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Der Israelit · 1868-08-26 · Heft 35 (26.8.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 35 (26.8.1868)
Date
1868-08-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 35 des Israelit. Leitender Artikel. Der israetit. Religionsunterricht des weiblichen Geschlechts. (Fortsetzung.) Eine auf solche Weise für ihren höheren Beruf vorbereitete Jungfrau wird nicht im Putz, Vergnügen, Theater und in Bällen allein ihren Lebenszweck suchen und sich bei der Wahl eines Gatten nicht nur von äußerer Schönheit oder Vermögen leiten und bestimmen lassen — das Leben hat einen höher» Werth für sie und die Ehe ist etwas Heiligeres als ein Uebereinkommen eines Kompagniegeschäftes — nein! das Herz des Gatten, seine Gesinnungs- und Denkungsweise im Gebiete der Religion werden den Ausschlag geben, und es wird alsdann wieder jüdische Ehen, jüdisches Familienleben, jüdische Wohlthätigkeitssinn geben. Ich meine nicht das Almosengeben allein, das geschieht auch jetzt noch in reichem Maaße, sondern die schöne, herzgewinnende Art und Weise des Gebens nach jüdischer Vorschrift. Eine solche Gattin wird ihr Gewissen in Betreff der Küche nicht durch Annahme einer jüdischen Köchin beruhigen, die, nebenbei gesagt, an Gewissenhaftigkeit manchmal viel zu wünschen übrig lassen; nein, sie wird selbst sehen, selbst prüfen wollen; denn ihre Zeit wird nicht zu sehr von der Mode, dem Vergnügen und einer verbildenden Lektüre in Anspruch genommen, so daß sie sich mit Muße dem Hause hingeben kann, und in dieser Hingebung^ allein ihre Lebensaufgabe sucht und findet, Hochgenuß fühlt. Wird sie Mutter, so wird ihr die Religion auch in diesem glücklichen Stande die nothwendigen Erziehungsregeln an die Hand geben; sie, nicht der Mann, den das Geschäft heut zu Tage ganz in Anspruch nimmt, wird nach der Vorschrift orujen 'ui du man es verstehen, dieses so wichtige Gesetz in Anwendung zu bringen. Sie umgibt das Kind Abends, Morgens und Mittags, d. h. immer, beim Spaziergang u. s. f. und sie wird durch die Religionswissenschaft und vermöge ihrer sonstigen Bildung reichlich Gelegenheit finden, durch die Religion bildend auf Geist, Herz und Gemüth einzuwirken; denn nach dem genialen Jean Paul soll man bei der Erziehung zur Religion gleich dem Landmann Morgens in der Frühe bei Nebel seine Saat ausstreuen. Ist das Kind, so praktisch vorbereitet, endlich schulpflichtig geworden, so wird es schon den Inhalt vieler bibl. Erzählungen mit den daraus herzuleitenden Hauptlehren kennen, und es wird mit demselben Eifer, wenn nicht mit noch größerm, das Hebräisch-Lesen und später Grammatik, unterstützt, vorbereitet und geleitet durch die Mutter, erlernen, um das in der Ursprache, seinen Scharfsinn übend, verstehen zu lernen, was ihm schon theilweise bekannt ist. Und steht nicht die Mutter, die heut zu Tage im Stande ist, dem Kinde bei der Erlernung fast aller Schul- und Realgegenstände helfend zur Seite zu stehen, in den Augen des Kindes wirklich groß da, wenn sie ihm in der Wissenschaft, die von Gott und unfern heiligsten Pflichten handelt, wenn auch gerade nicht mehr, doch wenigstens ebenso nützend zur Seite stehen kann, wie bei andern Wissenschaften? Und muß nicht diejenige Mutter in des Kindes Augen verlieren, die ihm in Allem nachhelfen und es vorbereiten kann, nur nicht darin, was des Menschen höchstes Gut und des Menschengeistes schönstes Wissen ausmacht? Wird nicht das Kind aus dieser Unkenntniß seiner Mutter auf dem Gebiete der Religion auf die Entbehrlichkeit und Nutzlosigkeit derselben im Leben schließen, da der Vater sich aus Mangel an Zeit und die Mutter aus Unkenntniß darin nicht mit dem Kinde befassen können? Wird das Kind nicht daraus folgern: die Religionslehre müsse man nur mechanisch bis zum 14. Lebensjahre erlernen, um sie sür's ganze Leben los zu sein? Wenn schon, wie unsere Weisen sagen, der Mensch mehr durch den Umgang mit seinem Lehrer als durch den eigentlichen Unterricht gewinnt, um wie viel mehr gewinnt das Kind von einer im Hebräischen und im Religionsfache bewanderten Mutter. Bei tausend und aber tausend Gelegenheiten ist sie im Stande, ihm durch einen schönen Spruch aus dem Pentateuch, den Proverbien und den Psalmen eine stichhaltige Lehre für's ganze Leben zu geben und sie ihm durch ein schönes Gleichniß aus Fürstenthals rabb. Anthologie, aus Cohens nj'*ni ru\vy oder dgl. zu veranschaulichen. Nur durch eine solche Mutter kann der Vater am Bar-Mizwah-Tag seiner Söhne gewissenhaft sagen 'ui uiDsty ■p-o. Oder ist dieser Rettungsweg unserer heil. Religion durch Frauenhand etwa ein unehrenhafter? Ist nicht das Judenthum schon vielemal durch Frauensrömmigkeit, Frauenklugheit und sogar Frauenstärke gerettet worden? War es nicht eine Frau, die Israel vom eisernen Drucke des Königs Jab in rettete, in welchem es gerathen, nachdem es, wie nock jetzt, den cnaw D’tyu „dem Herrn des Geschäftslebens, dem Gelde, und der Genußsucht" gehuldigt und vom wahren Gotte abgefallen war? *

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