Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1868)
- Date
- 1868-09-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447380--06494-2462052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
722 schnür für das häusliche Leben, und brauchen wir für unfern Theil die Ablehnung des Kahn'fchen Antrags n"3 nicht zu bedauern. Und nur, weil solcher Geist die Gemeinde beseelt, konnte sie in dem Bewußtsein, eine niäD bw nnot? zu begehen, am Freitag Nqchmittag l4/a Uhr, in feierlichem Zuge, dem sich außer vielen auswärtigen Glaubensgenossen die Spitzen der städtischen Behörden angeschlossen hatten, in wirklich gehobener Stimmung die minn nsD unter den Klängen der Musik aus dem interimistischen Betsaale in die prachtvoll decorirte Synagoge geleiten. Nach der üblichen Einzugsfeier erfolgte die Festrede über Iesajah K. 54. V. 11—13, welche sich über die gegenwärtige sociale und religiöse Stellung Israels verbreitete, und beschloß ein herrlicher ,"i2^(Nr.s4 der Gottesdienst-Gesänge des Herrn I. M. Japhet) die zweistündige Feier dieses Nachmitags. rot? nach Beendigung der minn nxnp hielt der würdige Vorsteher, Herr B. Jonas, dem Gott das seltene Glück beschicken, von der Gründung der Synagoge bis heute, mit nur kurzer Unterbrechung das Vorsteheramt zum Heil und Segen der Gemeinde verwaltet haben zu können, eine warme Ansprache, worin er besonders zum täglichen zweimaligen Besuche des Gotteshauses ermahnte. Möge der 78jährige Greis noch lange, rüstig an Körper- und Geisteskraft seinem heiligen Amte vorstehen können. rot? und Sonntag vereinigten verschiedene Fesilichkcucn die Festgenossen zu frohem Beisammensein, und das Bewußtsein, keine Veranlassung zu rot? gegeben noch gefunden zu haben (wie es bei derartigen Festen leider nur zu oft geschieht), trug nicht wenig zur wahren Erheiterung der Gemüther bei. Der Bau einer Gemeinde-rvpv und eines n-on- SaaleS wird ti"'n bald in Angriff genomnien werden, und dann unsere kleine, aber opferwillige Gemeinde neben Schule und Synagoge alle Institutionen besitzen, die dem wahren Indenthum unerläßliches Bedürfniß find. C... n. Oesterreichischer Kaiser st nat, Prag, im September. Die Seminarfrage ist vor einem Monate wieder stark in Fluß gekommen. Professor vr. Wefseli gibt sich alle Mühe, daß dieses Institut, welches, wenn die gehörigen Kräfte verwendet werden sollten, wirklich wohlthätig auf die religiösen Zustände wirken könnte, recht bald ins Leben trete. Seine Bestrebungen gehen besonders dahin, zwischen der böhmischen Landesjudenschaft-Repräsentanz einerseits und der Prager Iudengemeinde anderseits eine Fusion zu Stande zu bringen, damit beide Theile gemeinschaftlich die Errichtung des Seminars veranlassen möchten. Diese Fusion hat gegenwärtig schon ziemliche Chancen, was früher nicht der Fall war, so lange die sogenannten Steuerpächter das große Wort führten. — Dr. Kämpf ist gegenwärtig als außerordentlicher Professor mit einem Gehalt von 800 st. an gestellt. — Der nun vollendete Tempel ist ganz unansehnlich ausgefallen und macht gar keinen vortheilhaften Eindruck; eine officielle Einweihung wird kaum ftattstnden, da der Vorstand über den verunglückten Bau sehr mißgestimmt ist. — Der Prediger in der Neusynagoge, Herr vr. Sonnenschein, hat von einer Gemeinde in New-Aork einen Ruf erhalten, dem er auch gefolgt ist. Aus Prag erhalten wir die erschütternde Nachricht, daß der verehrte Lehrer des Herausgebers dieser Blätter, daß Herr Stiftörabbiner Simon Lasch ganz Israel als Trauernde und Klagende zurückzelassen hat; in ihm ist ein wahrhaft frommer, ein echter Talmid Chacham dahingegangen. Rabbi Simon Lasch war im Jahr 1796 in Prag geboren, wo er ein Schüler der großen Talmudisten Rabbi Bezalel Randsburg, Rabbi Jakob Günzburg *) und Rabbi Mvir Glogau wurde; im Jahre 1826 wurde er Stiftsrabbiner an der Israel Simon Fränkel'schen Stiftung, welche Stelle vor ihm Rabbi Jonathan Eibeschütz und Rabbi Elasar Weckeles inne gehabt hatten. Dauernden Ruhm erwarb sich der Dahingeschiedene durch seinen großen sechsbändigen Commentar auf die ru»D mo nwv, den er „Schesch Hamaarechet" nannte. Stets war er bemüht, Thorakenntniß zu verbreiten; auch der Herausgeber dieser Blätter gehörte, wie bereits erwähnt, zu seinen Schülern; er lernte und lehrte klar und scharf, und seinen Schülern ward stets Gelegenheit geboten, seinen Geistesreichthum und seine große Gelehrsamkeit zu bewundern. Es ist aber nicht nur das Gefühl der Trauer, es ist bittere Wehmuth, die uns beschleicht, da wir den Tod des Edlen beklagen. Dieser wahrhaft große Talmudist hatte stets unter Verkennung und Zurücksetzung zu leiden; seine große Gelehrsamkeit war wohl anerkannt — sie wurde aber nicht genug gewürdigt; Rabbi Simon Lasch hatte wahrend seiner Jugendzeit und während seines Mannesalters stets mit drückenden Nahrungssorgen zu kämpfen. Erst das Greisenalter gestaltete sich ihm durch die Fürsorge seiner Familie freundlicher. Mit R. Simon y": ist ein Stück des alten Prager Ruhms ins Grab getragen; viele große Talmudisten sind leider in jüngster Zeit aus Prag zur ewigen Ruhe getragen, und die Erscheinungen der Gegenwart sind nicht dazu angethan, für die Zukunft Er *) Rabbi Jakob Günzburg b“i"\ war der pwn) '21 des berühmten mährischen Landrabbinen R. Nachum Trebitsch -"Li. auch mein Vater war ein Schüler R. Jakob's. — vr. L.