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Der Israelit · 1868-09-16 · Heft 38 (16.9.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 38 (16.9.1868)
Date
1868-09-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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715 herzigt. Mit mütterlicher Sorge wachten sie über ihre zarten, geliebten Kinder; mit der grössten Gewissenhaftigkeit beherzigten sie genau Alles, was deren körperliches Wohl, weit mehr aber noch, was deren religiöse und geistige Bildung überhaupt erfordert; ja, stets waren sie, als die allerersten Gesellschafterinnen der Kinder darauf bedacht, diesen die allerersten Anfänge der Religionsgrundsätze bciznbringen, wohl bedenkend, das; die in zartester Jugend eingeathrneten Lehren am dauerhaftesten sind und das; nie zu früh damit angefangen werden könne, den Geist des Kindes zu bilden. Sobald das Kind nur zu sprechen ansing, wurde ihnl ruro i/^ msr mir., welches die Erstlingsworte des Kindes sein sollen, vorgesprochcn; kain es etwas weiter, wurde ihm das Morgen-, Tisch- und Abendgebet gelehrt; auch wurde eö schon frühzeitig daran gewöhnt, nichts, ohne erst nuna darüber zu sprechen, zu geniesten; wurde überhaupt schon früh an die — auch kleinen Kindern schon mögliche — Erfüllung der religiösen Satzungen gewöhnt. Dieser frühen Gewöhnung war es auch znzuschrciben, das; das Kind auch später sein Thun und Lassen nach den Vorschriften der Religion einrichtete und selbst im spätesten Alter nicht daran abwich; wenigstens war nicht zu besorgen, das; es so leicht vom tugendhaften Wege abkäme. Zudem halte sie noch das Gute, daß wenn später das Kind der Schule überwiesen wurde, der Lehrer auf dem durch die häusliche Erziehung gelegten guten Grund leicht weiter bauen konnte. Kamen die lTItld L'tan mrctr heran, dann hieß es von den Eltern mit David: G rxw ,'d vzv D’:a Kommt, Kinder! höret mir zu; denn ich will Euch die Furcht des Ewigen lehren, will Euer Verlangen nach religiöser Erkenntnis; befriedigen, Euren Durst nach Gottes Wort löschen!" Erklärt wurde dann den Kindern die Bedeutung der imp wipp; erklärt die wöchentliche rrrio; erklärt die für diese heiligen Tage von der Religion gebotenen Satzungen und Gebräuche und das im Laufe der Woche in der Schule Erlernte repitirt und für das in der folgenden Woche vorzunehmende Pensum angefeuert. Damals gab es aber auch noch keine Gegensätze zwischen Schule und Haus, stand das Leben der Eltern noch nicht in grellem Widerspruche mit der Lehre; waö in der Schule knospete, reifte im Hause zur Frucht; mit andern Worten: was in der Schule gelehrt wurde, mußte von den Kindern auch zu Hause befolgt werden, indem das gute Beispiel der Eltern belehrend und ermahnend auf sie wirkte. Was in der Schule gelehrt, wurde durch das lebendige Beispiel der Eltern gleichsam ergänzt; der fromme Lebenswandel des Vaters, das religiöse, gemüthliche Leben der Mutter prägte die religiösen Lehren dem zarten kindlichen Herzen noch viel tiefer ein, machten einen noch mächtigeren und bleibenderen Eindruck auf das Leben der empfänglichen Jugend, als aller Unterricht, “pjm crmin, Du, Vater, sollst die mir, deinen Kindern einschärfen! so lautet der Zuruf Gottes an den Vater. Die Lehre ist zwar Pflicht der Schule; aber die Wiederholung, Ausübung, Befolgung und Betbätigung derselben durch die Thal, darauf zu achten, ist die Pflicht der Eltern. Dieses ward in der guten alten Zeit von den Eltern stets beherziget. Was Wunder da, daß die Kinder mit der Frucht der Wissenschaft auch zugleich die Krone der Erkenntnis; und Betbätigung sich erwarben! Was Wunder, daß unter solchen Umständen eine glaubenstreue Generation heranwuchs' — — Wie ist aber in unserer von Materialismus, IndisterentismnS und falscher Aufklärung befangenen Zeit dieses Alles ganz anders geworden! Zn sebr vielen jüdischen Häusern ist das jüdisch-religiöse Leben ganz und gar geschwunden; gar viele, ini Greisenalter stehende Israeliten, die in ihrer Jugend noch ein echt jüdisches Leben geführt, haben sich, leider, von dem verderblichen Strudel der Zeit mit fortreißen lassen, haben alles spccifisch Jüdische abgestreift, sind ayzns geworden, ja, sind kaum noch als PPdu zu betrachten. Wenden wir uns deshalb von diesen ab und suchen uns mit denjenigen zu beschäftigen, bei denen noch nickt alles religiöse Bewußtsein geschwunden und sehen zu, welche Verstöße gegen eine gute religiöse Erziehung auch von diesen, ja, sogar oft von religiösen Eltern, gemacht werden und wie sie dadurch schon früh den Grund zur späteren Un - und Jrrreligioiität ihrer Kinder legen. Sehr viele Eltern glauben nämlich, schon genug an ihren Kindern gethin zu haben, wenn sie dieselben in die Schule schicken, ohne zu bedenken, daß der Lehrer sich unmöglich darum kümmern kann, ob die Kinder die in der Schule empfangenen religiösen Lehren zu Hause auch befolgen, ob der in der Schule in die zarte Herzen der Kinder gestreute Same zu Hanse auch zur Frucht reise. Zwar gibt es, Gottlob, auch jent noch sehr viele jüdische Häuser, in denen den Kindern die ersten Anfängen der Religionsgrundsätze von den Eltern beigebracht, in denen ihnen, bevor sie die Scknle besuchen, das! i&’Q lad n*s min vorgesagt, das Morgen , Abend- und Tischgebet gelehrt wird. Aber meistens geschieht dieses so gedankenlos, so verworren, mit so wenig Andacht und Weibe, daß die inhaltreichen Worte in unserer Zeit, wo das Leben der Eltern sowohl, als auch der Vorgesetzten nur gar zu häufig mit der Lehre im grellsten Widerspruche stehen, meistens ihren Zweck verfehlen. Die Lehre soll und muß unser irdisches Leben regeln, soll uns zum Leitstern dienen, bei unserer Pilgerfahrt durch dieses Leben, soll uns, wenn wir Abschied von dieser Welt nehmen müssen, dn Weg znm Himmel zeigen und dieser Weg — «p’m «rnw pVt’p pmi (nniro) — ach, sehr weit ist er, aber unsere Zehrung so gering! Wie aber, wenn, wie in unserer Zeit, die

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