Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1868)
- Date
- 1868-09-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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723 satz hoffen zu lassen. prorwo pasn by r}*3"st"j"n. — Holland. Amsterdam Herr I. Wertheim dahier wurde zum Major der Büraergarde ernannt. (N. Weekbl.) Frankreich. d)ariS. Die Buchhandlung Didier und Cie. hat soeben die „Religiösen Betrachtungen" von Herrn Levy-Bing, Mitglied des israelitischen Conststoriums in Paris, veröffentlicht. Dieses Buch, geschrieben mit einer tiefen Ueberzeugung und einer aufrichtigen Liebe für das Gute, schöpft aus den Quellen der alten biblischen Traditionen die Grundsätze selbst, auf denen die Religionen und die Gesellschaften beruhen. Er beleuchtet mit dem Lichte der heiligen Schrift jene dunkeln, erhabenen Fragen über Vorsehung und Freiheit, über die Existenz des Guten und des Bösen, und versucht eö, sie in einem religiösen und zugleich liberalen Sinne zu erörtern. (Un. Zör.) Paris. Ein rührender Vorfall fand bei der Preisverrheilung in der isr. Communalschule äes Llavcs - Nanteaux statt. Als der erste Preis ausgetheilt worden war, fügte der Director der Schule hinzu: „Der zweite Preis wird dieseömal nicht ausgetheilt; der junge ÄIorKauAs, welcher bei dem Brande in der Straße Samt-Antoine *) so unglücklich umgekommen ist, hätte ihn verdient. Der Preis mit dem Namen des Kindes wird in der Bibliothek der Schule aujbewahrt werden." Diese Worte haben das daselbst zahlreich versammelte Auditorium tief ergriffen. (Univ. Isr.) Strasburg Einer der ältesten iör. Lehrer im Elsaß, schon seit lange bekannt durch die Herausgabe verschiedener nützlicher Werke, Herr Halle! in Bergheim hat vom CultnsmiNister eine Ehrenmedaiüe erhalten. (Univ. Iör.) Colrtmr Herr Bloch, Lehrer zu Colmar, wurde zum Öfficier der Akademie ernannt. (Univ. Isr.) Rußland. Petersburg. Dem in Posen erscheinenden „Dziennik Poznanski" wird von hier geschrieben: Ich kann diesen Brief nicht schließen, ohne von der Aufregung, die unter den hiesigen Israeliten geherrscht, mitzutheilen. Dem Herrn vr. Ginsberg war ein Sohn geboren worden. Da das Knäblein g efährlich krank war, wie dies ein beigebrachtes ärztliches Zeugniß bestätigte, ging dessen Vater zu Herrn Rabbiner vr. Neumann, um ihn zu ersuchen, dieBeschneidung seines *) Siehe Nr. 35. Sohnes bis zu dessen Genesung zu verschieben und seinen Namen einstweilen ins Geburtsregister einzutragen. Selbstverständlich willigte Herr Dr. Neumann ein. Daraufhin schrieb einer der eifrigsten russischen Geistlichen in der Zeitung „Moskwa" folgendermaßen: Eine wichtige Reform, die von Herrn Rabbiner vr. Neumann selbst auSgeht, wird gegenwärtig bei den ISraeliten eingeführt und der erste Akt dieser Reforät ist die Abschaffung der Beschneidung. Sie könnm sich denken, welche Aufregung eine solche Neuigkeit unter den Juden hervorrief. Der Rabbiner erhielt Tausende von Briefen und ein Dutzend Deputationen aus den verschiedenen Provinzen geschickt. Der Rabbiner theilte nun in derselben Zeitung den richtigen Sachverhalt mit, worauf sich die Gemüther wieder beruhigten. Petersburg. Man liest in der Beilage Nr. 155 des „Dziennik Lwowski" (Journal zu Lemberg): „Herr Wohl, Professor an der israelitischen Schule zu Wilna, welche zu dem Zwecke gegründet wurde, die polnischen I rden zu russisiciren, hat die israelitischen Gebete in's Russische übersetzt. Der Verordnung gemäß legte er dieses Buch der Censur vor, welche es, als ein die Religion betreffendes Werk, an das Comite der orthodoxen kirchlichen Censur beförderte. Daö gelehrte Comite, welches eö für unpassend hielt, die Irrthümer des Moscnsmus zu dulden, und fest davon überzeugt ist, daß die Juden in der- Erwartung des Messiaö in einem Irrthum befangen sind, hat Sorge getragen, in besagtem Gebeibuche alle Stellen zu streichen, welche sich auf jenen Hauptpunkt der israelitischen Religion beziehen." Was sell man zu dieser neuen entsetzlichen Intoleranz sagen, welche sich nicht mehr an Civil- und politischen Rechten vergreist, sondern öffentlich die heiligsten Gefühle des Gewissens verletzt, und mit bewaffneter Hand in die Seele deö Gläubigen eindrinat, um hier ein schändliches Werk der Entweihung und Zerstörung zu begehen?*) Allerdings findet die kirchliche Censur in Rußland in dieser Hinsicht Beispiele und Grmuthrgung in vielen Reformsynagogen. Deutschlands. (Un. Isr.) Petersburg. Fortwährend hört man von Verfolgungen, die gegen die Juden in Polen und Rußland zur Ausführung kommen. Die russische Presse trägt nicht wenig dazu bei. So drückt sich die in Petersburg erscheinende Zeitung „^Vieäornosti", welche noch eine der gemäßigsten sein soll, folgendermaßen über die Juden aus: — „ Wir können und muffen die Juden hassen und verachten. Wir müssen die Welt von dieser Brut befreien; aber .oie?" Als die traurige Nachricht bekannt wurde, daß viele Juden in Wilna in solche Armuth versunken *1 Anm. der Red.: Wir Hallen diese ganze Mittheilung für unbegründet.