Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1868)
- Date
- 1868-09-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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690 dem wohl möglicher Weise etwas hinzugefügt sein könne.! Nun, einmal angenommen, diese Stelle wäre interpolirt, wie sie es gewiß nicht ist, so hat doch jedenfalls dieser Interpolant das on als „ stillstehen" aufgefaßt, und dieser Interpolant war doch ein Hebräer und hat doch zum mindesten so gut hebräisch verstanden wie Herr Barzilai, denn ihm war doch die hebräische Sprache noch eine lebendige, und jetzt will Herr B. nach dreitausend Jahren behaupten, die ganze Welt habe sich geirrt, die alten Hebräer haben ihre eigene Sprache nicht verstanden, erst ihm sei es vor-! behalten gewesen, die Welt über ihre bodenlose Taui schung und Unwissenheit zu behren. Und Habakuk,! der uns von allen Wundern erzählt, auch er steht nicht; an, im Hinblick auf das Wunder bei Josua zu sagen:! "!£>' m1 wüv (Hab. 3, 11.)! Hat mich dieser j alte Prophet kein Hebräisch verstanden? i Uebersetzen wir also getrost weiter, wie wir es! bisher gethan: „Sonne siebe still!" und nehmen wir j ruhig an, daß die Erde sich dreht. Die Stelle in! Josua ist durchaus nicht im Widerspruch mit den ko-! pernikanischen System und bedarf keiner gekünstelten! Erläuterung. Josua sprach zu Menschen, wie Menschen sprechen, — so gut. wie wir heute noch von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang reden und nicht von einer Erdzuwendung oder Erdabwendung. Frankfurt a. M., im Juli. Di-. A. Sulzbach. Ursprung und Charakter Ser hebräischen Sprache. Von Dr. Aron Hirschfeld. (Forts, aus Nr. 5 d. Iahrg.) Hierzu kömmt der Umstand, daß fast in allen Sprachen, besonders den alten elastischen, unverkennbare Spuren der hebräischen zu finden sind, wie dies Fürst in seiner chaldäischen Sprachlehre in fast unzähligen Beispielen evident bewiesen hat. Denn, wie vorher gezeigt worden, zerfielen die Sprachen nach der Sprachenverwirrung Anfangs gewiß nur in verschie- | dene, das gegenseitige Verständniß der bis jetzt nur! eine Sprache redenden Menschen, erschwerende Dialecte,! die aber nach und nack sich immer mehr nach den heterogenen Gewohnheiten, Einrichtungen und Klimaten der Völker von ihrer Ursprache entfernten und nur noch einige Ueberreste von jener in ihrem Gedächtnisse zurückgelassen haben, die sie eben an ihre gemeinsame Mutter erinnern sollen. Gesenins verwirft zwar (daselbst) diesen Beweis, indem er der Meinung ist, daß dies sehr natürlich zugeht, von dem, wie er sagt, noch Vieles aus sehr gezwungenen und schiefen Kombinationen beruht. Doch so ganz natürlich ließe sich dieses keineswegs erklären, indem die Zahl der theils in der indischen, dem sogenannten Sanscrit, wie der griechischen und lateinischen Sprache vorkommenden Wörter hebr. Ursprungs noch um ein bedeutendes Quantum vermehrt werden können, als er (ibiä. § 18, hebr. Gramm, in seinem Lexicon) aufzählt. Was dieser Gelehrte jedoch (ibid. 6, 3) als Gegenstand unserer Behauptung anführt, daß wir nämlich die hebr. Sprache in den erwiesen ältesten Schriften auf derjenigen Stufe der Ausbildung und Vervollkommnung finden, welche sie überhaupt erreicht hat, beruht gleichfalls nicht auf so fester und sicherer Basis, wie er wobl der Meinung gewesen sein mag. Denn obschon der Grad von grammatischer Ausbildung, den sie erreicht, nicht gering ist und gewiß Jahrhunderte voraussetzt (Herders Geist d. h. Poesie Th. I. S. 340 und Eichhorns Einleit, in's alte T. Th. I. 10): so könnte man zu der Annahme berechtigt sein, daß in der That von Adam bis zur Dprachenverwirrung ein Zeitraum von fast 2000 Jahren dazwischen liegt, während welcher Zeit sie wohl ihre Ausbildung erlangt haben konnte, die wir später fast vollendet an ihr erblicken. Und wollte man wiederum dagegen einwenden, daß, wenn wir der Erzählung der Genesis vollkommen Glauben schenken, die Sprache Adams im Paradiese gleichfalls schon als eine vollendet ausgebildete, keinesweges aber als eine solche erscheint, wie sie das erste Menschengeschlecht in seinem mangelhaften kindlichen Zustande gesprochen haben konnte: so müßte man auch hier bedenken, daß auch das erste Menschenpaar nicht als kleine Kinder in die Welt gesetzt worden sind, die der Mutterbrust und überhaupt aller Pflege bedürfen, die Säuglingen zu Theil werden muß. Vielmehr traten sie beide mit schon ganz entwickelten physischen Kräften und in vollkommen ausgebildetem körperlichen Zustande in die Welt und mit diesen gleichen Schritt haltend waren auch ihre geistigen Fähigkeiten auf einer weit höhern Stufe, als die eines Kindes.*) Was bildet aber die Grundlage aller menschlichen Bildung? Doch gewiß nichts anderes als die Sprache! Denn so lange das Kind noch nicht das erste Wort gesprochen hat, ist an ihm noch kein merklicher Schritt seiner geistigen Entwickelung sichtbar geworden. Nur mit dem Hervorstammeln des ersten Wortes hat es den ersten und zugleich größten Grund zu seiner weitern Entfaltung gelegt, ist in ihm die Quelle des lebendigen Brunnens aufgedeckt worden, aus welchem sein geistiges Wesen das immer frischer hervorsprudelnde Wasser der Erkenntniß unaufhaltsam schöpft, bis sein Wissensdurst vollkommen befriedigt ist. Denn jetzt erst ist die Bahn ') Vergl. auch Talm. Rosch Haschena 11a. ifaji ifnj; {nrr!) i!‘h3j pwpi