Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1868)
- Date
- 1868-09-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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719 daß die meisten Bewohner kaum rasch genug das Leben retten konnten; denn das Waffer stieg in der V'ertelstunde 5-6 Fuß. In einem Zeitraum von einer Stunde hatteidas Wasser an manchen Stellen eine Höhe von 15 Fuß erreicht. Was für Schaden angerichtet wurde, läßt sich kaum beschreiben. D e Straßen, welche vom Unglücke am härtesten heimgesucht wurden, sind zum größten Theile von Leuten unseres Glaubens bewohnt, die oh-ehin mit Nahrunassorgen kämpfend, nun jedes Kleidungsstückes und jedes Bettes beraubt sind; denn die reißende Fluth nahm in ihrer Wuth Alles mit sich, was ihr in den Weg kam. Es ist ein jammervoller Anblick, diese ausgeleerten Häuser zu sehen, von denen zuweilen bie° ganze Fronte fehlt, andere wieder, die mit ihren eingedrückten Fenstern hohläugig, gleich einem Geipenste anzusehen sind. Fürchte-sich aber ist der Anblick dreier beschmutzten und im fußhohen Schlamme watenden Menschen, die nach dem suchen, was ihnen die Fluth vielleicht noch gnädig gelassen hat. Das Wass.r war noch vor Abend abgelauseu und noch an diesem Abend konnte man die Vorstandsmitglieder der hies. „Hebrew Benevolent Society" sehen, wie sie in den Straßen umhergingen, forschten und fragten, wie und wo zu Helsen 'ei. Viele, denen das neuerbaute jüdische Hospital zur provisorischen Wohnung angeboten wurde, wiesen dies zurück und blieben bei den Ruinen stehen, von welchem sie sich nicht trennen wollten. Es war ein Glück, daß das Wasser nicht in der Nacht kam, es wären sonst mehr Menschenleben zu beklagen gewesen, als dies jetzt der Fall ist. Auch zwei unserer Glaubensbrüder sind Opfer der Fluth geworden. Sonntags waren die meisten Logen des U. £). B. B. in Sitzung, um den leidenden Brüdern Unterstützung zukommen^ zu lassen. Im wahren Geiste des Ordens zeigen sich die Jedilljahloge, welche 2300 Doll, bewilligte, du Harrrromrloge, welche 500 Dollar. biß Mendelssohnloge 300 Doll. u. s. w. Montag berief die „Hcbrew Benevolent Society" ein? Generalversammlung nach der Synagoge der Oheb Scholom Congr. und ob zwar nur Wenige anwesend waren, wurden doch gleich 3600 Doll, gezeichnet Es wurd.e. beschlossen, jeden Abend dieser Woche iu S-tzung zu >'' sein, t um weitere Zeichnungen entgegen zu nehmen. Wie ich hörte, war der Betrag des Dienstag Abends 10r 0 Dollar. Arch wurde ein Sonnte von" 20 Mitglic-tzern ernannt, welches in den verschiedenen Wards der Stadt collcctircn soll; doch ich fürchte, daß alles dies nicht hinreichen wird, um dis so schwer Betroffenen wirksam: zu unterstützen, wenn sich nicht auswärtige Städte mildthätig dem Unterstützungswerke anschließen. Die verschiedenen B. B. Logen sollten nrcht ungehört den Schrei der Noch ihrer Brüder an ihr Ohr anschlagen lassen. Auch sollten einige der vermögenden Männer New Jorks es sich angelegen sein lassen, unter ihren Geschäftsfreunden eine Collecte zu veranstalten , die hiesige Hebrew Benevolent Society wird gewiß jeden noch so geringen Betrag dankend entgegennehmen. (Hebrew Leader.) Feuilleton. Mater und Sohn. Sechstes Kapitel. Sie Scheidung. Als Ztzele nach Hause kam, fand er Alles in größter Aufregung; Gillrath und Zippora weinten; auf dem Tische lagen die verbotenen Bücher aufgestapelt; Rabbi Bär glühte vor Zorn. „Wie kommen diese trephenen Bücher in den Ofen deines Zimmers? herrschte er den verblüfften Schwiegersohn an. „„Ich habe sie hineingelegt!"" entgegnete dieser. „ Was hast Du mit ihnen gethan?" „„Ich habe sie gelesen!"" „Daß Gott erbarm! Woher kannst Du sie lesen?" „„Ich habe es heimlich gelernt!"" „Da Rosche,*) du Koffer. Du bist auf dem Wege zur Schmad^)! Lies diesen Brief." Ihele las ihn und sagte ruhig: „„Es ist wahr, ich habe bei dem Geistlichen auf der Violine spielen gelernt, weiter aber auch nichts."" „Wie wenn das nicht genug wäre!" rief Rabbi Bär, vor Wutb schäumend; „o, daß ich so Etwas erleben muß an 'meines Bruders, des Zaddik,4) Sohn, an meiner Tochter Ehemann!" Und er sing bitterlich an zu weinen. Itzele war gerührt. „„ Schwäher5), sagte er, glaubt mir, ickhabe nichts Unrechtes gethan!"" „Wie." ries R. Bär, „„so verstockt bist Du, daß Du noch behauptest, du habest nichts Unrechtes gethan? Nun höre mein letztes Wort: Entweder Du gehst auf drei Jahre nach Wolozin und lernst dort Jom Woloiloh 6) und ich werde dafür sorgen, daß tm überwacht wirst — oder du gibst Get^)." 1) Vösewicht. 2) Gottesleugner. 3) Taufe. 4) Des Frommen. 5) Schwiegervater. 6) Tag und Nacht. 7) Scheidebrief der Frau.