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Der Israelit · 1868-09-09 · Heft 37 (9.9.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 37 (9.9.1868)
Date
1868-09-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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696 dische Laufbahn vollendet hat. Die „Crefelder Zeitung" schreibt über den Heimgegangenen: Der Verstorbene wurde am 13. December 1807 zu Karlsruhe geboren. Seine Studien begann er auf dem dortigen Gymnasium und vollendete dieselben in den Jahren 1826, 27 und 28 auf der Universität Würzburg, wo er sich in der theoretischen Philosophie, in der römischen Literatur, in der Pädagogik, in der praktischen Philosophie als Religion, Moral und Naturrecht, in der Weltgeschichte, in der Physik und in Staatswissenschaften das Prädicat „ausgezeichnet" erwarb. Seine talmudische Ausbildung erlangte er bei dem damaligen Ober-Land Rabbiner Ascher Low in Karlsruhe, und von den großen Kenntnissen, die er sich auf diesem Gebiete erworben, zeugen 3 Rabbiner-Diplome von den berühmten Rabbinern Ascher Low in Karlsruhe, I. Ettlinger derzeit in Mannheim jetzt in Altona und vr. Adler derzeit in Hannover jetzt in London. Am 14. Oktober 1830 wurde er vom Großherzogl. Badischen Oberrath der Israeliten als Rabbinats - Kandidat ausgenommen, nachdem er die Prüfung des Ober- Land-Rabbiners Ascher Low als „vorzüglich qualificirt" bestanden hatte und schon im Jahre 1831 führte ihn sein würdiger Lehrer, der genannte Ascher Low in seine erste Stelle als Rabbiner des Sprengels Hildesheim persönlich in sein Amt ein. Im Jahre 1832 vermählte er sich mit Fanny Tobias aus Hamburg, mit der er zwei Kinder hatte, einen Sohn und eine Tochter. Die Tochter starb ihm im Jahre 1855 in Crefeld. In Hildesheim sungirte er bis 1845 und erwarb sich während seiner Thätigkeit die Liebe und Achtung seitles Sprengels und seiner Mitbürger. Bei feinem Sinn für alles Gemeinnützige legte er den Grundstein zu einem Psennigsfond, dessen Tendenz die Ausbildung braver unbemittelter Knaben war. Erft nach seinem Abgänge von dort kennte dies von ihm geschaffene Werk in's Leben treten. Im Jahre 1844 wurde er durch die einstimmige Wahl der derzeitig versammelten Notabcln des Konsistorial-Bezirks Crefeld zum Oberrabbiner erwählt. Seine Amtstätigkeit in Crefeld debnte sich über den ganzen Konsistorial-Sprengel gleichen Namens aus, der über 150 Ortschaften in den Regierungs-Bezirken Aachen, Köln, und Düsseldorf umfaßte. Er widmete sich mit Fleiß und Aufopferung den kirchlichen Angelegenheiten und ordnete bei seiner großen Begabtheit und seinem tüchtigen Wissen die vielen an ihn gerichteten ritualen Fragen seines Bezirks mit Leichtigkeit und Bestimmtheit. Auch traten von berühmten Rabbinern des Auslandes große rituale Fragen an ihn heran, in denen sein Ausspruch als maßgebend betrachtet wurde. Seinem Streben hatte die Gemeinde Crefeld den Aufbau eines würdigen Gotteshauses zu verdanken; er war der Gründer eines jüdischen Wohlthätigkeit-Vereins zur Ausbildung jüdischer Lehrer und Handwerker, in welchem er persönlich wissenschaftliche Vorträge hielt. Mit Gewissenhaftigkeit inspicirte er die Schulen des ganzen Sprengels, sorgte für tüchtige Lehrkräfte und förderte so den wissenschaftlichen und religiösen Sinn in seinem ganzen Bezirke. In seiner literarischen Thätigkeit war er Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften, unter denen wir Arbeiten von ihm aus 1842 im Literaturblatt des Orients unter dem Titel „historische Studien", ferner viele Gelegenheit- und philosophische Predigten unter anderen über den Glauben, die Bruderhilfe, die Schule, die Tugend, Wandlung nach dem Ewigen, die Ehepflichten hervorheken, außerdem viele Manuskripte. Unter seinen größern wissenschaftlichen Werken der letzten Jahren finden wir das Testament unter Benennung einer Schenkung und einer Erbschaft, nach rabbinischen Quellen bearbeitet aus 1847; im Jahre 1856 erschien von ihm Haasinu oder das Lied Mons, im Jahre 1860 der „Segen Mosts," wissenschaftliche Vergleichungen, nach der Polyglotte bearbeitet. Le'der trat im Sommer 1855 ein starker Rückgang in seinem blühenden Gesundheitszustand ein, der durch den Kummer über den Verlust seiner einzigen Tochter im Herbste desselben Jahres immer nachhaltiger wurde, so daß seine amtliche Thätigkeit von da an abnehmen mußte. Trotzdem hat er in den ersten Jahren seines Unwohlseins über seine Kräfte hinaus seinen amtlichen Pflichten zu genügen gesucht, und findet sein eifriges Streben das beste Zeugniß darin, daß die Gemeinde, trotzdem er in den letzten Jahren feinem Amte nur in sehr geringem Maße vorstehen konnte, in Ehrerbietung für ihn nicht dazu überging, an seine Seite einen stellvertretenden Geistlichen zu wählen. Er genoß die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger und stand in freundschaftlichem Verkehr mit der Geistlichkeit anderer Konfessionen. Groß war sein Sinn für alles Edle und Schöne. Mit welcher Liebe er der Wissenschaft zugethan war, bekundet seine etwa 3000 Bände umfassende Bibliothek, die eine Mustersammlung gelehrter Werke ist. Seine Studien erstreckten sich speciell über mvrgenländische Sprachen und Philosophie, seine Arbeiten hierin zeugen hinlänglich von seinem großen Talent und seinem gediegenen Wissen. Sa betrauern wir in dem zu Grabe getragenen einen Mann, dessen streng wissenschaftliches und religiöses Streben ihm für alle Zeiten ein Denkstein in den Herzen seiner vielen Freunde und Verehrer sichern wird. Das Andenken des Gerechten ist zum Segen." Ueber das Leichenbegängnis; wird der genannten Zeitung geschrieben: „Ein unabsehbarer Leichenzug bewegte sich heute 28. August durch die Straßen unserer Stadt, um den

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