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Der Israelit · 1868-09-30 · Heft 40-41 (30.9.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 40-41 (30.9.1868)
Date
1868-09-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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750 Anders erging es dem andern Boten. Ihm gefiel das Land, in das ihn sein König gesandt hatte, ganz ausnebmend gut. Er vergaß seines Herrn und seiner Heimath und beschloß, in dem fremden Lande sich dauernd niederzulassen; und was ihm sein König verliehen hatte, um sich seinen Unterhalt zu verschaffen und des Königs Aufträge zu vollführen, das verwandte er lediglich zum eigenen stutzen, zur eigenen Lust. So lebte er lange froh und vergnügt; oftmals ließ ihn der König an seine Pflicht erinnern, allein er verhöhnte und verlachte jede Mahnung. Da ereilt ihn eines Tages der Befehl des Königs, der ihn auffordert, heimzukehren und Rechenschaft abzulegen am Throne seines Herrn. Ach, wie gern möchte er da sich dem Befehle entziehen — aber seine Weigerung hilft ihm nicht; wider seinen Willen wird er in die vergessene Heimath geführt, vor den Thron des Königs, der ihn einst entsandte. Und siehe, neben ihm steht der andere Bote, der mit ihm zugleich war fortgeschickt worden. Und der König steigt von seinem Throne und umarmt den treuen Boten und setzt auf sein Haupt eine goldene Krone und belohnt ihn überreichlich, wie nur ein großer König lohnen kann. Beschämt sieht es der ungetreue Bote, und da ihn der König fragt nach dem Erfolge seiner Sendung, da wagt er es nicht, den Blick zu erheben. „Mein König!" ruft er weinend, „ich hatte dein und der Heimath vergessen; ich habe deine Aufträge unerfüllt gelaffen, deine Verbote übertreten, und die Mittel, die du mir verliehen, nur zu meiner eigenen Lust verwendet!" „O, gib mir," fährt er schluchzend fort, „neue Aufträge, damit ich wieder gut mache, was ich verfehlt habe!" „Und habe ich," spricht der König, „dich nicht oft gemahnt, und du hast meine Mahnung verlacht? Rein, die Zeit der Sendung ist vorüber." Und mit strengem Blicke verbannt ihn der König von seinem Antlitze, und ,fortführen ihn des Königs Diener, der verdienten Bestrafung entgegen — Weißt du, Israelssohn, weißt du, Israelstochter, wer der König und wer die Wanderer sind? Der König ist der Könige König, der Heilige, gelobt sei Er; und die Wanderer sind die Menschen, deren Heimath der Himmel ist und die als Fremdlinge in dieser Welt weilen, bis sie zurückkehren in die ewige Heimath, bis sie erscheinen müssen vor des Höchsten Zron. Wohl dem dann, der seines Königs und seiner Heimath nie vergißt, der sich als Wanderer fühlt auf Erden, der nur mäßig genießt die Freuden dieser Welt, seine Wohnung nur als ein Zelt, als eine Hütte betrachtet, die er bald verlassen muß, um vor seinen König zu treten; wohl ihm, wenn er die Erfüllung der Gebote seines Herrn stets als erste Pflicht betrachtet! Wehe aber dem Thoren, der seiner Heimath vergißt, der da vermeint, ewig verbleiben zu können in dieser Welt, der taub ist gegen jede Mahnung, die Gott ihm sendet! Wie wird er erröthen und beschämt werden, wenn er zur Rechenschaft gefordert wird vor den höchsten Richter! Wohlan denn, wenn wir am Hüttenfeste unser Haus verlassen, um in die Gottgebotene Hütte ziehen, so wollen wir bedenken, daß unser Aufenthalt auf Erden nur ein vorübergehender, unsere ewige Heimath aber der Himmel ist; und diesem Gedanken entsprechend, wollen wir leben und wirken — hat uns doch Gott reichlich die Mittel gegeben, sowohl unfern Unterhalt zu erlangen, als auch Seinen heiligen Willen zu vollziehen! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 22. Sept. Während der verflossenen Feiertage hatten wir das Vergnügen, Herrn Joseph Cohn aus L e mb er g, den gelehrten Redacteur des (eingegangenen) Mewasser, der (jüdisch-deutschen) neusten Nachrichten, des Judenfreundes und Herausgeber vieler hebräischer Werke, bei uns zu sehen. Herr Cohn reist nach London, um das von ihm edirte Montefiore- Album dem greisen Philanthropen zu überreichen. Herr C. befindet sich leider in der Lage, die so oft diejenige jüdischer Schriftsteller ist. Möge er überall freundliches Entgegenkommen und liebreiche Förderung finden. Berlin, 15. Sept. Soeben komme ich von der Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge, welche die Herren Commissions - Räthe Lehmann und Hoff, ferner die Herren Banqukers Heymann und Bernhardt, im Sinne des orthodoxen Judenthums erbauen wollen und n"jn auch werden. Die Zahl der Plätze, welche die Synagoge fassen soll, ist auf 3150 proponirt. Die Sache ist für unsere Zeit und speciell für unsre Gemeinde ein apn an-pp; sie liefert den Beweis, daß hier in Berlin Gottlob noch Männer sind, die ein warmes Interesse für das wahre Judenthum haben. Das Grundstück, auf welchem die Synagoge stehen wird, ist durch die Herren C. R. Lehmann und Bernhardt von Ihrer Durchlaucht der Fürstin Radziwil l unter den allergünstrigsten Zahlungsbedingungen gekauft worden; aber die edle Dame hat sich streng Vorbehalten, daß es nur zu dem angegebenen Zweck verwandt werden darf; sonst ist der Vertrag Rull und Nichtig.

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