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Der Israelit · 1868-09-23 · Heft 39 (23.9.1868) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 39 (23.9.1868)
Date
1868-09-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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738 tcn nicht zu erlangen. Was geschah? Herr H. Jolowicz verfaßte ein Gutachten, mittelst dessen er der Frau auf Grund einer bloßen gerichtlichen Erklärung des Ehemannes beliebig sich wieder zu verheirathen erlaubte. Und richtig, eine kurze Zeit darauf fand sich auch ein ehemaliger Schächter, welcher für Geld und gute Worte ihre neue Trauung mit einem Cousin und Landsmann vollzog, so daß das Paar bereits eine Reihe von Jahren hier bei uns in Saus und Braus — freilich kinderlos — ungehindert fortlebt und eine Koscher-Restauration für durchreisende Polen und Russen hält. Ist das nicht eine lustige Geschichte? Nicht viel anders glauben wir, wird der neueste vorliegende Fall enden. Unseren Rabbinen ist nun einmal alle Macht und Autorität genommen; es herrscht, in Preußen meistens, auf dem Gebiete des Judenthumö — völlige Gewerbefreiheit. Die Gemeinden selbst aber haben noch viel weniger Recht, gegen derartiges israelitisches Unwesen zu protestiren, da sie ja längst schon öffentliche Einsegnungen unbeschnittener Kinder gelassen dulden und sie ruhig mitansehen. Wir werden wenigstens das Unsrige thun, die MoskauerFrevelthat, wenn sie sich bewahrheiten sollte, durch die Hartung'sche Zeitung vor dem großen Publikum zu brandmarken. Gott besser's — zum neuen Jahre! M. Almoni. Breslau. Dem soeben erschienenen Jahresbe- _ richte der hebräischen Unterrichts-Anstalt des Dr. P. Neustadt entnehmen wir folgende interessante Facten; Herr vr. N. berichtet: „Die hebräische Knaben-Unterrichts-Anstalt ist auf Grund der höhern Orts erlangten Concession vom 1. Juli 1867 am 1. August des vor. I. mit 23 Schülern unter Gottes Schutz und Beistand eröffnet worden. Schon nach Verlauf von 2 Monaten hatte sich die Zahl der Schüler bis 40 vermehrt, und eö war nöthig geworden, 2 Elasten einzurichten, und noch einen Lehrer anzustellen; welchen ich in der Person des Rabbinats-Candidaten Herrn Gustav K a r p e l e s, Sohn des sehr würdigen Rabbiners Vr. Elias Karpeles zu Loschitz, fand. Aber auch während des Winters vermehrte sich die Schülerzahl, so daß sie zu Ostern die Zahl 54 erreicht hatte, und ich sah mich nunmehr genöthigt, 3 vollständig von einander getrennte Elasten, und in Rücksicht der bereits vorgeschrittenen Schüler in der 2. und 3. Elaste eine Ober- und Unterabtheilung, und eine entsprechende Abtheilung für Anfänger einzurichten, und noch einen 3. Lehrer auszunehmen. Herr Rabbinats-Candidat Michael Weiner, der 6 Jahre zu den Füßen des Preßburger Oberrabbiners S. W. Schreiber saß, und von der dortigen berühmten Talmudschule mit einem „Morenu"-Diplom entlasten wurde, hat seit Ostern diese Stelle a. c. übernommen. Gegenwärtig wird diese Anstalt von 66 Scbülern besucht, und wirken an derselben außer dem Unterzeichneten noch die zwei namhaft gemachten Lehrer. Schon im Laufe des ersten Jahres sahen wir unsere Mühewaltung gekrönt dadurch, daß der größte Theil der Väter der der Anstalt anvertrauten Kinder dieselben allsabbatlich in dem in der verflossenen Woche Gelernten prüften, und mir ihre vollkommene Zufriedenheit zu erkennen gaben, und daß ein großer Theil unserer kleinen Kinder an dem verflossenen Wochenfesre wie an sonstigen großen Sabbaten in dem größten Theil der hiesigen frommen Synagogen mit dem Vortrage der Haftara beehrt wurden, die sie dann nach den Aecenten vortrugen, und daß auch mehrere der erwachsenen Schüler zu verschiedenen gottesdienstlichen Functionen aufgefordert wurden, die sie dann würdig und zur Freude aller Anwesenden vollzogen. Unterdrücken kann ich hier die Erwähnung der zweifachen Wohlthat nicht, die ich gleich mit der Eröffnung der Schule eingeführt habe, a) da ein zehntes Kind immer unentgeltlich und d) sechs von Unbemittelten nur die Hälfte des Schulgeldes zahlen. Von diesen Wohlrhaten machen gegenwärtig 14 Kinder Gebrauch, von denen 6 ganz frei, und die übrigen 8 für die Hälfte des Schulgeldes Unterricht in der Anstalt genießen. So ist denn unter großer Mühe und Anstrengung eine Anstalt in's Leben gerufen worden, deren Segnungen jetzt schon sichtbar sind, und deren heilbringende Folgen noch die späteste Zukunft preisen wird." Oesterreichischcr Kaiserstaal. Wien. Die in Wien am 25. Juli d. I. gestorbene Frau Elise Herz, geborne Edle v. Lämel, hat in ihren letztwilligen Anordnungen unter Anderem den Betrag von 40,000 fl. im baaren Gelde zu einer Stiftung bestimmt, welche die Unterstützung von unbescholtenen Gewerbsleuten bei dem Antritte eines selbstständigen ordnungsmäßig erlernten Gewerbes zum Zwecke hat. Dieses Kapital soll auf eine Realität zum üblichen Zinsfuß angelegt und hypothekarisch sicher gestellt werden. Die betreffenden Urkunden haben bet der Gemeindevertretung der Stadt Pilsen in Aufbewahrung zu bleiben, welcher auch die Verwaltung dieses Stiftungsvermögens zusteht. Die Stadtgemeinde hat die jährlichen Interessen in vier gleichen Theilen an die Stiftlinge zu verabfolgen. Zu diesem Stiftnngsgenuß sind berufen „unbescholtene Gewerbsleute, welch immer einer Konfession aus dem Pilsner Kreise oder aus der Stadt Prag, welche ihr Gewerbe ordnungsmäßig erlernt haben, eine angemessene Verwendung als Gehilfen außweisen und den selbstständigen Betrieb ihres Gewerbes anzutreten beabsichtigen." In erster Linie sind die Verwandten der Verstorbenen,

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