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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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752 dem ungebildeten Theile des Publikums zuweilen gelingen mag. Ungarn ist in den letzten Monaten, wie dies in Uebergangsperioden aller Orten zu geschehen pflegt, mit offenen Briefen, Broschüren rc. überfluthet worden, von denen der „Mahnruf an die Israeliten Ungarns über den isr. Landeskongreß rc." aus hohem Kothurne cinherstolzirt, um zu beweisen, oder richtiger zu behaupten, „daß die Juden Ungarn's gegenwärtig den bedeutensten Faktor im Leben des Judenthumes ausmacheu." Trotzdem indeß der Verfasser den Mund sehr voll nimmt, läßt es sich Angesichts der vorliegenden Verhältnisse nicht leugnen, daß das Judenthum in Ungarn ernsten, entscheidenden Zeiten cntgegengeht, daß die Ordnung der Dinge in unsrem Daterlande nicht ganz ohne Einfluß bleiben wird ans die Bestrebungen unserer Glaubensgenossen in andern Ländern. Die Geschicke erfüllen sich; der gewaltsam selbst innerhalb der Grenzen des nach der Tradition Erlaubten gebannte Zeitgeist macht sich geltend und sucht sich selbst das zu verschaffen, was man ihm in tatsächlicher Verkennung der Verhältnisse bisher versagt. Wie manches wäre besser, mit wie viel größerer Ruhe konnten wir in die Zukunft schauen, wenn unsre Leiter und Lenker mit wenigen Ausnahmen sich nicht nach außen hin gleichsam mit einer chinesischen Mauer umgeben; wenn dieselben sich nicht hartnäckig jeder besseren Einsicht in die Bedürfnisse der Zeit verschlossen hätten. Angesichts der bevorstehenden Regelung unserer Verhältnisse ist es nöthig, die öffentliche Meinung über die Stellung der gesetzestreuen Partei etwas auszuklären. Vor circa einem Jahre wurde bekanntlich die Orthodoxie durch die neu gegründete rvin noi» man quasi organisirt. Das Programm des genannten Vereines, welches Ihren Lesern bekannt ist, verschaffte demselben viele Anhänger. Selbstverständlich wurde von Seiten der Neologen viel gearbeitet und gewühlt, viel Papier verschrieben und viele Dinte verspritzt, um dem Vereine seine Sympathien zu entziehen. Indeß schien es, als ob der Verein ein einheitliches Band um alle orthodoxen Juden unseres Vaterlandes geschlungen, als ob seine Wünsche und Bestrebungen in Bezug auf den Congreß auch die aller Bekenner des traditionellen Judenthums wären. Um so auffallender mußte ein in jüngster Zeit im eignen Lager geschehener Schritt sein, der um so mehr der Aufklärung bedarf, als es einer der ersten Koryphäen Ungarns gewesen, der die Anregung dazu gegeben, nämlich *psnD-iya«p pp"-» nnx'a'n. Derselbe lud nämlich vor einigen Wochen durch ein gedrucktes Circular alle Rabbinen Ungarns zu einer Vorbesprechung nach Wertzen ein, indem er darauf hinwies, der Ernst der Zeit erheische es, daß sich endlich die Orthodoxen ermannten, um den nihilistischen Tendenzen der Reformer entgegenzustreben. War es schon an und für sich seltsam, daß eine solche Aufforderung nicht von dem mn 'ivw - Verein ausging, der doch als Vertreter der gesammten Orthodoxie Ungarns zu gelten schien, so mußte es noch mehr frappiren, wenn der »pNimyaNp pp'" na»a"n im weiteren Verlaufe des Briefes ausdrücklich bemerkte von dem genannten Vereine hätten wir keine Hilfe zu erwarten, es sei vielmehr endlich an der Zeit, auch ihm offen entgegenzutreten u. s. w. Man muß hier indeß die Form von der Sache trennen. Die einseitige Form des beregten Briefes konnte allerdings den in die Verhältnisse nicht Eingeweihten stutzig und erstaunt machen. Abgesehen von der Form verhält sich die Sache selbst solgeudermaaßen: Ungarn birgt in sich einen Dualismus zwischen dem sogenannten Ober- und Unternngarn, der sich nicht überbrücken läßt. In Unterungarn grassirt der Chassidismus in seiner crassesten Form, der möglichst große Unbildung zur Parole seiner Bestrebungen macht, wenn die Anhänger dieser Richtung überhaupt wissen, was ne wollen. Dort wird jedes profane Wissen verpönt, jedes Streben nach Bildung verbessert, alles unter dem Deckmantel der Religion, und so herrscht denn auch in jenen Gegenden ein Obscuratismus, der seines Gleichen sucht. Mit solchen Leuten ist eine Einigung schlechterdings unmöglich, sie bilden einen Faktors mit dem nicht zu rechnen ist, sie verdienen nicht einmal den Namen einer Partei. So wie es nun aber in allen Lebensverhältnissen selbst unter sonst Gleichgesinnten verschiedene Ansichten in Bezug auf die Grenze des Kampfes gibt, den man für seine Ueberzeugung durchzufechten hat, so auch in der wirklichen Orthodoxie. Der weitverbreitete mn '->vw-Verein hat viele Sympathien, wovon die vielen in seinem Organe dem „Magyar Zsido" veröffentlichten Briefe Zeugniß oblegen. Indeß macht der Verein keinen Hehl daraus, daß Einseitigkeit seine Fahne sei; sein Motto ist Trennung um jeden Preis, wo nicht Alles erreicht werden kann, ein Motto, welches allerdings von großem Muthe zeugt, wenn man trotz des nahen Congresses sich nicht scheut, eine so prononcirte Stellung einzunehmen, wodurch aber natürlich Viele, die sonst Parteigänger des Vereins sind, abgestoßen werden. Der beregte so auffallende Brief, sowie das ganze Unternehmen will nur die Kritik üben, daß jener Verein einseitig in's Leben gerufen, er will nur Dem Ausdruck geben, daß selbst innerhalb der Orthodoxie eine Partei existire, die bei ganz derselben Entschiedenheit des Eintretens für '' bw naip tza dennoch erhalten will, waö zu erhalten ist und nicht positiv von sich stoßen will. Es wäre daher falsch zu glauben, daß über die Zwecke Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Parteien obwaltete, nur die richtige Wahl der Mittel,

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