganz anders handelte dagegen der vor etwa 10 Jahren in Brilon verstorbene Rabbiner Friedländer! Dieser, ein in jeder Beziehung gefügiges Werkzeug deö Hellwitz, eine Maschine, die sich von dem selben leiten ließ, soll — so wird wenigstens erzählt — auf Veranlassung und durch den Einfluß desselben, zu dem Rabbinatsposten in B. gelangt sei und zwar unter der Bedingung darauf hinwirken zu wollen, daß in seinem Rabbinatssprengel der m^Ji -L-' uv ü"’ abgeschafft werde. Und wirklich hat gedachter Rabbiner F. sein dem Herrn H. gegebenes Versprechen treu erfüllt, hat schon in der ersten Zeit seiner amtlichen Wirksamkeit sich dadurch die Krone aufzusetzen bemüht, daß er in seinem Hause am achten Tage riD? Gesäuertes aß, auch an übrigen rw-a bttf u» ü'’ nicht feierte und im ganzen RabbinatSbezirke Rundschreiben erließ des Inhaltes: der sei überflüssig, und was — nicht zeitgemäß und daher überflüssig sei, müsse abgeschafft werden. Doch, die Gemeinden ließen sich nicht irre machen, beobachteten nach wie vor den 'W v"' und hatten diese und andere von ihm erlassene reformatorischen (?) Erlasse keine weitere Folge, als daß sich eine heftige Polemik zwischen ihm und dem Herrn Oberrabbiner Sutro zu M. entspann. (Forts. *f.)

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