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Der Israelit · 1868-09-02 · Heft 36 (2.9.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 36 (2.9.1868)
Date
1868-09-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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677 In der „Times" berechnet ein Correspondent, daß bis heute jede „bekehrte" Iudenseele, Alles in Allem veranschlagt, die enorme Summe von 10,000 Pf. St. d. i. 120,000 fl. koste! also bedeutend mehr als sonst herausgerechnet wurde und schließt mit der wohlzutreffenden Frage: „Wird wohl der Schatzmeister der Missionsgesellschaft auch die Namen und Adressen der bekehrten Juden mittheilen? Er wird sich hüten!" Aus dem norddeutschen Bunde. (Privatmittyeilung ) In unserem früheren Berichte über den Conflikt der Communalbehörden Breslaus mit der preußischen Regierung wegen Errichtung von confessionslosen Schulen und Lehranstalten haben wir gesagt, daß voraussichtlich der nächste preußische Landtag diesen Conflikt zur Veranlassung nehmen wird, um in Preußen mit einem System zu brechen, das selbst in Oesterreich allen Grund und Boden verloren hat. Diese unsere Vermuthung sängt schon an, sich zu bestätigen. Wenn wir auch in diesen Blättern keine Politik treiben, so verfolgen wir doch mit Interesse diese neue Berfaffungsfrage, weil gerade dieser specielle Fall in Breslau das Princip der völligen Gleichstellung unserer Glaubensgenossen in Preußen berührt und dadurch eine Bedeutung von großer Tragweite erlangen kann. Wie wir vernehmen, hat v. Bennigsen in Hannover kürzlich in einer dortigen Versammlung von Parteigenossen für die nächste Session des Abgeordnetenhauses, dessen Mitglied er ist, eine verschärfte und angriffsweise vorgehende Opposition seiner Partei in den innern Fragen angekündigt. Gleichzeitig mit den Nationalliberalen rüstet sich aber auch die Fortschrittspartei und zwar ebenfalls namentlich gegen die vom Kultusminister v. Mühler vertretene innere Politik. Der Vorstand des Wahlvereknö der Fortschrittspartei hat ein von Löwe- Calbe unterzeichnetes Rundschreiben an die Vertrauensmänner in den Provinzen erlassen, in welchem er zu einer energischen und nachhaltigen Thätigkeit in der Schul- und Kirchenfrage auffordert, welche beide Fragen jetzt in den Vordergrund und zwar hauptsächlich durch die Breslauer Vorgänge gedrängt seien. So ist denn gegründete Aussicht vorhanden, daß nicht nur allein dieser Breslauer Conflict eine den toleranten und vorurteilsfreien Anschaunngen der Majorität in der legislativen Versammlung Preußens entsprechende Lösung finden wird, sondern daß auch Sorge dafür getragen wird, daß für die Zukunft solche unliebsame Divergenzen zwischen den administrativen und executiven Gewalten nicht mehr Vorkommen. So unerquicklich diese Breslauer Vorgänge an und für sich auch sein mögen, so haben sie doch das Verdienst, den ersten Impuls zu einer Wandlung zum Bessern gegeben zu haben und das ist die Lichtseite derselben, die nicht zu unterschätzen ist. — nd n»20 Bonn, im August. Herr Professor und Oberbiblolhekar Dr. Jakob Bernays, Sohn des sel. Ehacham in Hamburg, und strengreligiöser Jude, erhielt bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier der hiesigen Universität den rothen Adlerorden von Sr. Majestät dem Könige von Preußen. Von der Rhön. Wenn man schon lange von unseren Bergen keine Nachrichten in diesem geschätzten Blatte gelesen, so ist die Ursache, weil des Erfreulichen nicht viel zu berichten ist. — Auch bei uns wird leider das Religiöse immer mehr eine Modewaare, die je nach dem sie gefällt, Absatz findet, und bei dem überhand nehmenden Materialismus, will man nur greifen, was man greifen kann. In dem östlichen Theile der Rhön gibt es noch wenige Gemeinden, in welchen außer uio 'ü an den Fasttagen gelesen werden könnte, an vielen Orten ist von Sabbat zu Sabbat die Synagoge geschloffen. Ein freundlicheres Bild bietet uns der westliche Theil. GerSfeld, der Sitz des Rabbiners, auf die Nachbargemeinden Einfluß übend, folgt großentheilS der orthodoxen Richtung; es wird dort auch Wohlthätigkeit geübt. Es besteht daselbst durch Vermittlung des Rabbiners ein Armenverein schon über ein Jahr, der leider jetzt, weil der HauSbettel dadurch nicht aufhört, trotz der Gegensprache des Rabbiners sich wieder auflösen wird. Durch den Abzug seines noch bayrischen Lehrers, hat die.Gemeindevertretung freilich ohne alle vorherige Erkundigung einen Herrn als Lehrer und Vorsänger aus Westphalen kommen lasten; man hat diesen Herrn gewählt, weil er Musik und Französisch zu unterrichten versteht. Herr G. hat nach seinem eignen Geständniß nur deklamirend aus der Thora vorgelesen, macht kein Hehl daraus, daß er sich bis jetzt nur rasirt habe, indem er sich im Hause des Vorstehers, wo die Gemeinde später zur Besprechung über die Anstellung des Lehrers sick versammelte, öffentlich rasiren ließ. Doch Musik und Französisch sind nicht so veraltet wie das Religiöse, gehören vielmehr zu den beliebten Bedürfnissen der Jetztzeit; übrigens soll Herr G. versichert haben, daß er, so lange er in GerSfeld sein werde, sich seinen Bart sichen und sich nicht rasiren lassen werde. Ein momentanesur.yi nno ist auch etwas! — Gelegentlich eine Mittheilung, die ich einem guten Freunde zu verdanken habe, und die ich der Sache willen reserire. Herr Rabbiner Wormser hielt den 5. d. M. eine Lehrerconferenz, und ehe das gegebene Thema besprochen wurde, hielt derselbe folgende Ansprache an die versammelten Lehrer: Wie im vorigen Jahre beginnen wir auch unsere jetzige Conferenz mit dem Zurufe DDcy 'i Gott Euch Allen zum Gruße k Es war dies; der traute Gruß der Väter im heiligen Lande, und ist auch jetzt noch der Gruß aller Menschen, die in Liebe und Wohlwollen sich begegnen. Befassen wir uns nicht'mit den brennenden Fragen, die an dem religiösen Horizont Israels als schwarze Wolken auf-

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