Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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658 Und mußte eben diese Frau, die Deborah nämlich, nicht tief eingedrungen sein in den Geist unseres heiligen Gesetzes, wenn sie das Richteramt in Israel zu führen im Stande gewesen, ein Amt, welches den größten aller Propheten zu dem Ausrufe veranlaßt: ruvty War es nicht die Prophetin Chuldah, die in der schwerbedrängtesten Zeit Iudaö eine Reue und Rückkehr hervorrief, die, wäre sie von Dauer und das Staatsgebäude nicht durch und durch vom Wurme der Sittenverderbniß und des Luxus angefressen gewesen, einej babylonische Gefangenschaft von uns abgewendet hätte? Muß diese Chuldah nicht eine gründliche Kennerin des Judenthums gewesen sein? Dem weiblichen Geschlechte, die -Quellen der heiligen Schrift in ihrer Ursprache verstopfen, heißt systematisch unserer heiligen Religion schaden; denn wir dürfen und können es uns nicht verleugnen, daß die jüdische Erziehung im Hause sehr im Argen liegt. Selbst der Mann des Materialismus, in dem aber noch, wie man zu sagen pflegt, eine jüdische Ader steckt, scheint dies, die Rettung Israels durch Frauenhand, einznsehen oder wenigstens dunkel zu ahnen. Wie würde er sonst gleichsam mit einem gewissen Stolze sagen: „Wenn ich auch auf Reisen und im Geschäftsleben nothgedrungen (?) oft die Speisegesetze übertreten muß — wenigstens habe ich doch die Beruhigung, daß in meinem Hause der Rabbine aus Jerusalem speisen darf, so sehr hält meine Frau auf eine koschere Küche, auf Schabbos ec. Und wenn ich auch manchen Morgen das vorgeschriebene Gebet — im Herzen bet' ich doch (?) — verabsäume, oder im Drange der Geschäfte vielleicht ganz vergessemeine Kinder zu Hause werden es durch Anleitung meiner Frau (Gott erhalte sie) keinen Morgen verabsäumen dürfen. Nicht ohne Grund wird im Buche der Richter und Könige, wenn vom Abfall Israels die Rede ist, ganz besonders hervorgehoben: sie nahmen sich von den Töchtern der umliegenden Völker zu Weibern und gaben ihre Töchter ihren Söhnen. Durch diesen Schritt war die Fortpflanzung der reinen Gottestehre gehemmt, das Iudenthum im Keime zerstört und dem Heidenthum Thür und Thor geöffnet. Und wenn auch gegenwärtig dem Iudenthum nicht Gefahren dieser Art, daß nämlich das grob-sinnliche Heidenthum sich des Judenthums bemächtige, bevorstehen; so steht dock, falls das weibliche Geschlecht von Allem mehr, als vom Iudenthume kennen lernt — denn gerade in dem Fortschritte aller übrigen Wissenschaften und im Zurückbleiben im Gebiete der Religion, liegt der Verderb — ein noch weit größeres Unglück: der Indifferentismus gegen alles Religiöse überhaupt uns bevor. Wie man aus Hab- und Gewinnsucht Urwälder lichtet, dadurch aber eine schädliche Klimaveränderung und Quellenversiegung hervorruft, wodurch der Winter seine erfrischende, kräftigende Kälte und der Sommer seine so nothwendige Hitze verliert, und eben dadurch der Ertrag des Bodens nur ein spärlicher, kaum zureichender geworden: ebenso hat das Beil mißverstandener Aufklärung aus Gewinn- und Genußsucht die Urwälder unseres Glaubens, worin ein jeder einzelne Baum ein onn yy ist, derart verstümmelnd gelichtet, daß, was fromme Gläubigkeit und wahre Humanität betrifft, weder Kälte noch Wärme, sondern nur ein verderblicher Jndifferentismus immer mehr und mehr um sich greift. Gegenwärtig, wo das Geld zur Tagesparole geworden, wird nicht jedes jüdische Mädchen Gattin werden. Es müssen daher eine ziemlich große Anzahl jüdischer Mädchen theils dienen, theils in Handarbeiten und theils als Lehrerinnen sich auszubilden suchen. Welches Heil können Letztere verbreiten, und welchen Nutzen dein Iudenthnme verschaffen, wenn sie gründliche Bibel und Geschichtskenntniß unseres Stammes besitzen, sich immer mehr darin vervollkommnen und sie auf ihre Schüler und Schülerinnen übertragen! Keiner sonst von ihnen zu lehrenden Wissenschaft wird alsdann die nöthige Gründlichkeit und Würze fehlen. Der Zögling wird mit einer tiefen Ehrfurcht zu seiner Lehrerin emporschauen, und die Eltern den Augenblick segnen, wo sie ihr Haus betreten und oft einer der dem Unterrichte entwachsenen Brüder sie sich zur Lebensgefährtin wählen; denn eine solche gebildete Dame wird auf den noch unverdorbenen Jüngling einen ganz andern Effekt machen als manche Theater- und Ballbekanntschaft. Die Mußestunden wird eine solche Lehrerin nicht, wie das leider so häufig geschieht, mit dem Lesen oft schädlicher Werke verbringen, sondern mit einer gründlichen Vorbereitung für ihren Hebräischen- und Geschichtsunterricht. Selbst die allgemeine Geschichte wird sie mit einem anderen Geiste lehren. Aber auch einen noch weit größer», biöjetzt kaum geahnten Nutzen könnte man aus solchen jüdischen Lehrerinnen ziehen. (Schluß folgt.) AeituttgsNiSiHvichtett und Eorresponderrzen. D 6 u t s ch l a tt d. Berlin, 11. Aug. Prof. Lazarus von hier, welcher früher an der Universität Basel angestellt war, ist zum Lehrer an der hiesigen Ingenieurschule ernannt; er soll Vorträge über Philosophie halten. Crfurt. Vergangenen Sonntag ist hier der Uebertritt einer jüdischen Frau mit ihrem kaum sechs