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Der Israelit · 1868-09-23 · Heft 39 (23.9.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 39 (23.9.1868)
Date
1868-09-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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737 Herr Rabbiner Adler seine Antrittsrede abhalten, wozu fämmtliche Vorstände des Bezirks geladen sind. Möge es unserem nunmehrigen Herrn Rabbiner vergönnt sein, recht viel Gutes zu wirken; möge er insbesondere unfern Religionsschulen die größte Aufmerksamkeit zuwenden. 8. Königsberg, 6. Sept.. Ihre Zeitung brachte von hier eine irrige Nachricht über die bei einem Turniere stattgefundene tödtliche Verwundung des Landwehrlieutenants G. Simon. Abgesehen von der ganz falschen Darstellung des Ereignisses und besonders davon, daß der junge "Mann wieder hergestellt, gehörte die Sache überhaupt nicht in Ihr geschätztes Blatt, weil dieser Sohn des verstorbenen Stadtraths S. Simon — längst getauft ist. — Dagegen gehörte recht eigentlich hierher der in einer 'spatern Nummer einem „ostpreußischen Blatte" entlehnte traurige Bericht über die Mißhandlung der armen jüdischen Bevölkerung in Petersburg, die der furchtbare Hunger aus dem Westen des Landes nach der kaiserlichen Hauptstadt getrieben und die man schaarenweise, weil nur mit gewöhnlichen Pässen versehen, an Händen und Füßen gekettet, in Gesellschaft von Räubern und Mördern öffentlich durch die Straßen schleppt, um sie dann auf den Schub — russischen Etap — zu setzen. Das ostpreußische Blatt, worin diese Schilderung zuerst stand, war unsere Königsberger liberale ..Hartung'sche Zeitung" und der Verfasser derselben Schreiber dieses, an den als Autor des „Christenspiegels" (cns^n -ai) angesehene Männer in Petersburg sich in einem schön stylisirten hebräischen Briese schmerzersüllt gewandt hatten. Die tiefempfundenen Worte fanden in meinem Herzen ein um so volltönenderes Echo, als das Unglück einer mir sehr nahe wehenden Familie so wie mein eigenes Mißgeschick gerade von dort herrührt, und ich gab dem Inhalt insofern Ausdruck, als er für allgemeine politische Zeitungen sich eignete. Hier nehmen wir keinen Anstand, ihn ein wenig zu ergänzen. Die von uns erwähnte Gleichgiltigkeit und Hartherzigkeit der moskovitischen Reichen und Gelehrten bezog sich in dem an uns gegerichteten Schreiben aus die — russischen Juden, deren Vornehme sich der Armen schämen und deren Weise ite verachten: (nrpriN ~'i!2 ‘tyu1 •Kjir -&:\s‘2 -im -vy unia \v\jb” 3n!? Inn? rnipy D':: '2 dx: i:nx) Was unfern Rothwand betrisst, so wird er leider für einen Theil unterer Provinz und namentlich für ganz Westrußland auch im kommenden Jahre fortdauern. Im Gumbinner Regierungsbezirk ist kaum eine Mittelernte erreicht worden, während in Rußland und Polen d'e Saaten völlig mißrathen sind. WaS voriges Jahr die große Nässe, hat in diesem die enorme Hitze verdorben. Saaten und Menschen erkrankten bei der ungeheuren Sonnengluth. — Wir selbst hatten das Unglück, einen zum Besuche bei uns diesen Sommer eingetroffenen Neffen, einen sonst gesunden jungen Mann von etwa 20 Jahren, der plötzlich in Tobsucht gerieth, nach dem Irrenhause bringen zu müssen — wem. Es bietet sich demnach für die israelitische Wohlthätigkeit zur Unterstützung der Nothleidenden in den jenseitigen Ortschaften wiederum ein weites Feld dar. Aber auch der hilfsbedürftigen Ostpreußen darf nicht ganz vergessen werden. Wir kennen ganz in der Nähe mehr als 30 arme honette Familien, die seit einem Jahre an den Bettelstab gekommen sind, und welche bei der Zersplitterung des Comitoö von Niemandem einen Pfennig erhalten haben. Die ostpreußische Iudenschaft als solche ermangelte speciell für ihre Armen eines einheitlichen Comite's; denn das vorhandene Schippenbeiler war leider mit unserm, Alles nivellirenden Gemeindevorstande in Conflict gerathen. Dieser Verein hat übrigens seine eigentliche Wirksamkeit bereits eingestellt und geht nunmehr bekanntlich mit dem Plane um, aus den erübrigten Tausenden von Thalern *) ein jüdisches Waisenhaus zu gründen. Sehr schön! sagte Königsberg, aber was hat dies mit dem ostpreußischen Nothstande zu thun? und war auch bei der zu jenem Zwecke in Schippenbeil veranstalteten Delegirten-Versammlung officiell nicht vertreten. Indes; werden die Edlen in Israel, welche auch diese Provinz wieder mit ihren Gaben bedenken wollen, die Männer ihres Vertrauens schon selbst herausstnden. — Der dem „Maggid" mitgetheilte, uns gänzlich unbekannte Fall aus Königsberg von einer hier zu vollziehenden blutschänderischen Ehe (rniva nny «r.’HwX-j verdient jedenfalls die größte Beachtung. Ein gewisser M. Levy ans Moskau soll nämlich hierhergekommen sein, um sich mit seiner Schwägerin, der Frau seines verstorbenen Bruders, von dem sie Kinder hat, vom Ex-Rabbi G. Jolowitz trauen zu lassen, und er wird von Rußland ans in dem genannten Blatte vor diesem unerhörten Frevel gewarnt. Wird aber, fragen wir, diese Warnung was helfen? Wir zweiflen zwar nicht an dem guten Willen unseres Ortsgeistlichen Dr. I. Bamberger, der sich alle Mühe geben soll, die Schandthat zu hintertrciben. Aber wird er mehr ansrichtcn als einst der selige I. Meckenburg in einem ähnlichen Falle, wo Jemand sogar eine nicht rituell geschiedene Frau hier ehelichte? Es war dies vor länger als einem Decenninm, da kam eine Frau ans Wilna, deren Mann in Turin zum Katholicismus übergetreten war, nach unserer Stadt Königsberg, um von hier aus die Scheidung zu bewirken. Vergebens bemühten wir uns darum — Schreiber dieses führte damals die Cerrespondenz mit dem ehrwürdigen italienischen Chef-Rabbi Lelio Cantoni — der verlangte Scheidebrief 2.') war von dem jungen Prosely- *) Anm. öcr Dieb.: Das mochten wir Doch bezweifeln; soviel uns bekannt geworden, wollen die ostpreußischen Gemeinden aus eigenen Mitteln ein Waisenhaus gründen.

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