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Der Israelit · 1868-09-16 · Heft 38 (16.9.1868) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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725 er einen braven Onkel, Bruder seines unglücklichen Vaters, der in Prag wohnte und ihn, als er zehn Jahre alt war, zu sich kommen ließ. Die Mutter brachte das Kind zu Fuß nach Fürth, und von da aus wurde es auf einem Wagen bis nach der Hauptstadt Böhmens angedungen. R. Lipmann Weil, so hieß der Prager Onkel, empfing den Knaben mit vieler Güte und erzog ihn wie ein Vater seinen Sohn. Da der junge Nathanael viele Anlage zum Studium zeigte, so ließ ihn der würdige Lipmann in der heiligen Schrift und im Talmud unterrichten. Seine Fortschritte waren außerordentlich und bald wurde er in die Hochschule des R. Abraham Broda ausgenommen. Er wurde bald einer der vorzüglichen Schüler und Liebling seines Lehrers, der seinen Scharfsinn und seinen Fleiß bewunderte. Der ehrwürdige Schulrector suchte ihn für immer durch die Heirath mit der Tochter seiner Schwester an sich zu fesseln. Vögela, so war der Name seiner Nichte, war eine schöne Jungfrau, und Nathanel lebte mit ihr mehr als 60 Jahre in glücklicher Ehe. Die Großmuth R. Abraham Broda's für das junge Ehepaar war so außerordentlich, daß sie in seinem Hause wohnen, an seinem Tische essen mußten, und er alle ihre Bedürfnisse über sich nahm. Ja, als er 1709 nach Metz als Oberrabbiner berufen wurde, gingen sie mit ihm nach Frankreich und lebten bei ihm in Metz, wie sie bei ihm in Prag gelebt hatten. Erst ihm Jahre 1713 ließ er sie von sich scheiden, als R. Nathanael die Stelle eines Dajan am Rabbinate von Prag erhielt. Aber schon das Jahr darauf, 1714, als eine heftige Seuche in Prag ausbrach, und in kurzer Zeit mehr als 4000 Menschen starben, war der gute Abraham Broda so sehr um diese seine Verwandten bekümmert, daß sie wieder zu ihm kommen mußten nach Frankfurt a. M., wohin er als Oberrabbiner berufen worden. Sie folgten seinem Verlangen, kamen nach der Mainsiadt und blieben bei ihm, bis er im Jahre 1717 starb. Nach dem Tode des edlen Rabbiners kehrten sie wieder nach Prag zurück, wo N. Weil bald Appellant am jüdischen Gericht wurde. Er stand diesem Amte 28 Jahre vor, bis 1745 die Juden aus Prag und ganz Böhmen gewiesen wurden. Hochgeachtet und geliebt von der ganzen Gemeinde hatte er die Hofsnung einst als Oberrabbiner von Prag zu sterben; aber Gott hatte es anders bestimmt. In der traurigen Lage des Exils wendete er seine Blicke nach seinem Vaterland Schwaben, wo er im Frühling mit seiner Familie ankam. Sein Ruhm war ihm vorangegangen und er wurde sogleich zum Oberrabbiner der Landschaft Schwarzwald berufen. Seinen Wohnsitz nahm er in Mühringen, von woher er viele seiner Schriften zeichnete. Vom Schwarzwalde folgte er, Ende 1750, einem Rufe als Oberrabbiner von Baden - Durlach, nach Carlsruhe, wo er fast 20 Jahre hindurch segensreich wirkte. Er starb hochbejahrt, in Rastatt den 1. Jjar 5529, d. i. der 7. Mai 1769, von wo er unter lebhafter Theilnahme und militärischer Escorte in Carlsruhe bestattet wurde. Eine Beilage zur Carlsruher Zeitung vom Jahre 1769, enthält die Beschreibung dieses merkwürdigen Begräbnisses, die wir hier vollständig wieder geben, weil sie unsere biographische Notiz gehörig ergänzt: „Nesanel Weil, Oberrabbiner der sämmtlichen Judenschaft sowohl der Hochfürstlichen Baden-Durlachischen, als der Baden-Badischen Landen, welcher hier (in Carlsruhe) eigentlich seßhaft war, sich aber in Geschäften nach Rastatt begeben hatte, starb daselbst den 7. Mai nach einer kurzen Krankheit im 84. Jahre seines Alters, nachdem er seinen Vorgesetzten beiden Judengemeinden mit voller Munterkeit, Treue und Eifer bis an seinen Tod, 20 Jahre vorgestanden, und sich derselben vollkommene Liebe und Achtung erworben hatte. Beide Judenschaften machten auf dessen Körper Anspruch; und die Judenschaft der Hochfürstlichen Baden-Badischen Lande wollte denselben bei sich beerdigt wissen, und die hiesige verlangte dessen Auslieferung, um ihn hier bei sich zu beerdigen." „Nach einem anderthalbtägigen Streit erhielt die die hiesige Judenschaft aber den Sieg und den Körper zu ihrem unbeschreiblichen Vergnügen, denn des Herrn Markgrafen von Baden-Baden Hochfürstliche Durchlaucht hatte die höchste Gnade, der hiesigen Judenschafr solchen auf ihre unterthänigste Bitte nicht allein zuzugestehen, sondern auch zur sicheren Fortbringung desselben ein Commando Husaren zu bewilligen, welches diese höchste Gnade, die der Hof- Factor beider Hochfürstlicher Häuser und Oberschultz der hiesigen Judenschaft, Salomon Mayer, auswirkte, desto schätzbarer machte. Den ihnen zugestandenen Körper ces Oberrabbiners übernahm also die sich expreß dieserwegen nach Rastatt begebene hiesige Judenschaft, nachdem die Rastatter Judenschaft ihn, mit denen bei ihnen gewöhnlichen Ceremonien, unter Zulauf einer unbeschreiblichen Menge Volks, durch Rastatt und ein Stück Wegs hinausgetragen hatte, und trug ihn auf ihren Schultern zu Fuß aus freiem Willen, und blos aus Liebe, ohne auszuruhen, oder ohne ihn jemals auf die Erde zu setzen, unter der Begleitung des ihnen zugestandenen Husaren-Commando, vieler von den Badischen Juden und einer großen Menge Volkes, binnen viertehalb Stunden, die 5 Stunden des Weges hieher." „Die Jugend, die alte Juden und die Weiber der hiesigen Judenschaft gingen demselben auf eine Stunde Wegs entgegen, begleiteten ihn in sein Haus, von da er dann, nach der an ihm vollbrachten jüdischen Reinigung, unterBedeckung eines Commando Infanterie, welches des hiesigen Herrn Markgrafen Hochfürstlichen

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