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Der Israelit · 1868-09-16 · Heft 38 (16.9.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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716 häusliche, religiöse Erziehung, die, statt mit der Schule Hand in Hand zu gehen, statt solche in ihrem Gedeihen zu unterstützen und fördern zu helfen — gerade im größten Eontraste mit ihr stehet? Welch traurige Erfahrungen bieten sich da dem echten und wahren '-n,T dar! — Gesetzt, der Lehrer erklärt den Kindern die nnmn und setzt ihnen bei dem 1. Gebote auseinander, wie das allmächtige und erhabene Wesen von Israel verehrt sein will; sagt ihnen mit Bezugnahme aus das "i rx n^nsi wie unsere Liebe zu diesem vollkommensten Wesen eine unbegrenzte sein und wie der Israelit stets bereit sein müsse, Ihm und Seiner h. Lehre Alles, selbst sein Leben, zu opfern toa "pics d-3 ")7iNÖ ^331 HX «in |/’2N‘ Was sollen die Kinder nun denken, wenn sie sehen, wie ihre Eltern das ganze Jahr hindurch gar nicht, oder dock nur höchst selten beten, weder?a233 ya^N tragen, noch F'en legen; wenn sie scheu, wie ihre Eltern die Speisegesctze übertreten, aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen das Gotteshaus so selten besuchen, kein ,-D-D nisjo beobachten? Ist da nicht dem Skepticismuö Thür und Thor geöffnet? Müssen da die Kinder nickt denken: Entweder der Lehrer oder unsere Eltern sind Lügner? — Nun geht der Lehrer zur Erklärung des 2. Gebotes über, definirt den groben und feinen Götzendienst, warnt die Kinoer vor Schmeichelei, vor zu großer Verehrung des Irdischen; die Kinder aber sehen zu Hause, wie ihre Eltern, nur dem Gelde als Hauptsache knechtisch dienen: scheu, wie sie eiug sind, wie die Hirsche, und leicht, wie der Adler, nicht D»D2GEr cn»a« jisn nwj/S bewahre! nein, nur um dem Mammon bedeutende Opfer zu bringen; sehen, welch' eine knechtische Furcht sie den Mitmenschen erweisen, sobald nur Habsucht und Eigennutz wirken. Gibt es wohl einen größeren Contrast zwischen Lehre und Leben in Gegenwart der Jugend?! — Wird den Kindern nun das 3. Gebot erklärt unt ihnen gezeigt, wie sehr sündhaft es sei, den h. Namen Gottes vergeblich oder leichtsinnig auszusprechen; wird ihnen geschildert. welch schreckliche Folgen der Meineid nach sich ziehe, wie der Falschschwörende von Gewissenspein gefoltert werde und die Kinder hören , wie die Angehörigen, in ihrer Gegenwart, mit dem frivolsten Leichtünn schwören; wie sie bei jeder geringfügigen Kleinigkeit, ohne jede Scheu schwören und fluchen, den h. Namen Gottes mißbrauchen; hören, wie sic diese Schwüre noch wohl oft durch eine Lüge bekräftigen, was sollen da die Kinder, die dieses Alles hören, denken? Ist das nicht der größte Widerspruch? — Geht nun der Lehrer zum 4. der zehn Gebote über und theilt den Kindern den richtigen Begriff und die richtige Auffassung des Sabbat mit; setzt ihnen die e'S mit ihren nn^n auseinander; die Kinder aber sehen, wie ihre : Angehörigen die Läden und Werkstätte dem Geschäfte j geöffnet haben; sehen, wie dieselben durch Schreiben, j Rauchen, Kegeln, Fahren und Kartenspielen N'Dm33 D'aio O'13'1 vnnvll? sind; sehen, wie ihre Eltern sie, statt sie zum r.Djan rva zu schicken und am Gottesdienste Theil nehmen zu lassen, statt sie über das, während der Wochentage in der Schule erlernte zu inspiciren — sie zur christ. Schule schicken, wo sie — die Fälle sind nicht sellen, — auch wohl schreiben. Sagt, müssen die Kinder da nicht von vorn herein zu indifferenten Israeliten herangebildct werden? Ist da nicht von vorn herein dem Skepticismus Thüre und Thor geöffnet? Wie kann bei solchen Widersprüchen die Jugend religiös gedeihen? Ist da nicht der Religionsunterricht nutzlos? vielleicht ganz vergeblich und überflüssig? — Doch, wozu sollen wir uns bemühen, da, wo Thatsachen deutlich sprechen, die Beispiele noch zu häufen? Denn, nicht allein die zehn Gebote, die ganze h. Schrift ließe sich anwenden, um klar darzulegen, wie in unserer Zeit die Differenz zwischen Schule und Haus die Kluft zwischen Lehre und Leben eine gar zu große sei und welch erschreckliche Dimensionen dieses Hebet in unserer Zeit, leider, angenommen hat. — Wir können diese Rubrik nicht beschließen, ohne vorher noch eines, in unserer so aufgeklärt sein wollenden Zeit zur beklagenSwerthen Mode gewordenen und der religiösen Ausbildung der isr. Zugend so hinderlich in den Weg tretenden Grundübels Erwähnung gcthan zu haben. Ich meine nämlich daS zu frühe Herausnehmen der Kinder aus der iör. Elementarschule, um sie höheren christl. Anstalten zu überweisen. Nicht allein, daß dem jüd. Lehrer, die Kinder, sobald er diese in den Elementen deS Wissens io weit gebracht, daß sie höhere Bildungs- Anstalten frequentiren können, entzogen werden; nein, sehr viele Eltern, besonders in größeren Städten — in kleineren, und mittleren, wo selten höhere Anstalten b stehen, hat mau ja weniger Veranlassung, gegen dieses Nebel anzukämpfen — ersparen der isr. Schule und ihren Lehrern diese traurige Erfahrung und schicken ihre Kinder von vorn herein in die christliche Schule. Da nun aber das Gesetz die Eltern für die isr. Ausbildung ihrer Kinder verantwortlich macht, so läßt man denselben 1 oder 2 mal in der Woche Privat - Unterricht in der Religion geben Was ist mit diesem Unterrichte, der natürlich in den meisten Fällen kein ananderer, als ein chatechetifches Frage- und Antwortspiel, ein ReligionSunterrick't in nuce ist, auf sich hat, ist hinlänglich bekannt. (Wir werden V'a auf diesen sogenannten Religionsunterricht zurückkommen und in der Rubrik: „ Schule11 ausführlicher davon sprechen.) Müssen nicht diese wenigen Nothstunden mit ihren Nothlehrern den Kindern als etwas Unwesentliches, Nebensächliches, erscheinen? Zu diesem Grundübel gesellen sich aber auch noch andere. Die jüd. Kinder werden einander gänzlich entfremdet; zudem sehen diejenigen, welche christ. Schulen besuchen, mit Hochmuth und Verachtung aus die jüd. Schule und deren Lehrer,

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