Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 37 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, den 2. Sept. Wir erhalten soeben ein Blättchen daS den Titel „Ha-Nescher" führt; dasselbe erscheint in der Schweiz wöchentlich im Umfange eines halben Bogens. Dreiviertel des Inhaltes genannten Blättchens sind aus dem „Israelit" ohne Angabe der Quelle abgedruckt, während von den noch übrigen zwei Achteln das eine die entsetzlichsten Schmähungen gegen den „Israelit" entbält. Es macht sich wirklich ganz außerordentlich hübsch, wenn der Dieb den Bestohlenen mir den ärgsten Schimpsworten tractirt!!! Wir können es uns nicht versagen, die größere von den 2 Originalco^respondenzen des erwähnten Blättchens hier abdrucken zn lassen, um zugleich unfern Leiern ein Pröbchen von dem seinen, liebenswürdigen Styl und der töstlichen Logik unsrer Gegner zu geben; dieselbe lautet: „L e n g n a u, den 23. August. Geehrter Herr! Sie werden hiermit löslichst ersucht, nachfolgende Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Ein Freund brachte mir vorgestern das Stück aus der jüngsten Nummer des Mainzerblattes (sie), das ein kurzes Restrat über die am A. d. M in Cassel zusammengetr tene Rabbinerveriammluug enthielt. Daß der „Israelit" über eine derartige Versammlung voll Gift und Galle ist, wird Niemand Wunder nehmen; man gönnt ihm und seinen Lesern diesen Aerger von Herzen. Lug und Trug, Entstellung und Verdächtigung ist man längst an ihm gewöhnt; ich würde mich auch nicht herabgelassen haben, auf alle die Entstellungen und Verdrehungen in dem besagten Artikel auch nur ein Wort zu erwidern, wenn n cht der Schluß g radezu eine nichts würdige Verleumdung enthielte und ich aus Erfabrung wüßte, daß die wenigen Leser dieses Schmutzblattes (sie) in Endingen und Lengnau derartige Verleumdungen gern verbreiten und sie zu ihren Zwecken ausbeuten. *) Es heißt am Schlüsse der Correspondenz, daß mein Freund, Rabbiner Dr. Joel aus BieSlau, den Antrag stellen würde — wie jesuitisch! — daß die Einsegnung oder Konfirmation der Knaben die Beschneidung ersetzen solle. Es ist das rein aus der Lust gegriffen - eine böswillige Verleumdung, natürlich l'schem schomajim! Ein solcher *) Anmerk, des Correctors: Welch ein Satz! Antrag wurde nicht allein nie gestellt, weder Joel, noch irgend ein Anderer der in Cassel versammelten 25 Rabbiner hat je auch nur im Entferntesten daran gedacht, einen derartigen Antrag einzubringen. Die frommen Herren können einmal das Lügen nicht lassen! Man sollte fast glauben, Lügen und Verleumden wäre ihr höchster und heiligster Grundsatz. Rabb. Dr. Kayserling." Dieses liebenswürdige Epistelchen spricht für sich allein; es bedarf keines Commentars. Die groben Schimpfworte von Seiten eines Mitgliedes der Caffeler Rabbincrverfammlung gereichen uns nur zur Ehre und machen uns nicht wenig Freude; aber die grenzenlose Dummheit, die crasse Bornirtheit, die aus dem Elaborate des Herrn Dr. Kaiserling spricht, muß gegeißelt werden, denn ein Narr ist ärger als ein . pflegten unsere Alten zu sagen. Unser Casseler Correspondent hat in Nr. 34 gesagt: „Wie verlautet wird k. Daß man von Dr. Joel in Breslau einen derartigen Antrag erwarten durfte, resultirt ja einfach daraus, das; der Genannte das in dem von ihm erwarteten Antrag Vorzuschlagende wirklich gethan hat, wofür natürlich die Sanction einer ganzen Versammlung von Rabbinen ihm nur willkommen sein konnte. Unsere Leser werden sich erinnern, daß in diesen Blättern berichtet worden, daß Herr Dr. Joel in Breslau unbeschnittene Knaben eingesegnet und ihnen Namen gegeben hat; diesem Berichte ist nicht allein nicht widersprochen, sondern die Thatsache ist unS von den verschiedensten Seiten bestätigt worden. Unser Correspondent nun berichtet, laß es verlaute, Herr Dr. I., der also in der Praxis bereits so verfährt, würde einen Antrag stellen, damit sein eigenes Verfahren durch und für seine „Freunde" und Gesinnungsgenossen zur allgemeinen Regel werde. Was ist ncuürlicher als solch eine Vermuthung? Und daß unser Correspondent eine solche ganz der Sache gemäße Vermuthung als Gerücht wieder gegeben bat, das bezeichnet Herr Dr K. als eine „mcktswürdige Verleumdung"! Wie bornirt muß doch dieser Mensch sein! Freilich, Herr Dr. Kaiserling weiß sogar, woran 25 Rabbiner „nicht im Entsermesten gedacht haben!" Gewöhnliche Menschen können allerdings die Gedanken Anderer nicht wissen, aber Herr Dr. Kaiserling? Jo der besitzt vielleicht die Gabe der Prophetie; denn namn rur.’j tenpon iva a-ruar ovo „Seitdem der heilige Tempel zerstört ist worden, ward die Gabe der Weissagung verliehen den Kindern und den — Narren." —