Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1868)
- Date
- 1868-09-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ix. Jahrgang. Beilage zu Nr. 38 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 10. Sept. In Folge ministerieller Verfügung ist es dem Rabb. der isr. Religionsgesellschaft, Herrn vr. Lehmann, gestattet worden, Trauungen und andere religiöse Acte auch bei solchen Personen vorzunehmen, die nicht der hiesigen isr. Religionsgesellschaft angehören. Berlin, am 16. Ellul. Der Herr Correspondent in Nr. 29 dieses geschätzten Blattes hat mit seinem Bericht über den Schochere-hatob-Verein und dessen Prediger Dr. Nascher sich das Verdienst erworben , den Humbug auf dem Boden des Berliner Judenthums einigermaßen zu kennzeichnen. Der Artikel, der in jeder Zeile die reine Wahrheit athmet, ist ganz geeignet, den Nimbus zu nehmen, mit dem sich nicht selten die Heuchelei so gerne umgibt. Je mehr es Ihrem Correspondenten am Herzen lag, der Wahrheit die Ehre zu geben und die Falschheit, die Lüge an den Pranger zu stellen, destomehr hat dieser Artikel Eindruck hier gemacht auf alle Diejenigen, die noch sehen wollen und können, wie in der That die betreffende Nummer von Einem zum Anderen wanderle. Zur weiteren Ergänzung läßt Ihr heutiger Correspondent zwei Beiträge folgen, die werth sind, in Ihrem Blatte referirt zu werden. Wie in der neuen Synagoge, so hat man auch in der Synagoge des Schochere-hatob-Vereins am letzten Purim, der dieses Mal mit dem Sabbat-Ausgang eintrat, bei dem ersten Vorlescn der Megilla die Büchse der rvsno dpL'.-i Gelder circuliren lassen. Der Vorstand setzte also voraus, daß die Besucher der Synagoge am Sabbath Geld mit sich führen, eine Voraussetzung, die sich zum größten Theile alö richtig erwies. Das Verfahren des Vorstandes bedarf wohl keines weiteren CommentarS. Ferner: Vor einigen Tagen las man in der Vossischen Zeitung eine Mittheilung, nach welcher der Vorstand des genannten Vereins dem Vater des Herrn Predigers, nämlich dem Rabbiner Nascher zu Baja für die bei seiner Anwesenheit hicrselbst gehaltene Derascha einen Pocal nebst einer Adresse überreicht habe. Zur Jllustrirung dieser Reclame diene die wahrheitsgetreue Mittheilung, daß der Herr Nascher sen. den Vortrag mit einem Spruche aus dem Neuen Testamente eingeleitet hat, wenn auch ohne die Quelle zu nennen, im Laufe des Vortrages vier Mal deutsche Dichter und am Schlüsse einen Ausspruch des Professor Iacoby, diesen mit Hervorhebung des Namens, citirt hat. So gehört im Jahre 5628 in einem orthodox sein wollenden Vereine zu Berlin, aus dem Munde eines ungarischen Rabbi! — Nun lassen Sie mich Ihnen das Berliner Iudenthum auch in anderer Form und Gestalt vorführen, vr. Aub, aus der Rabbiner-Versammlung zurückkehrend, in der die Abschaffung des Schofar diScutirt ward, hat bald darauf am Sabbat in der alten Synagoge gepredigt und zwar — von den Mahntö-ren, die das Schofar schon im Ellul-Monat an uns ergehen läßt. Uebrigens ist es dieselbe Consequenz, die den Dr. Aub an diesem Sabbat in der alten Synagoge öffentlich vortragen läßt iTi'drn 'i unoi? yDy K’jjn am folgenden Sabbat aber in der neuen Synagoge: „Erfreue uns, wie Du einst unsere Väter durch Elia erfreut hast" —, die ihn überhaupt hier das mit Inbrunst (?) beten läßt, was er dort gestrichen hat. Solcher Widerspruch be- und verurtheilt sich selbst; mir ruft er ein schönes Witzwort in'S Gedächtniß zurück, das ich aus dem Munde eines meiner Freunde jüngst gehört. „Was ist der Unterschied zwischen den Rabbinern alten Schlages und denen der modernen Richtung, die sich allen Verhältnissen und Zuständen der Gemeinde anpassen und darin zurecht finden können? Jene waren ein Schirm (man nannte sie nämlich und mit Recht mn po), diese sind ein en tous cas! — Nächstens mehr ,t"n. Borken in Westphalen. Der Tag des p"v"y D’D&v 'd war für die hiesige Gemeinde ein Tag herzinniger Freude. Dieselbe beging an demselben die fünfzigjährige Jubelfeier ihrer Synagoge, die zu diesem Zwecke gänzlich restaurirt wurde. Die Mitglieder der Gemeinde hatten freiwillig D’yDon mw na-ion nn« die erforderlichen Kosten aufgebracht, und mit Rücksicht aus eine zweckmäßigere Einrichtung und Raumgewinnung neben neuen Sitzen eine bedeutend erweiterte Frauengallerie hergerichtet. Ein prachtvoller BHpn p«, Geschenk des Jünglings - Vereins, nebst herrlichem Vorhänge, Geschenk des Frauen - Vereines, sowie eine sehr schöne .iv'a zieren die innere Räume, und machen ans den Besucher einen sehr erhebenden Eindruck. Mehr aber, als alles Dieses, schmückt dieses Gotteshaus der echte jüdische Sinn der Gemeinde, die sowohl innerhalb als außerhalb desselben fest an den Vorschriften unserer heiligen mir"i hält, und schwerlich das von der Rabbiner-Versammlung zu erwartende revidirte Speisegesetz acceptiren wird. Reformen im Gottesdienste sind in derselben durchaus fremd, das schriftliche und mündliche Gesetz geben die Nicht-