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Der Israelit · 1868-09-09 · Heft 37 (9.9.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 37 (9.9.1868)
Date
1868-09-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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704 Stande, dem Antrag des Magistrats entsprechend den Bittsteller abschlägig zu bescheiden. Vielmehr geben wir der Ministerial-Verfügung vom 9. Mai ii859 Anwendung, in deren Gemäßheit die Schulverwaltung den Ansprüchen jüdischer Eltern, welche aus religiösen Motiven ihre Kinder am Sonnabend ganz oder für die Stunde des Gottesdienstes vom Schulbesuche entbunden zu sehen wünschen, die gebührende Berücksichtigung nicht versagen soll. Demgemäß ist bestimmt, daß in den Fällen, wo die Eltern selbst bei dem Königl -Provinzial-Schulkollegium darum nachsuchen, jüdischen Schülern die gedachte Dispensation ertheilt werde — wobei erstere darauf hinzuweisen und, daß die Schule keinerlei Verantwortung für die aus derartigen Schulversänmnissen bei den betheiligten Sck>ülern entstehenden Folgen übernimmt. Wir ersuchen den Magistrat, dem )c. N. in diesem Sinne Eröffnung in unserem Flamen aus sein Gesuch vom 5. v. M. zu mack en und die Direktoren mit Anweisung zu versehen, bemerken übrigens, daß der Director N. laut seines Berichtes vom 91. v. M. obige Vorschrift bisher schon im Wesentlichen befolgt hat. Königliches Provinzial- Schul - Collegium. An Den Magistrat zu N. Wir knüpfen hieran den Wunsch: „Möchten dock alle jüdischen Eltern, die ihre Kinder in christliche Schulen zu schicken genöthigl sin), von obiger Verfügung, die die Gewissensfreiheit so sehr respectirt, den allcrumsassendsten Gebrauch machen: Wie gar mancher P3& bib'n könnte dadurch verhütet werden!" — Es schmerzt uns jedesmal, wenn wir jüd. Kinder am oder o"’ mit ihren Schulranzen über die L-traße — manchmal eine Stunde Weges und noch weiter gehen sehen; es blutet uns das Herz, wenn wir darüber Nachdenken, wie bei solchen Kindern, die durch den Schulbesuch auch von dem Synagogenbesuch zurückgehalten werden, schon frühzeitig der Grund zur Geringschätzung und Entheiligung der Sabbat- und Feiertage der Keim zu Scepticismus, Unglauben und IudifserentismuS gelegt wird. Denn ganz sicher werden solche Kinder — es kommen allerdings auch rühmliche Ausnahmen vor — sobald sie dem 'Elternhause entwachsen sind, in die große, weite Welt, auch wohl in verführerische Gesellschaften kommen, ihre eigene Lebensbahn verfolgen und sich selbst rathen, sich selbst helfen und für sich selbst sorgen müssen, die Sabbatnnd Feiertage, die sie in ihren Schuljahren, so lange ne noch unter der Controlle frommer Eltern standen nur vernachlässigten, sogar — entbeiligen. Müssen solchen Kindern später nicht die Gedanken kommen: was kümmert uns der ra», was der dv! Haben ja damals, als es galt, uns für unfern Beruf vorzubereiten, unsere Eltern uns an diesen Tagen in die christlichen Schulen geschickt, haben nichts dagegen gehabt, daß wir den Gottesdienst versäumten; nein, es muß mit der Größe und Heiligkeit dieser Tage Nichts sein; — mußten doch dieselben früher, wo es nur galt, uns für unfern Beruf vorzubereiten zurückstehen, so dürfen wir sie dem Berufsleben selbst, das doch gewiß weit wichtiger ist, sicher zum Opfer bringen!" — O Ihr Eltern, nehmet, ich bitte Euch darum, Gesagtes wohl zu Herzen! haltet Eure Kinder schon frühzeitig zur Heilighaltung der Tage Gottes an, erziehet sie schon früh zur Tugend und Gottesfurcht, dann werdet Ihr Euch, das könnet Ihr Euch fest versichert halten, auch später über die Religionslosigkeit derselben nicht zu beklagen haben, wie auch schon ein allbekanntes Sprichwort sagt: Besser früh bewahrt, als spät beklagt! Das gebe Gott! Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Nachstehende Glaubensgenossen wurden vom Kaiser von Oesterreich mit Orden decorirt: Banquier Joseph Lippmann in Prag erhielt den Orden der eisernen Krone, Fabrikant Samuel Fischel in Prag den goldenen Verdienstorden mit der Krone, die Herren Karl Unger in Ulein-Rohasez und Satamon Sulzer, Kantor in Wien, Tuchfabrikant Ign. Baum in Bilitz erhielten den Frauz-Ioseph-Orden Prag. Der Prozeß wegen der Judenplünderungen in Schüttenhosen ist bis jetzt noch immer nicht gänzlich ausgctragen. Der von Amtswegen den Verurtheilten zugetheilt gewesene Vertheidiger l)r. Lötz arz hat seine Aufgabe mit solchem Eifer erfaßt, daß bei den den meisten der Angeklagten die Urtheilssprüche bis zum obersten Gerichtshof gingen und heute, bereits zwei Jahre nach der Schlußverhandlung, werden noch immer in der Sache Akten geprüft. Einer der Urheber, Piskaczek, welcher bei der Schlußverhandlung die interessanteste Erscheinung bildete — bekanntlich berief er sich in seiner Rechtfertigung aus die böhmischen Leitungen — ist in seinem Kerker zu Pisek gestorben. D 0 n a u f ü r st e n t h ü m e r. Aus wird wieder folgende Greuelthat gemeldet! Einem serbischen Juden, Namens Isaak Salomon, starb von drei Jahren sein Weib, welches ihm einen Säugling im Alter von einigen Wochen zurückließ. Der unglückliche Vater, der einen Bruder in Konstantinopel hat, übergab sein Kind einem ebenfalls in Konstantinopel domizilirenden griechischen Weib gegen monatliche Bezahlung zur Ernährung und Pflege. Vor einigen Wochen schrieb Isaak Salomon an seinen Bruder in Konstantinopel, er möchte sein nunmehr dreijähriges Kind aus dem Hause der Griechin wegnehmen, und seinem Freunde, Herrn Raphael Mesulam aus Belgrad übergeben. Dieser reise eben von Konstan-

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