Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1868)
- Date
- 1868-09-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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"1 7 gestrengten Ringen mit der als Gegner ihr gegenübertretenden Welt, kein Tag, der ihr Licht, Frieden und Segen bringt. Ein Haus, in welchem der Sabbat ein Fremdling ist, ermangelt der schönsten Zierde, welche daS Heimathöhaus zum Paradiese machte auch für den ärmsten Bekenner des Iudenthums. Eine Familie, die den Sabbat nicht kennt, ist wie eine Wüste ohne Oase, gleicht einem Meere sturmbewegter Wogen: ohne Hafen, ohne Schutz. O ihr, in deren Erinnerung noch nicht erloschen ist der „Freitagj abend" der ölten, europäischen Heimath, beschwöret vor euer Geistesauge jenes kleine Gemach mit der siebenarmigen Lampe, an welcher die Mutter mit verklärtem Angesichte die „Lichte gezündet" zu Ehren des Sabbat, nachdem sie mit makellosem Linnen die Tafel festlich zugerichtet; beschwöret herauf das Bild des Vaters, wie er heimkebrt von der Synagoge, seine Augen leuchtend von innerer Befriedigung, sein Antlitz der Ausdruck des Friedens und des Glückes: nicht eine Falte auf seiner Stirn andeutend, daß Sorge je dabinter genistet, wie er seine Haud segnend auf seines Kindes Haupt legt und dann Gesänge anstimmt des Willkommens für den regelmäßig wiederkebrenden, immer auf's Neue gern gesehenen Gast, für die so innig geliebte Braut: den Sabbat! Hat jemals wieder so maßlose Seligkeit in eure Seele Eingang gefunden, seitdem ihr das Alles hingabt für einen Klumpen Gold? Werden eure Kinder jemals sich so glücklich fühlen, wie ihr an jenen Sabbatvorabenden es wäret; wird euer Weib jemals die Seligkeit empfinden, wie sie eure Mutter empfand, wenn sie ihren Gatten so freudig, so glücklich sah? O! eure Eltern hatten nicht so viel Geld, wie ihr besitzt; sie hatten keinen solchen Antheil an weltlichen Errungenschaften; aber ne waren glücklicher, weit, weit glücklicher als ihr — durch den Sabbat! Können eure Kinder jemals ein solches Ehrfurchtsgefühl für euch haben, wie ihr für eure Eltern hegtet? Niemals, wenn ihr dem Sabbat nicht gerecht werdet; wenn euch der Sabbat nicht unterstützt! Nicht ohne Grund wird allgemein die Klage gehört, daß die Kinder jetzr, wenn erwachsen. sich gar zu unabhängig fühlen. Fürwalr, Brüder! ihr wißt nicht, was ihr thut; ihr wißt nicht, welchen Schatz ihr preisgebet. Indem \ ihr den Sabbat dem Mammon opfert, bringet ihr } euch um die höchste, dem Juden in seinem Erdenwallen ° erreichbare Glückseligkeit. I Unsere begeisterten Propheten: Iesajah, Ierc- | iniah, Hesekiel, Nehemias n. A. ermahnten Israel in f ihren feurigsten Reden, den Sabbat zu beobachten, weil sie einsahen, daß dessen Entweihung j zuzulassen gleichbedeutend sei dem Oeffnen einer Hauptarterie an unserem rcligions-genosfenschaftlichen Körper - nnb so sehr des Letzteren Bestand gefährdend, wie die i! Nichtachtung keines anderen Gebotes es hätte thun können. ' Nie zuvor hat unserer Religion so große Gefahr gedroht, wie jetzt, da das Band, welches unsere Väter unter allen von außen her auf sie einstürmenden Unwettern zusammenhielt, gelockert ist und gänzlich uns entfallen zu müssen scheint; da der Tag, der uns in Freud' und in Leid im Gotteshause zusammen führen sollte zu gemeinschaftlicher Anbetung des Einigeinzigen und zur Unterweisung in den Lehren unserer Religion, — da der Sabbat, welcher das unterscheidende Merkmal des Iudenthums ist, wie jeder andere Wochentag verlebt wird. Was frommt es uns, daß wir zahlreiche Gemeinden bilden? Was nützen uns prunkende Tempel, was vortreffliche Chöre, was beredte Prediger, wenn wir am Sabbat lieber im Geschäft einen neuen Kunden erhaschen oder einen alten cultiviren, als im Gotteshause eine neue Idee erfassen oder für eine alte auf's Neue uns erwärmen? Können wir und für die Anforderungen des Iudenthums an uns, seine Bekenner, durch bloße Geldspenden abfindeu? Oder sollten etwa jene Prachttempel und P r u n k a u s ft a t t u n g e u nur glänzende Särge sein für unsere Religion, welche wir als veraltet, überlebt und bedeutungslos wenigstens anständig bestattet wissen wollen? Sollten jene stattlichen Synagogen nur Monumente sein, der Nachwelt zu sagen, daß eS eine Zeit gab, da Juden vieles Geld spendeten für kostbare und herrliche Baudenkmale und einen Stolz darin suchten, sich in dieser Beziehung nicht von anderen Religivnsgenos senschaften übertreffen zu lassen? Brüder! Soll die Fackel der Aufklärung, welche allen Nationen zuzuführen, unsere Väter als ihre Mission erkannten und die sie deßhalb sorgfältigst vor Allem in ihren Betstuben und ärmlichen Synagogen nährten und pflegten, jetzt in unseren goldstrotzenden Tempeln erlöschen? Was wollt ihr: das Indenthum und seine Lehren erhalten und verbreiten — oder: mit fashionablen Kirchen rivalisiren!? Israeliten? Beantwortet euch diese Fragen gewissenhast! Erwäget wohl, überleget reiflich! und ibr werret zurückkehren zu eurer Mutterreligion, werdet die unausbleiblichen Folgen des Berharrens in eurer Sorglosigkeit nicht auf euch nehmen, sondern uns helfen: dem Sabbat seine Würde, seine Heiligung wieder zu erobern und dadurch jede jü dische Heimath wieder zu einem Paradiese, jeden jüdischen Heerd zu einem vpv zu machen. Schließlich wollen wir einmal die practische Seile, die Ausführbarkeit dieses bedeutungsvollen Unternehmens, in's Auge fassen und sehen, ob denn wirklich daS Opfer, welches wir dafür zu bringen haben, so gar groß ist, daß es uns zu schwer werden könnte, oder ob nicht vielmehr, was wir hinzugeben haben, sebr, sehr wenig ist im Vergleiche mit dem unendlichen Segen , den wir für uns seltztt und untere Angehörigen herbeiführen. Der Sonnabend ii't im Allgemeinen, besonders