Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1868)
- Date
- 1868-09-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ligionSlosigkeit, zu welcher der erste Keim in der nichtjüd. Volksschule gelegt wird, die schon frühzeitig in dem zarten Herzen der Jugend allerhand Begriffsverwirrungen wachruft und großzieht. Von diesem Standpunkte aus verdient also das Frey'sche Lehrinstitut besonders warm begrüßt zu werden. Der Unterricht in der Bibel, hebräischen Sprache, in Religion und Moral wird daselbst mit derselben Umsicht, Strenge und Disziplin behandelt, wie der Unterricht in der deutschen Sprache, im Rechenfache oder in den Realwissenschaften und nimmt derselbe, wie ich dem mir vorliegenden Programme entnehme, gegen 12 Stunden wöchentlich in jeder Klasse in Anspruch. Schließlich muß ich noch bemerken, daß im Gedenkbuche des Institutes gewiegte Schulmänner und Autoritäten die anerkennendsten Urtheile über die Einrichtung und Leitung dieser Schule niedergelegt haben; ferner daß dasselbe vom 1. Oktober d. I. angefangen durch einen Kindergarten und eine 3klassige Realschule nebst kommerzieller Abtheilung erweitert wird. Mit weitern Mittheilungen über hiesige Zustände fahre ich auf Ihren Wunsch*) in meinem nächsten Artikel fort. Pxag. Der Prager Private Franz Seraph. Jtzelsky (Vater des in den unteren Volksschichten bekannten Volkssängers), 59 Jahre alt, und seine Gattin Maria Theresi, 57 Jahre alt, haben beim Prager Magistrate ihren Rücktritt zum Judenthume angemeldet , und wird die diesfällige Ceremonie in der Alt-Reu-Synagoge vollzogen werden. Ein Sohn und eine Tochter des Ehepaares, welches vor 30 Jahren vom Judenthume zum Christenthume übergetreten war, behalten den katholischen Glauben bei. England. London. Am 3. Septemer fand zwischen Ester Lyons und ihrem Vater die bereits von uns annoncirle Zusammenkunft statt, welche eine Stunde gedauert hat. Am Ende derselben wurde das Mädchen gefragt, ob es mit seinem Vater oder mit den Leuten, bei denen es sich in der jüngsten Vergangenheit aufgehalten, gehen wolle. Man war üdereingekommen, sich dem Entschluß des Mädchens zu fügen. Das Mädchen entschied, mit den Letzteren zu gehen. Palästina. □ Jerusalem, tut Ellul. Der unermüdliche Forscher Warren ist bei seinen Ausgrabungen nunmehr auch auf die Trümmer der einst mit Thürmen versehenen „Ophel"-Mauer gestoßen. Darauf fußend, stellt er die berechtigte Behauptung aus: daß die Stadt sich über den nun mit Schutt oder mit Gärten bedeckten, gegen den Hiobsbrunnen abfallenden Hügel im Südosten der Stadt ausgedehnt haben müsse. Dagegen bestreitet er die vielfach geäußerte, auch leicht denkbare Annahme, daß Jerusalem sich über den durch die heutigen Mauern abgeschlossenen Raum gegen Nordwest erstreckt habe, da diese erst im sechzehnten Jahrhundert durch Sultan Seliman im I. d. Welt 5297 (1537 der gew. Z.) erbaut wurden. — Feuilleton. Iur Keschichte der Israeliten in Keilöronn. Der israelitische Friedhof in Heilbronn, welcher am 31. v. M. feierlich eingeweiht wurde, ist die erste Eigenthumserwerbung dieser erst seit dem Januar 1862 kreirten israel. Gemeinde, welche bereits über 100 Familien zu ihren Genossen zählt, und in welche seit etlichen Jahren, um ihrer Lage und Größe willen, der Sitz des Bezirksrabbinats, früher in Lehren, vermöge allerhöchster Entschließung verlegt worden ist. Die zweite Erwerbung wird wohl eine Synagoge sein, wozu zur Zeit ein kürzlich neueingerichteter Saal in der Deutschhofkaserne miethweise benützt wird. Es sei uns hiebei ein historischer Rückblick gestattet. Aus den Geschichtswerken von Jäger, Sattler und Ko pp rc. geht hervor, daß die erste geschichtlich verbürgte Nachricht über die Juden in Heilbronn dem Ende des 13. Jahrhunderts angehört, während über die noch ältere Geschichte derselben die Quellen schweigen. UebrigenS war ihre Anzahl anno 1316 schon so bedeutend, daß die von ihnen entrichtete Steuer 6662/3 Pfund Heller betrug. Im Jahre 1348 waren sie eine so zahlreiche Menge, daß sie eine eigene Gasse vom Hafenmarkt bis gegen das Lohthor inne hatten. Die dortige Synagoge wurde damals ein Raub der Flammen; allein im Jahre 1357 hatte die Gemeinde schon wieder eine neue Synagoge erbaut, obgleich die zu jener Zeit vorgekommenen Erpressungen und Beraubungen dem Gedeihen dieser Corporation sehr hinderlich gewesen waren. Im Jahre 1401 wohnten wieder nur 3 Judenfamilien in der Stadt. Auch im Jahre 1417 muß die Anzahl der in Heilbronn wohnenden Israeliten noch eine sehr geringe gewesen sein, da die gesammte an die Herren von Weinsberg von ihnen zu zahlende Steuer damals nur 10 Gulden betrug. *) Wir bitten darum. Red. —