Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1868)
- Date
- 1868-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die beiden Rabbiner Herr Dr. Feilchenfeld auS Düsseldorf und Herr Dr. S chw arz aus Köln hielten die Leichenreden und schilderten in beredten, herzergreifenden Worten die großen Verdienste, die sich der Verstorbene um die kirchlichen sowie um die Schulangelegenheiten der Gemeinde und des Sprengels erworben hat. In herrlichen Allegorien haben sie die großen geistigen Fähigkeiten des Verblichenen dargelegt, und gab die Rede jedes Einzelnen ein getreues Bild über das Leben und Wirken des Verstorbenen. Wir sprechen deßhalb sowohl im Sinne der Hinterbliebenen, als auch in dem des ganzen Konsistorial-Sprengels, wenn wir die verehrten Herren Rabbiner bitten, ihre Reden durch den Druck zu veröffentlichen." Aus Weftphalen. Endlich ist durch ein Rescript des Cultusmin'sters Mühler vom 16. August die Frage entschieden worden, ob an jüdischen Elementarschulen der Rabbiner zumLokal-Schulinspector ernannt, oder ob vielmehr diese Schulinspection dem Ortsgeistlichen übertragen werden muß. Genanntes Rcscript bestimmt darüber im Wesentlichen Folgendes: Als ein Recht können die jüdischen Schulgemeinden die Berufung des Rabbiners zur Jnspection über die Schule nicht in Anspruch nehmen; die bestehenden Gesetze nöthigten aber auch nicht, die Lokal-Jnspection über jüdische Elementarschulen dem christlichen Ortsgeistlichen zu übertragen. Die Staatsbehörden könnten zwischen Rabbiner und Ortsgeistlicher, nach ihrem Ermessen wählen. Wo letzterer die Jnspection bereits habe und sie zur Zufriedenheit erledige, bedürfe es sehr gewichtiger Gründe, um ihm das Amt wieder abzunehmen. — Der in Nr. 32 und 33 dieser gesch. Blätter enthaltene Bericht über die Wahl des Dr. Rosenstock aus Posen zum Direktor des Marks- Haindors'schen Seminar in Münster muß dahin berichtigt weroen, daß allerdings die erste Wahl aus den Dr. R gefallen war, dieser aber die Annahme derselben, in Folge der gestellten Bedingungen, abgewiesen hat. An die Stelle des zurückgetretenen Dr. R. ist nunmehr der Herr Marx auö Trier, zur Zeit Lehrer am jüdischen Gymnasium zu Gleiwitz, zum Director genannter Lehrerbildungsanstalt gewählt worden. — In Hamm (Westphalen) hat man eine neue Synagoge gebaut, die am 11 und 12 September e. eingeweiht werden wird. Dr. Rothschild, gebürtig aus H. und gegenwärtig Rabbiner zu Alzey, wird die Einweihung vornehmen. Doch wird, wie wir vernehmen, jede äußere Feier unterbleiben. — In Hagen feierte am 19. d. M. ein jüvisches Ehepaar, Herr und Frau Blankenstein das goldene Hochzeitsfest unter lebhafter Bethenigung, sowohl der jüdischen, als auch.'der christlichen Bevölkerung. Von verschiedenen Richtungen langten die herzlichsten Gratulationen an; auch wurde das greise Jubelpaar reichlich beschenkt, unter Anderm von Ihrer Majestät, der verwittweten Königin Auguste mit einer prachtvoll gebundenen hebr. Bibel. Herr Lehrer Ostwald hielt die Festrede, welche mit Beifall ausgenommen wurde. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Belgard, den 16. August. Meine diesjährigen Ferien benutzte ich, meine frühere Heimath, das Herzogthum Posen, zu besuchen. Viel, sehr viel hat sich in dem Zeiträume von 16 Jahren, seit dieser Zeit habe ich es verlassen, in jüdisch-religiöser Beziehung geändert. Der Jndifferentiömsus hat auch dort stark Wurzel gefaßt, und große Gemeinden, die sonst den Ruf von niamp mt>np hatten, die früher große mirar» besaßen, stehen in dieser Beziehung ganz verödet da. Wohl sieht man noch hier und da ein «men rru stehen, aber nur als Denkmal früherer Zeit. Kein Wort der Belehrung, kein Laut des Talmudunterrichts wird hier vernommen, nfrjx i*’* Selbst der Gottesdienst wird in denselben nicht mehr abgehalten, weil man befürchtet, in der Synagoge kein Minjan zu haben. Eine rühmliche Ausnahme von dieser Regel macht noch die nicht weit von der polnischen Grenze liegende Gemeinde I. Da wird doch noch für die Erhaltung unseres heiligsten und theuersten Gutes rr^vipn umin1? gewirkt. Das n"3, auSgestattet mit einer reichen Auswahl cn^D aus dem Gebiete der ganzen hebräischen Literatur, wird von einem großen Theil der Gemeindemitglieder besucht. Rach dem jedesmaligen Gottesdienste wird von mehreren crpcis uw or gelernt. Der dort angestellte yiap hält hierauf mit mehreren sich dort aufhaltenden cmrD einen «oiu ujw und so wird in dieser Weise das Talmudstudium noch gehegt und gepflegt. Ein großer Uebelstand ist's hier aber, daß die Jugend nicht nur vom Talmud, sondern überhaupt fast vom ganzen hebräischen Unterricht ausgeschlossen ist. Der Rabbiner, den ich zu meinem größten Leidwesen nicht zu Hause traf, gründete eine Religionsschule, die aber von den wenigsten Kindern besucht wird, weil nicht die nöthigen Lehrkräfte vorhanden sind, einen Religionsunterricht im Sinne des JudenthumS zu ertheilen. Sie geht darum ihrer Auflösung entgegen. In der Elementarschule wird fast gar kein Hebräisch getrieben; nur Bibel und Religion in deutscher Sprache. Auf welchem religiösen Standpunkte der