Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447382--06531-2462091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erste Beilage zu Rr. 40 &41 des Israelit. Leitender Artikel. Wer ist Schuld daran, dast die jüngere Generation ohne Kenntnis des BudenthnmS nnd feiner Institutionen heranwächst? t Fortsetzung.) II. Lehrer; Erziehung in der Schule. Im Vorhergehenden haben wir uns zu zeigen bemüht, welch' mächtigen Einfluß das Beispiel der Eltrn auf die Kinder übt; haben nachgewiesen, wie in der Gegenwart, leider, das böse Beispiel, die Religionslosigkeit vieler iörael. Eltern, einer der Hauptfactoren ist, wodurch bei den Kindern schon in zarter Jugend der Keim zu Skepticismus, Un- und Jrreligion und Gleichgiltigkeit gegen Religion und religiöse Institutionen gelegt wird, der später um so mächtiger emporschießen wird, je größer die schädlichen Einwirkungen lind, unter die solche Kinder einst gerathen. Es bleibt uns zur Lösung der uns gestellten Aufgabe nunmehr noch übrig, nachzuweisen, daß auch die Lehrer, resp. Rabbiner — diese ertheilen ja auch häufig der Jugend den Religionsunterricht — einen nicht kleinen Thei! der Schuld an dem religiösen Verfalle, an den Verirrungen und Zerrüttungen in den Gemeinden tragen, ja daß gerade diese, die nächst den Eltern den größten Einfluß auf Erziehung und Bildung, folglich auch auf die religiöse Richtung der Jugend haben, eine der Hauptquellen deS in Rede stehenden Nebels sind. Bevor wir jedoch zur Begründung der aufgestellten Behauptung übergehen, glauben wir die Bemerkung vorausschicken zu müssen, daß überall, wo im Nachfolgenden von „Schulen" die Rede sein wird, nur die israel. Schulen Westphalenö resp. die an genannten Schulen wirkenden Lehrer verstanden werden dürfen, da der Stand und die Verhältnisse der Schulen anderer Gegenden uns unbekannt und wir eben deswegen auch nicht im Stande sind, darüber unser Urtheil abgeben zu können. Zudem dürfte nicht leicht ein anderes Land angetroffen werden, wo, leider, die jüdischen religiösen Zustände so trübe sind, wie in Westphalen, dem Lande der rothen Erde, das man in Bezug auf gedachte Zustände wohl das Land der rothen Republik nennen könnte. Da die meisten der in Westphalen fuugirenden israel. Lehrer ihre Ausbildung in der früheren „Vereinsschule" zu Münster, jetzt „Marks-Hainborfische Stiftung" genannt, genossen haben, so halte ich es für nöthig, den geschätzten Lesern etwas Näheres über gedachte Anstalt, sowie über manches Andere, was damit im Zusammenhang steht, zu sagen. — Es sind jetzt ungefähr 36 Jahre, daß genannte Anstalt von dem! vor einigen Jahren in Hamm verstorbenen Professor I Haindorf, in'S Leben gerufen wurde. Dieselbe bat den! Zweck, jüdische Lehrer sür Rheinland und Westphalen I heranzubilden und wird von den Zinsen eines von dem ■ verstorbenen Schwiegervater des Professors Haindorf, i des Rentiers Marks zu Hamm, dafür fundirten Ea-! pitalS, sowie durch milde Beiträge der israel. Gemeinden beider Provinzen, als auch durch freiwillige Gaben , von Christen — die, beiläufig bemerkt, reichlich für! diesen Zweck spenden — unterhalten wird, und die! deßhalb bis noch vor Kurzem den Namen „Pereinsschule" führte. Doch müssen wir bemerken, daß die eingehenden Gelder nicht allein für die Heranbildung; von Lehrern verwendet werden, sondern der „Verein^'! hat auch die Aufgabe, arme jüdische Jünglinge aus j beiden Provinzen, sobald solche sich melden, bei jüdi-! schen Meistern in die Lehre unterzubringen, bei denen sie ein Handwerk oder eine Kunst erlernen können. Zu der Zeit, als gedachter Verein sich bildete und die Bereinsschule in'S Leben gerufen wurde, lag das isr. Schulwesen beider Provinzen noch im Argen danieder;! die meisten Gemeinden hatten — wenn sie überhaupt! eine Schule unterhielten — einen Neligionslehrer, der I zugleich die Functionen des — vw «mp dpi i zu verrichten hatte. Zu einer solchen Religionslehrerj stelle konnte ein Jeder gelangen, der nur etwas Hcbräisch verstand, war er sonst auch noch so rob und ungebildet — und wenn nur das Salair niedrig gestellt und der Nachweis zur Qualification genannter Functionen documentirt wurde. Selbst die meisten Israeliten beider Provinzen standen damals nc<f> auf einer niedrigen Stufe der Bildung, waren roh und unwissend, und sahen den Nutzen gut eingerichteter Elementarschulen noch nicht ein. Gewiß war es unter derartigen obwaltenden Umständen und Verhältnissen ein verdienstliches Werk de§ verstorbenen Professors Haindorf, durch Heranbildung von in eincm Seminare pädagogisch gebildeten Lehrern Intelligenz und wahre Aufklärung unter den Israeliten beider Provinzen zu verbreiten. Zudem hatte der gebildetere Theil das Bedürfniß nach einer solchen Anstalt schon längst empfunden und wurde daher die Gründung der Vereinsschule zu M. von den meisten Gemeinden mit wahrer Freude begrüßt. Auch hatte dieselbe sich der Sympathie sowohl der höheren Behörden, alö auch des jüdischen Publikums zu erfreuen. Und kann es auch von jüdisch-religiösem Standpunkte nicht gebilligt werden, daß ein Mann, — wie Haindorf — der sich um das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.