Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1868)
- Date
- 1868-09-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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717 Halten sich für klüger, als die die jüd. schule besuchenden Kinder, blicken auch auf diese, so wie auf Alles was sie an unsere h. Religion und Glaubensgemeinschaft erinnert mit Geringschätzung und Verachtung herab; ja, sie machen sich, wenn sie bei ihren christ. Mitschülern sind, wohl lustig über die andern jüd. Kinder, wenn diese ihnen begegnen. Dadurch wird unser wichtigstes Institut, die Schule, welche eine von den ob'iy ist, von Grund aus, heftig erschüttert und der Jndifferentismuö gegen unsere heiligsten Interessen, gegen die Religion, zur vollsten Blüthe getrieben. — O, ihr Eltern, ist noch ein kleiner Funke von Religion in Euch, ist Euch an der Religion Eurer Vorfahren noch etwas gelegen, liegt daö Wohl Eurer Euch von Gott geschenkten und Eurer Obhut und Fürsorge anvertrauten Kinder am Herzen, so führt sie ntsnnpn «’mim Q«n d'e , erziehet sie zur Tugend und Gottesfurcht, wachet sorgfältig über ihren Wandel, und gehet ihnen dabei vor Allem mit Eurem eignen, guten Beispiele voran. Denn wisset, daß Ihr nicht allein für Euer eigenes Heil, sondern auch für das Seelenheil Eurer Kinder und Kindeskinder verantwortlich seid. Beherziget, ich bitte Euch darum, diese meine wohlgemeinten Worte, und handelt darnach; dann wird es Euch leicht werden, Eure Kinder zu einem Gott und Menschen wohlgefälligen Wandel zu erziehen; es wird Euch und Euren Kindern wohl ergehen «an mn. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. (Fortsetzung folgt.) AeitrrnHSNLchriehten und Ciorresyondenzen. Deutschland. Wninz. In Nr. 32 behauptet unser geehrter Corresp. I-mh me ischar in seinem trefflichen Artikel, „der Orient," daß der Ackerbau in der Türkei (also auch in Palästina) von Inden unter den jetzigen Verhältnissen unmög'ich betrieben werden kann und begründet auch in diesem längeren Artikel seine Behauptung. Die Ansichten unseres geehrten Correspondenten werden im „Hamagid" und im „L banon" von Herrn Rabbiner Kalischer in Thorn angegriffen, als wäre gerade das Gegentheil das richtige. Wir überlassen unserem Correspondenten, welcher die benannten hebräischen Zeitschriften liest, die Vcrtheidiguug; soviel aber können wir schon heute Herrn Rabbiner Kalischer mittheilen, daß unser Correspondent üei'm Niederschreiben seines Artikels nicht vergangene Zeiten vor Augen gehabt, indem derselbe noch jetzt im Orient sich aufhält. ^erlbronn Me Einweihung des hiesigen israelitischen Friedhofes wurde am "V'Ist'Ar Montag den 31. v. M. gelegentlich einer gleichzeitigen ersten Beerdigung ai.'f demselben nach einem ansgegebeneu Programm in sehr würdiger Weise gefeiert. ES betheiligten sich daran außer der zahlreichen israelitischen Gemeinde alle ortsarrwesende,: christlichen Geistlichen beider Confessionen, die K. Beznksbeamten, der Ortsvorftand mit den Mitgliedern der betben bürgerlichen Collegien, die Werkmeister mit sämmtlicken Bauhandwerkern und sehr viele weiteren Einwohner der Stadt, deren Zahl noch größer gewesen wäre, wenn nicht aus Rücksicht auf die Leichenbestattung die öffentliche und persönliche Einladung dazu ans Mangel an Gelegenheit und Zeit hätte unterbleiben müssen. Dennoch bildete sich ein unabsehbar langer und wohlgeordneter Zng von Theilnehmern, wie er hier selten gesehen worden ist. Auch außerhalb der Umzäunung war eine große Menge von Zuschauern, die nicht eintreten konnte, weil sic in der Zeit sich nicht mehr festlich hat cmziehen können, als sie Kenntnis; von der Einweihung erhalten hatte. Die Feierlichkeit, welche einschließlich des halbstündigen Weges vom Trauerhause bis vor daö Thor des Begräbuißplatzes, kaum zwei Stunden dauerte, machte einen sehr guten, erhebenden Eindruck. Allgemeinen Beifall fand der Friedhof selbst in seiner herrlichen Lage und wahrhaft romantischen Umgebung. Die freundliche eiserne Umzäunung, die wohlausgestattete und sinnig situirle Kapelle mit Leichen- und Requisilcngelassen und die zweckmäßigen Weganlagen, geben diesem geweihten Orte, zumal" wenn noch die im Oktober d. I. zu vollendende Bepflanzung des Hauptwegs und des Rnndganges geschehen und der kahle Ackerboden mit Gras üöerkieidet sein wird, ein so freundliches Aussehen, daß er den Zierden unserer Stadt sich würdig anreihen darf. Herr Amlöbanmeister Maute übergab dem Rabbirien, Herrn Dr. Engelbert, die Schlüssel zur Pforte, ein Meisterwerk des Schlossers Stotz, welche unter Recitation passender Bibelverse erschlossen wurde. Unter Vorgang des i^args, welcher auf der ersten Estrade vor der Kapelle niedergestellt wurde, während die fnuktionirenden Beamten auf der zwe Leu standen, mimte zuerst der Lehrer und Vorsänger, Herr Löwenstein, mit der Gemeinde etliche Psalmen"responsenwUse in hebräischer Sprache, worauf der Herr Rabbiner die Einweihungspred'u t hielt, die den Ernst des Tages und die Bedeutung der Feier zum Vortrage brachte und ihres guten Eindrucks ans die Zuhörer wohl nicht verfehlt haben wird. Die inhaltreichen hebräischen und deutschen Gebete, die der Herr Vorgänger dann sprach und seine Schlußworte, in denen, an die verschiedenen hebräischen und deutschen Namen des Begräbnißplatzes anknüpfend, die symbolische Bedeutung der Grabstätte und deren Ausschmückung in sinniger Weise erläutert