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Der Israelit · 1868-09-02 · Heft 36 (2.9.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 36 (2.9.1868)
Date
1868-09-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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662 lichen Schulanftalten, die bas jüdische Kind besucht, die Zeugnißliste über Besuch, Fleiß und Betragen von der Religionölehrerin verlangt, um das Resultat derselben :nl allgemeinen Schulzeugniß aufnchmen zu können. Dadurch wird Doppeltes gewonnen: einmal sieht der Schüler ein, daß die Reliqionsschulen ein wichtiger Theil der allgemeinen Staatsschulen sind und dann, daß auf das Urtheil der Religionslehrerin Gewicht gelegt wird. Denn schon sehr oft habe ich Gelegenheit gehabt, zu beobachten, daß die Eltern auf das vom Religionslehrer ausgestellte Zeugnis; keinen sonderlichen Werth legen, und schon zufrieden sind, wenn nur das der öffentlichen Staatsschulen ein günstiges ist. Wird hingegen das Zeugnis; der Religionsschulen von dem betr. christl. Claffenlehrer eingetragen, so figurirt dasselbe im öffentlichen Schulzeugniß und Kind und Eltern werden alsdann schon einen größern Werth ihm beilegen und ersteres sich bestreben, ein gutes zu bekommen, um nicht doppelt beschämt dazusteheu. Aus demselben Grunde bin ich auch dafür, daß die jährlichen Prüfungen der Religionsschulen, die, nebenbei gesagt, in manchen Gemeinden von den Eltern der Kinder sehr, sehr schwach besucht werden, sich den öffentlicl'en Schulprüfungen anschließen und sogar in demselben Prüfnngssaal unter Aufsicht des Direktors vorgenommen werden. Ich bin fest überzeugt, die Eltern stellen sich zahlreicher ein und die Schüler nehmen sich das ganze Jahr hindurch beim Unterrichte und im Betragen gegen die Lehrerin mehr zusammen und wird eben dadurch die Handhabung der Discipliu um Vieles erleichtert, und ganz leicht wird sie, wenn der Religionsunterricht im öffentlichen Schulgebäude ertheilt wird. M. Aeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 28. August. Der in der sogen. Rabbinerversammlung zu Cassel anwesende Meyer war nicht der aus Stuttgart, wie wir in voriger Nummer meldeten, sondern der Rabbiner und Advocat von Hechingen; ebenso war der dort anwesende Goldmann nicht der Rabbiner von Eschwege, sondern der von Birkenfeld. Ferner haben wir, und mit uns viele andere Blätter, berichtet, die Versammlung habe unter Anderm die Messias-Idee als überwundenen Standpunkt bezeichnet; Herr Philippson erklärt das als irrig; wahrscheinlich handelte es sich um den persönlichen Messias; den leugnen ja die Herren, während sie unter Messias-Idee: „Fortschritt, Bildung re. rc." verstanden wissen wollen. Herr Ph. gesteht übrigens die geringe Bedeutung und die völlige Autoritätlosigkeit der Versammlung zu; er meint, „dieAutorität, welche die Juden anerkennen, sei lediglich rückwärts gewandt; nur die Vergangenheit und die früheren Persönlichkeiten hätten für die Juden Autorität; daraus will Philippson erklären, warum bei den in Cassel tagenden Herren die Ueberzeugung vorwaltete, daß ihre Beschlüsse doch nichts gelten wurden. Herr Ph. ist aber durchaus im Jrrthume befangen. Es gibt G. s. D. auch in der Gegenwart sehr viele Männer, die bei ihren Glaubensgenossen a!ü Autoritäten gelten. Wenn z. B. die Ettlinger, Bamberger, Schreiber, Hirsch, Auerbach, Hildesheimer, NathansoÜn (Lemberg), Meisel (Warschau), Löw (Ujhely) rc. rc. Zusammenkommen und Etwas als erlaubt oder verboten, als empfehlenswerth oder zu vermeiden bezeichnen würden, — ihnen würde dieselbe Autorität zugestanden werden, wie den großen Männern der Vergangenheit. Welche Autorität können aber Philippson und Kaiserling, Hochstädter und Engelbert, Fürst aus Bayreuth und Rothschild ans Alzey, Formstecher aus Qffenbach und Cohn aus Potsdam und wie die in Cassel Versammeltgewesenen alle heißen, beanspruchen? Es war das deprimirende Gefühl der gänzlichen Unbedeutendheit, das die Cassel er Rabbinerversammlung durchdrang. Dieser niederdrückenden Selbsterkenntniß konnten sich die Herren nicht verschließen. Deßhalb soll künftighin eine Synode tagen, die großentheils aus Laien („Laien, nicht dem Priester, sondern dem Fachmanne gegenüber", wie PH. bemerkt, also pnxn bestehen soll. Es ist dies ganz consequent; da die Rabbinerversammlung zu Cassel so sehr aus „Amme Haarez" (vulgo merazzim) bestand, so will man künftig gleich die „Ammerazzim" zu den Rabbinerversammlungen berufen. Wie sehr die in Cassel versammelt gewesenen Herren des Vertrauens ihrer Gemeinden gewiß sind, geht aus folgendem Umstande hervor. Friedmann aus Mannheim hatte den Antrag gestellt, die künftige Synode solle allein aus Delegirten der Gemeinden bestehen; diese würden dann wohl den Rabbiner senden; dagegen erhob sich der größte Theil der Versammelten. „Rein." hieß es da allgemein, „die Gemeinden werden dann nicht die Rabbinen schicken; die Vorstände werden sich selbst dieses Amt zlüheileu lassen. ES muß ausdrücklich heißen, daß auch die Rabbinen in der Synode erscheinen müssen." —Köstliche Geständnisse! In der That, es wäre nur zu wünschen, daß sich die Herren recht häufig versammelten und so „ganz ontro eux" ihre Herzensmeinungen anssprechen möchten; es würden der Welt dann doch endlich die Allgen aufgehen.

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