Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1868)
- Date
- 1868-09-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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739 und zwar von mütterlicher Seite mit dem Familiennamen DuscheneS und väterlicherseits mit dem Familiennamen Lämel, beide mit ganz gleichen Ansprüchen zu berücksichtigen. Unter den Nichtverwandten ist jener, welcher einen Verwandten von dieser oder jener Seite bereits geehelicht hat oder zu ehelichen beabsichtigt, anderen Bewerbern vorzuziehen. Endlich ist unter den StistungSbewerbern, welche weder durch Verwandtschaft, noch durch Schwägerschaft eine Bevorzugung anzusprechen haben, denjenigen aus dem Pilsner Kreise oor den aus der Stadt Prag Gebürtigen den Vorzug einzuräumen. Laut dem Wunsche der Stifterin soll der von ihr eingesetzte Verlassenschaftskurator die a. h. Genehmigung erwirken, daß diese Stiftung den Namen „Rudolphinum" führen dürfe. Pesth. Der amtliche „Vudapesti Közlöni" vom 26. August veröffentlicht einen Erlaß des ungarischen Kultus- und Unterrichtsministers, durch welchen der israelitische Kongreß einberufen und das Wahlstatut für die Wahl der Kongreßdeputirten kundgemacht wird. In seiner Einleitung sagt dieser Erlaß: „Nachdem der 17. G. s. A. 1867 die israelitischen Landesbewohner als gleichberechtigt mit den christlichen Einwohnern zur Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte erklärt hat, betrachtete es die Regierung für ihre unumgängliche Aufgabe, den israelitischen Bürgern des Vaterlands Gelegenheit zu geben, daß sie über die autonomen Verhältnisse ihrer eigenen Kirche, über die Organisation ihrer Gemeinden und über eine den Zeitanforderungen entsprechende Organisation des öffentlichen Unterrichtes in ihren konfessionellen Lehranstalten unter sich berathen und solche Anstalten schaffen, die bei voller Wahrung der «Gewissensfreiheit sowohl die Interessen des Staates, wie auch die der israelitischen Staatsbürger sichern. Aus diesem Grunde hat die Regierung die Einberufung eines allgemeinen israelitischen konfessionellen Kongresses für nothwendig erachtet, welchen vorzubereiten eine Konferenz von israelitischen Vertrauensmännern am 26. Februar und den folgenden Tagen zusammenberusen war." Die Deputirtenwahl findet in sämmtlichen Wahlbezirken Ungarns und Siebenbürgens am 3. November d. I. statt. Der Eroffnungstermiu des allgemeinen Kongresses ist auf den 10. Dezember d. I. anberaumt. Wähler sind alle großjährigen, selbstständigen Israeliten männlichen Geschlechts, die in irgend einer Gemeinde des Landes als stcuerzalllende Einwohner zuständig sind und außerdem im gegenwärtigen und vergangenen Jahre ein an den Lasten partizipirendcs Mitglied einer israelitischen Kultusgemeinde waren, darunter auch die besoldeten Beamten einer Kultusgemeinde. Taglöhner sind vom Wahlrechte ausgeschlossen. Die Zahl der Deputirten beträgt 220. Amerika. Rew-Bork. Herr Louis Trazer (Israelit) wurde zum Präsidenten der „police jury“ in Concordia, Lousiana ernannt. Dieses Amt gibt ihm die Controlle über die öffentlichen Schulen, Gebäude und Straßen. Australien Ballarat. Wir lesen in dem uns vorliegendem „Ballarat Star^ vom 15. Juni: „Der von der hiesigen isr. Gemeinde neu engagirte Rabbiner Golvreich hielt vergangenen Freitag Abend seine Antrittsrede in der Synagoge, bei welcher Gelegenheit auch die Synagoge festlich geschmückt worden war. Der Herr Rabbiner wurde vom Vorstande wie überhaupt von der ganzen Gemeinde aus's Freundschaftlichste empfangen." Feuilleton. Kater und Sohn. Siebentes Kapitel. Wornehme ZSekanntschaften. Bei seinen hervorragenden Talenten gelang es Jtzele in kurzer Zeit Lateinisch und Griechisch zu lernen und sich mit den Elementen der Mathematik und der Physik vertraut zu machen; auch das Französische trieb er mit besonderem Eifer, um den in Rußland vielbewunderten Voltaire lesen zu können. In wenigen Jahren hatte er das Gymnasium absolvirt und zog nach der Universität Dorpat, um sich dem Studium der Medizin zu widmen; aber die Medizin hatte wenig Anziehendes für ihn. Während er noch in der Wahl des zu ergreifenden Faches schwankte, machte er eine Bekanntschaft, die für sein Leben entscheidend werden sollte. Mit Jtzele zusammen studirte in Dorpat der junge Freiherr Ulrich von Ulrinski, der Freundschaft mit ihm schloß und ihn einlud, die Ferien auf dem Familiengute in der Nähe von Kowno bei Mutter und Schwester — der Vater war tobt — zuzubringen. Zum ersten Male trat Jtzele, der sich nunmehr Julius nannte, in die höhere Gesellschaft ein. Anfangs benahm er sich ziemlich linkisch; allein sein lebhafter Geist half ihm bald über alle Verlegenheit hinweg. Die Freiftau von Ulrinski war eine einfache, stille Frau, die ganz unter dem Einflüsse ihres Sohnes stand; dieser Sohn war ein Egoist der crassesten Sorte; Alles war bei ihm Berechnung; dabei stritten die unbegrenzteste Ehrsucht und die wildeste Genußsucht um die Herrschaft über ihn. Dem jungen Juden batte er sich genäbert, weil er voraus sah, daü denen bewnnderns-