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Der Israelit · 1868-09-16 · Heft 38 (16.9.1868) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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718 wurde, trugen zur Vollendung der erhebenden Feier bei, bei deren Schluß die Westsonne noch ihre letzten Strahlen verklärend über die willig ausharrende Menge des Volkes verbreitete. Nachdem dann die rituelle Beerdigung der Leiche der verstorbenen Ehefrau des Weinhändlers Jakob Rosenthal, die auf ihrem kurzen Krankenlager noch gewünscht hatte, auf dem neuen Friedhofe einst neben den Ihrigen zu ruhen, vorgenommen und die erschütternde Grabrede über den schweren Todesfall gehalten war, verließ die Fest- und Trauerversammlung den Gottesacker, der nun dem öffentlichen Schutze übergeben und seiner heiligen Bestimmung geweihet ist. Der Ertrag des Opfers beim mittäglichen BußgotteSdienste und bei der Feier selbst wurde im Auftrag des israelitischen KirckenvorsteheramtS von einer besonderen Armencommiision theils durch diese, und theils durch das gemeinschaftliche Amt an hiesige Armen ohne Unterschied deö Glaubens und an israelitische Bedürftige dieses Rabbinatsbezirks sofort und am folgenden Tage vertheilt. Oesterreichischer Kaiscrstaat. Wien. Zwei junge Wienerinnen, welche sich vor wenigen Tagen an den hiesigen israelitischen Prediger Dr. Jellinek mit dem Ersuchen, vom Christenthum zum Judcnthum übertreten zu wollen, wendeten, und hicfür keinen triftigeren Grund anzugeben wußten, als daß sie hiezu Neigung hätten, wurden mit dem Bedeuten zurückgewiesen, daß es nack den bestehenden Gesetzen der Juden nicht gestattet sei, Proselyten zu machen und die Aufnahme zum Judenthuine nur dann stattfinden könne, wenn der Glaubensübertritt mit voller Ueberzeugung, mit ganzem Herzen und ganzer Seele verlangt wird. — Ucbrigenö sind hier bereits mehrfach derartige Fälle vorgrkommul, daß sich junge Mädchen ohne jeden andern Grund, als aus Laune, um die Ausnahme zum Judentbume beworben haben, natürlicher Weise jedoch stets abgcwiesen worden sind. Pefth Alexander Bellak, Glasermeister in Pesth, hat sich in einer Eingabe an das ungarische Kultusministerium gewendet, damit ihm erlaubt werde, zum Jueeutbum übertreten, beziehungsweise zu diesem wieder zurückkehren zu dürffn. In seinem Bittgesuch bemerkt Bellak, daß er seiner Zeit sich genöthigt sah. zum Christenthum überzutreten, weil er von der Polizei „zu viel sekirt wurde," als Jude keinen Gewerbeschein erhalten konnte, endlich weil er hcffte, einen reichen Tauspaihen zu erhalten, der ihm „aufhelfen" würde!!! Im Jahre 1854 wurde B<llak in der Pesther Franziskaner kirche getauft. Er versichert in seiner Eingabe, daß er stets ein frommer Jude blieb und wünscht nun wieder zum Glauben seiner Väter zurückzukehren. Das Kultusministerium hat die Eingabe an den Magistrat brhufs Einhändigung an den Petenten mit dem Beifügen gesendet, daß diese Angelegenheit nicht zur Kompetenz des Ministeriums gehört. F r a n k r e i ch. Paris. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden bei Gelegenheit des Nationalfestes am 15. August ernannt : Herr Oberrabbiner Aron von Straßburg, Herr Louis Bcnloew, Professor an der Facultät zu Dijon und Herr Germain Halphen, Kaufmann zu Paris. Paris. Der junge Falascha, den Herr Joseph Halevy aus Abeffynien mitgebracht, hat eine schwarze Gesichtsfarbe wie ein Neger, doch sind seine Gesichtszüge regelmäßig und haben Spuren jüdischer Schönheit. Es ist zu bedauern, daß er nur wenige arabische Worte spricht. E n g l ß n d. London Für die Nothleidenden in Rußland, Polen, Ostpreußen wurden in London 152 L. (1824 si.) und für die in Marocco 1?,2 L. (1584 si.) gesammelt. In Betreff der gewaltsamen Entführung der Tochter des Herrn B. Lyons in Cardiff, um sie dem Christenthume zuzuführen, soll nach den neuesten Nachrichten bewirkt worden sein, daß eine Zusammenkunft zwischen dem Vater und der Tochter unter Zuziehung von Zeugen siattsinden werde. Rußland. Wilna. Ein Jude, Eigenthümer eines Hauses in Wilna, in welchem Feuer ausgebrochen war, hatte „Feuer, Feuer" in polnischer Sprache, deren Anwendung auf öffentlicher Straße verboten ist, gerufen. Dafür wurde er des andern TageS mit 25 Rubeln wegen Uebertretung des Gesetzes bestraft. (Daily News.) A m e r i k a. Baltimore, 2i». Juli. Noch sehr ergriffen von dem schrecklichen Ereignisse, das einem großen Theils unserer Stadt*) so vielen Schaden zusügte. beeile ich mich Ihnen eine schwache Schilderung der Zerstörung zu geben, die eine Ueberschwcmmung in Folge des Austretsns der Jones Falls, die die Stadt nt zwei Hälften theilen, anftiftete. Ruhig und friedlich wandelten die Bewohner des unteren Stadttbeiles, wohl fürchtend, daß in Folge des heftigen Regens, die au den Falls befindlichen Häuser unter Waffer gesetzt werden könnten, aber eine solche Gefahr, wie sie sich Freitag den 24. d. Mts. zeigte, nicht im Geringsten ahnend. Da, am obgenannten Tage Mittags, wuchs der sonst kleine Bergstrom mit so riesiger Schnelle *) Siehe Nr. 36 Artikel Baltimore.

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