Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1868)
- Date
- 1868-09-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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678 steigen, und die noch niemals Israels heiligen Boden erquicklich befeuchteten. ES ist das Israels taufedjähriger Fluch, daß seine Einreißer und Zerstörer aus seinem eignen Schooße kommen, und nicht selten von denjenigen, die sich als die Diener der Religion geriren. Solche Erscheinungen auf dem Gebiete der Religion, und wenn sie auch nur vorübergehend sein werden, sind immerhin beklagenswerth. Eine andere, wenn auch nicht von dem Iudenthum hrrvorgerusene, 'darum doch nicht minder beklagenöwerthe Erscheinung ist, daß durch die immer stärker werdende Uebersiedlung von dem Lande in die Stadt < für Synagoge und Schule der Landgemeinden immer mehr Gefahr droht, so daß deren Existenz hie und da in Frage kommt. Dieser von uns im vorigen Zähre ventilirte Uebelstaud ist neuerdings in einem geschätzten Organ besprochen werden, allein die desfalls angegebene Abhilfsmittel gehören nach dem eignen Geständniß des Berichterstatters in das Reich der pia deeideria; das einzige Mittel wodurch diesem Uebelftande großentheils gesteuert werden könnte, scheint mir zu stin, wenn im Bewußtsein Israels Zusammengehörigkeit, die Gemeindevertretung in den Städten von den Zuzüglern aus dem Lande nur den Mehrbetrag ihrer frühern Steuerpflicht auf dem Lande zu den Kultuslasten heranzögen, den übrigen Theil aber in die Gemeindekasse zurück fließen ließe, wo eben die Uebersiedler früher ansässig waren. Aber hine illac Jacrymae, und diese Thränen der Zeit werden noch solange nicht aufhören zu fließen als noch Egoismus, Eigennutz, Selbstvergötterung den Impuls aller Lebensbewegungen bleiben, und, wir können es uns nicht verhehlen, das jetzige Israel ist wohl noch reich an weichen, warmen, barmherzigen, aber leider arm an edlen Seelen. Doch schweifen wir nicht zu weit ab. Es wurde dann die eigentlich Conferenzaufgabe besprochen, auf die wir hier jedoch nicht näher eingehen können. — Aus Preusten Wie die „Breslauer Morgenzeitung" meldet, hat der Herr Cultusminister den wiederholten Bitten der jüdischen Gemeinde von Rakel und den Vorstellungen des Abgeordnetenhauses gegenüber die von Juden gestiftete und von Juden unterhaltene jüdische Elementarschule daselbst aus dem Grunde unter der Znspection des christlichen Orts geistlichen belassen, weil sie derselbe „zur Zufriedenheit erledigte!" Zur Zufriedenheit wessen? Des Herrn von Mühler! Daß die jüdischen Eltern, welche doch wahrhaftig das tiefste Interesse zur Sache haben, mit dieser Inspectiou nicht zufrieden sind, beweisen die wiederholten Gesuche um Ueberweisung der Inspectiou an ihren Rabbiner; aber es scheint, daß die Gefühle und Empfindungen der Eltern, welche durch ein solches Verhältniß verletzt sein müssen, vor der Zufriedenheit des Herrn Ministers zurückzutreten haben. Wunderbar und auffallend bleibt es nur, daß nach solchen Protesten der christliche Ortsgeistliche fick nicht endlich veranlaßt fühlt, auf die Inspektion der jüdischen Elementarschule Verzicht zu leisten. Wunderbar? Nein! Aber bezeichnend! Österreichischer Kaiserstaat. 12. August. Abermals haben wir einen Fall zu verzeichnen, nach welchem eine ganze Familie zum Iudenthume übergetreten ist. Der im Bezirke Landstraße, Löwengaffe Nr. 2, wohnhafte Kaufmann Wiesner, der vor mehreren Jahren den katholischen Glauben annahm, kehrte vorgestern Vormittags mit seinem Weib und drei Kindern, einem 6jährigen Knaben und zwei Mädchen, wieder zum Iudenthum zurück. Die Ceremonie ging in der Wohnung des Herrn W. in Gegenwart des Obercantors Sulzer und Predigers Herrn Dr. Güdemann vor sich. Holland. Arnheim. Den 29. d. M. wird dahier eine neue min ibd ein geweiht. Das Geld zpm Ankauf derselben haben die. hiesigen Schulkinder im Laufe von zwei Jahren gesammelt. Zur Vervollständigung der Firmen, welche bei der hiesigen Ausstellung mit Medaillen ausgezeichnet worden sind, theile ich Ihnen ein genaues Namensverzeichniß derselben mit. Es erhielten silberne Medaillen: Spinnerei und Weberei Seenendaal (Gebr. Bottenheim, Eigenthümer), A. D. Hamburger in Utrecht, Emrik und Binges in Haarlem, Jacques Elion in Amsterdam, Maurits Perver in Haag; broncene Medaillen: S. Gendien u. Söhne in Almelo, I. Elias in Styp, S. S. Spanjauw in Borne, Iac. B. Citroen in Amsterdam, I. D. Posthumus in Amsterdam; lobende Erwähnung: P.h. Pinkhof in Arnheim, M. S. de Icny in Arnheim, A. Levie in Arnheim. England. London. Vor den Schranken eines hiesigen Polizeigerichtes wurde in diesen Tagen ein Fall verhandelt, der ein eigenthümliches Licht auf die Art und Weise wirft, wie von Engländern das Christenthum unter den Juden verbreitet wird. Als Kläger erschien der Mr. John E. Sinyanke, seiner Nationalität und seinem Bekenntniß nach früher polnischer Jude, jetzt Christ und Missionär unter seinen Stammesgenossen.