Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 40-41 (30.9.1868)
- Date
- 1868-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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751 Der schönste Sonnenschein beleuchtete den Festplatz, welcher sehr passend zu dem erwähnten Zwecke hergerichtet war; die preußischen und norddeutschen Fahnen wehten im Winde, und ein sehr zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden. (Der NabbinatS- Assessor Herr Ros enstein war amtlich, und Herr A. H. Hey mann durch Unwohlsein verhindert zu erscheinen.) Der reformsüchtige Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde glänzte durch seine Abwesenheit. Gesänge und Musik wurden von dem Chordirigenten der alten Synagoge Herrn Rosenfeld in gewohnter Meisterschaft componirt und geleitet. Daß der Obercantor Herr Licht enstein die Festcantate herrlich vortrug, bedarf keiner Erwähnung, das ist selbstverständlich; aber auch der Cantor des Vereins Schochare-Hatob, Herr Markson recitirte die Psalmen sehr würdig und angemessen. Die Festpredigt des Herrn vr. Nascher hat einen sehr tiefen Eindruck auf die Zuhörer gemacht; er ermahnte die Versammlung das begonnene Werk in Frieden zu vollenden und deutet sehr geistreich die dunkle Stelle von den Steinen, welche sich stritten um den Vorzug, auf welchen von ihnen der Urvater Jakob sein Haupt legen sollte, und daß sie nachher zu einem Stein wurden; so mögen auch hier alle Parteien Eins werden. Nach dem Gebete für den König wurde dem Syndikus der Stadt Berlin, Herrn Stadtrath Lebrun, der Hammer überreicht und unter den Klängen der Königs-Hymne (Heil Dir im Siegerkranz) erfolgten die üblichen Hammerschläge. Die Urkunden wurden in deutscher Sprache von Herrn Commissionsrath Hoff und in Hebräischer von Herrn Benscher verlesen. Zeder wahre ’-nrp kann nur wünschen. daß das Werk gedeihe, und so möge Gott Seinen Segen dazu geben! Aus Westphaken. Um gerecht zu sein, sehen wir uns in Bezug auf unfern in Nr. 36 dieser gesch. Blätter enthaltenen Bericht über jüdische religiöse Zustände Wcstphalens zu der Erklärung reep. Berichtigung veranlaßt, daß in solchen Fällen, wo ansrnty eine Wiederholungsprüfung bei Sr. Ehrwürden , dem Herrn Ober-Rabbiner Sutro zu Münster zu unterziehen sich weigerten, dieser allerdings schon häufig an die betreffenden zuständigen Synagogen- Vorstände ein Publikandum ergehen und dieselben auffordern ließ, dasselbe gefälligst in der Synagoge vorlesen zu lassen, damit ein Jeder es wisse, daß das Fleisch der von N. N. geschlachteter Thiere ns~tü sei. Doch, gar mancher löbl. Vorstand lehnte die Verlesung eines solchen Schreibens höflichst ab, so wie anderseits viele Gemeindemitglieder von dem Inhalte eines solchen Publikandums keine Notiz nahmen. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. 3WieN. vr. Pollak in Wien, Banquier Jakob Levi Menasse in Alexandrien und Freiherr Eugen v. Morpurgo haben vom Sultan den Medjidie-Orden und Großhändler Salomon Edler v. Parente in Triest einen Braunschweigischen Orden erhalten. Sboroh. Der Kaiser von Oesterreich hat der hiesigen isr. Gemeinde 300 fl. als Beisteuer zum Bau einer neuen Synagoge geschenkt. (Ztncht.) Aus Ungarn. Bezüglich der im „Pesther Lloyd" vor Kurzem veröffentlichten haarsträubenden Geschichte lesen wir in Nr. 136 des „Hazank" nachstehende interessante Notiz: Der Fall zu S. a. Ujhely hat sich als überaus übertrieben herausgestellt. Gegen den erwähnten Erzieher sind in der Thai bedeutende Verdachtsgründc aufgetaucht. Von den angeblichen Quälereien ist kein Wörtchen wahr, wie der Komitatsarzt dies bestätigt. Wie wir vernehmen, ordnet die Regierung gegen den Berichterstatter eine strenge Untersuchung an; cs ist aber auch wahrhaft nöthig, daß die Bestrafung eine exemplarische sei, denn so etwas ist mehr als Gewissenlosigkeit, es ist eine öffentliche Böswilligkeit. Bedauerlich ist's, daß manches deutsche Blatt Pesth's in der Mittheilung ähnlicher Sächelchen einen gar vorzüglichen Eifer bekundet, in Folge dessen ein ferneres Stillschweigen unmöglich wird. Unfern Liberalismus kann Niemand bestreiten und zögerten wir — so. oft hierzu gegründete Ursache vorhanden war — gleichviel, ob der Unfall einen Christen oder einen Juden betroffen, mit unserem Tadel nie; was jedoch die deutschen Blätter vorgeben, so oft die Rede von einem Juden ist, müssen wir als eine Uebertreibung erachten. Mögen sie doch keinen Grund zur Rechffertigung jener Behauptung bieten, wonach manche Juden die Emancipation wirklich nicht verdienen. Die Emancipation hat sie den Bürgern des Vaterlandes zwar gleichgestellt: doch ein Privilegium schuf sie für dieselben nicht. Mögen sie uns nicht zürnen, daß wir aufrichtig sind. Wahrlich, wir haben Ursache zur Indignation, denn der S. a. Ujhelyer Fall hat bereits die Runde in den auswärtigen Blättern gemacht und unsere heimischen und auswärtigen Feinde beuten denselben aus — darauf jedoch, daß sie auch eine Berichtigung mittheilen werden, dürfen wir kaum hoffen." — Und doch haben unsere Neologen auch die Spitze dieser Tendenzlüge gegen die orthodoxe Judenheit gerichtet! Gewiß sehr charakteristisch für die Kampfesweise unserer Gegner! (M. Zs.) Aus Ungar«. Es ist eine anerkannte Thatsache, daß man zur Darlegung der Wahrheit keiner hochtönenden Phrasen, keines bombastischen Wortschwalles bedarf. Die überzeugende Kraft wohnt der Wahrheit selbst inne. Gewöhnlich versteckt sich hinter solch hohlem Wortgeklingel eine gewisse Schwäche der Argumente, die durch Anhäufung von phrasenhaften Redensarten verhüllt werden soll, was denn auch bei